Weinsberg tüftelt aus, wo Energie gespart werden kann
Die Stadt Weinsberg bringt im Gemeinderat Sparmaßnahmen für den Winter auf den Weg und will auch die Nutzer zu mehr Ressourcenschonung sensibilisieren.

Es muss Energie an jeder nur möglichen Stelle gespart werden, um die Versorgungssicherheit über den kommenden Winter nicht zu gefährden." Bürgermeister Stefan Thoma appellierte am Dienstag inbrünstig an den Gemeinderat, das von der Verwaltung erstellte Maßnahmenpaket für Einsparungen an und in öffentlichen Gebäuden und Einrichtungen mitzutragen. "Es geht absolut nicht um betriebswirtschaftliche Belange oder um den Gemeindehaushalt zu sanieren", schob der Stadtchef nach. "Wir alle müssen bei der Energieversorgung einen Blackout verhindern."
Öffentliche Gebäude werden nicht mehr angestrahlt
Öffentliche Gebäude wie die Burgruine Weibertreu, die Johanneskirche und der Wachturm befinden sich bereits in der Umsetzungsphase beziehungsweise werden seit Anfang des Monats bei Dunkelheit nicht mehr angestrahlt. Über die von der Bundesregierung verordneten Maßnahmen hinaus hat die Verwaltung nun ein Paket mit weiteren Einsparpotenzialen an städtischen Gebäuden wie Rathaus, Schulen und Kitas sowie Sport- und Kultureinrichtungen aufgestellt, dem der Gemeinderat nach längerer und kontroverser Diskussion mit großer Mehrheit zustimmte.
In allen städtischen Gebäuden wird die Raumtemperatur reduziert
Das sind in der Regel zwei Grad weniger als bisher. Die Absenkung bei Nacht oder außerhalb des Betriebs erfolgt um weitere zwei Grad. Im Verwaltungsgebäude, Bauhof, Feuerwehrgerätehaus, in Kultureinrichtungen und gemeindeeigenen Wohngebäuden sind es dann 19 Grad. Kindergärten, Schulen und weitere Bildungseinrichtungen müssen mit 20 Grad auskommen. Während in der Mühlrainhalle die Temperatur ebenfalls auf 19 Grad abgesenkt wird, kommen die Weibertreu-, Wildenberg- und die Rossäckerhalle sowie das Bürgerhaus Wimmental und die Mehrzweckhalle in Gellmersbach runter auf 17 Grad. Die Beckenfläche des Freibades wird sogar von zuletzt 16 Grad auf zehn Grad gesenkt.
Für den Bürgermeister gilt bei der Energieeinsparung die Faustregel: Ein Grad Celsius weniger Raumtemperatur spare etwa sechs Prozent der eingesetzten Energie. Ansonsten orientiere sich die Verwaltung, so Thoma, grundsätzlich an der Verordnung zur Sicherung der Energieversorgung.
Kalte Dusche für Sportler: Auch Weinsberg schaltet das Warmwasser ab
Damit aber nicht genug. Viele Kommunen schalten gar das warme Wasser ab - auch die Stadt Weinsberg tut es. Denn hier böte sich laut Verwaltung ein größeres Einsparpotenzial an. Das liege bei einer kompletten Abschaltung der Warmwasseraufbereitung zwischen 13 und 15 Prozent der Gesamtwärmeenergie. Dies entspreche einem Betrag von insgesamt rund 230.000 Euro. Die Verwaltung ist sich darüber im Klaren, dass die Abschaltung der Warmwasseraufbereitung für jeden Nutzer ein Komfortverlust darstellt.
Dieser Punkt führte im Gemeinderat zu einer längeren Diskussion. Ein Teil des Gremiums votierte zunächst gegen die Warmwasserabschaltung in Sport- und Turnhallen. So sprach sich Florian Vollert (Die Linke) dafür aus, das Wasser nicht kalt werden zu lassen. "Da gibt es ganz andere Einsparpotenziale." Auch Martin Stäbler kann die Temperaturabsenkung in der Sporthalle mittragen, doch nach dem Sport müsse ein warmes Duschen möglich sein, so der FWV-Rat.
Aus den Reihen des Gemeinderates kam noch der Vorschlag, einzelne Hallen von den Maßnahmen auszuschließen oder "kleinere Einheiten als Reserve bereitzuhalten", wie es Michael Ostertag (FWV) formulierte. Doch es wird keine Ausnahmen geben - auch keine zusätzlichen Heizlüfter in Büroräumen.
So sieht aktuell der Strom- und Gasverbrauch städtischer Einrichtungen aus
Auch die Stadt Weinsberg muss sich auf die möglicherweise drohende Energieknappheit im kommenden Winter und auf die steigenden Energiekosten vorbereiten. Rund zwei Drittel der städtischen Gebäude werden aktuell mit Erdgas beheizt. Insgesamt lag der Gasverbrauch aller städtischen Gebäude 2021 bei circa 370.000 Kubikmeter und der Stromverbrauch bei rund einer Million Kilowattstunden. Experten gehen davon aus, dass die Strompreise um 20 bis 50 Prozent ansteigen, der Gaspreis könnte sich sogar vervielfachen.
Straßenbeleuchtung bleibt länger dunkel
Um dem entgegenzuwirken, soll es dunkel bleiben. Denn die Straßenbeleuchtung wird weiter reduziert, trotz dem Einsatz effizienter LED-Technik, die den Energieverbrauch deutlich reduziert. Die Abschaltzeit wird um zwei Stunden erweitert, und zwar nun zwischen ein und fünf Uhr in der Früh. "Wir können nicht weitermachen wie bisher, sonst droht tatsächlich der Blackout", betonte Bürgermeister Stefan Thoma. Das Stadtoberhaupt will zudem alle Gebäudenutzer der städtischen Einrichtungen hinsichtlich eines sparsamen Umgangs mit Energie und Wasser informieren und sensibilisieren.
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