Eis statt Putenwurst: Warum zwei Metzger aus der Region Ice-Dealer sind
In Schozach und Richen gibt es Eisautomaten. Denn die Metzger Matthias Schmidt und Thorsten Gleichauf haben sich ein neues Hobby zugelegt: Sie machen Eis und verkaufen es in ihren Heimatdörfern. Wie kam es dazu?

"Metzger sind von Haus aus Naschkatzen": Für Matthias Schmidt liegt die Erklärung auf der Hand, weshalb er und Thorsten Gleichauf nach Feierabend von der Wurstküche in die Eismanufaktur gewechselt haben.
Süß statt deftig lautet ihr neues Motto, und daran sollen auch andere teilhaben. In ihren Heimatdörfern Schozach und Richen haben die Freunde zwei Eisautomaten aufgestellt und nennen sich "Ice-Dealer" (Eis-Händler).
Eis statt Putenwurst: Metzger sind jetzt Ice-Dealer
"Es ist unser Hobby", betont Matthias Schmidt. "Eine Expansion ist Zukunftsmusik." 22 Jahre lang haben er und Thorsten Gleichauf in ihrer Freizeit Putenwurst produziert. Irgendwann entstand die Idee, stattdessen Eis zu machen. Ein einwöchiges Seminar an der Berliner Eisfachschule Polartwist hat das eingespielte Duo in seinem Vorhaben bestätigt.
Und begeistert: "Die Qualität ist so, wie wir sie von der Wurstherstellung kennen", sagt Schmidt. Schon während seiner Ausbildung zum Lebensmitteltechniker ist er mit dem Thema Eis in Berührung gekommen, hat sein Geld aber als Metzger und dann im Elektrogroßhandel verdient.
Im Heimatort gibt es selbstgemachtes Eis
"In Richen hatten wir mal eine Eisdiele", erzählt Metzgermeister und Partyservicebetreiber Thorsten Gleichauf. "Die Vielfalt einer Eisdiele ist zwar nicht unser Anspruch." Aber dass es im Ort wieder handwerklich erzeugtes Eis zu kaufen gibt, hält der 54-Jährige für "eine Bereicherung" und hat den Automaten vor seinem Haus aufgestellt.
Was später vielleicht mal die Rente aufbessern könnte, ist erst einmal kostenintensiv. Investitionen im fünfstelligen Bereich waren nötig, um das Equipment vom Pasteurisierer über die Softeismaschine bis zum Schockfroster anzuschaffen. Offizieller Start war im Mai. "Keine Konservierungs- oder Farbstoffe, kein E auf der Zutatenliste", formuliert Matthias Schmidt (58) die Grundsätze der neu gegründeten GbR. Nur tiefgefrorene und frische Früchte beziehungsweise Fruchtpüree werden an ein- bis zwei Abenden in der Woche in Richen zusammen mit frischer Milch und Sahne verarbeitet. "Da wollen wir uns von anderen abheben." Von Fertigmischungen aus dem Beutel halten die beiden Familienväter gar nichts.
Softeismaschine sorgt für cremiges Eis
Weil die Portionierung über eine Softeismaschine läuft, sei ihr Eis auch cremiger, erklärt Gleichauf. Der Nachteil: Zutaten wie Kekskrümel oder Schokostreusel können nicht verarbeitet werden, weil das Gerät sonst verstopft. 15 Sorten umfasst das Sortiment - von Maracuja über Tonkabohne bis Zitrone. In den Automaten am häufigsten nachgefüllt werden muss zurzeit die Geschmacksrichtung Schoko-Vanille.
Die Rezepte stammen aus der Eisfachschule in Berlin, "aber wir tüfteln auch selber daran, weil wir unsere eigene Note reinbringen wollen", sagt Gleichauf. Gedanklich hätten sie sich sogar schon mit einem Eis für Hunde befasst - mit Leberwurstgeschmack, versteht sich. Bevor es an Neues geht, wollen Schmidt und Gleichauf aber erst einmal die Produktionsabläufe optimieren, um wirtschaftlicher zu arbeiten. Matthias Schmidt: "Es soll Spaß machen, aber ein gewisser Umsatz sollte natürlich da sein."
Kommentare öffnen


Stimme.de
Kommentare