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Paukenschlag in Eberstadt

Bürgermeister Stephan Franczak zieht seine Kandidatur zurück – Was sind die Gründe?

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Amtsinhaber Stephan Franczak sieht kein Ende der Arbeitsüberlastung, die sich gesundheitlich auswirkt. "Wenn ich gewonnen hätte, hätte es so aber nicht weitergehen können", sagt der amtierende Bürgermeister von Eberstadt. Aber das ist nicht der einzige Grund für den Rückzug.

Stephan Franczak in seinem Büro im Eberstädter Rathaus. Seine Amtszeit läuft am 2. November ab. Was er dann macht, weiß er noch nicht.
Stephan Franczak in seinem Büro im Eberstädter Rathaus. Seine Amtszeit läuft am 2. November ab. Was er dann macht, weiß er noch nicht.  Foto: Berger

Update vom 17.09.23 18.45 Uhr: Patrick Dillig gewinnt die Bürgermeisterwahl in Eberstadt.

Es ist ein Paukenschlag: Bürgermeister Stephan Franczak zieht seine Kandidatur für die Wahl am 17. September zurück. Es gibt mehrere Gründe, warum der 47-Jährige doch keine zweite Amtszeit in der 3200 Einwohner großen Gemeinde mehr anstrebt.

Am 10. August hat Patrick Dillig, Kämmerer von Jagsthausen, seine Bewerbung für die Bürgermeisterwahl abgegeben. Nur der letzte Auslöser für die Entscheidung Franczaks, die er am Sonntagabend mit seiner Frau und Tochter getroffen hat. Nachdem er diesen Schritt getan habe, seien ihm Steine vom Herzen gefallen.

Stephan Franczak: Wahlkampf mit Gegenkandidaten zu anstrengend

In seiner derzeitigen Verfassung hätte er als Alleinkandidat einen "einfachen" Wahlkampf bestreiten können, sagt Franczak gegenüber der Heilbronner Stimme. Aber so überarbeitet wie er sei, wisse er nicht, ob er einen "heftigen" Wahlkampf angesichts eines Gegenkandidaten - die Bewerbungsfrist läuft noch bis Montag, 21. August, 18 Uhr - hätte schaffen können. "Es liegt im Berufsrisiko, dass man gegebenenfalls verlieren kann", verneint der Amtsinhaber, dass er sich dem Risiko einer Niederlage nicht habe aussetzen wollen. "Wenn ich gewonnen hätte, hätte es so aber nicht weitergehen können."

Der Bürgermeister meint damit die Situation im Rathaus. Die sieben Vollzeitstellen reichten angesichts ständig steigender Aufgaben nicht aus. Wenn jemand krank sei oder Urlaub habe, gebe es keine Vertretung - außer bei den Pflichtaufgaben wie Standesamt oder Passwesen. Ansonsten müsse der Bürgermeister einspringen. Dass dieser permanente Überlastungszustand von Verwaltung und Bürgermeister sich schnell ändern werde, das glaubt der gelernte Sozialwissenschaftler nicht. Es sei denn, man konzentriere sich nur noch auf die Pflichtaufgaben und schränke die Entwicklung der Gemeinde ein. Zusätzliches Personal, das er gefordert habe, habe der Gemeinderat abgelehnt.


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Bilanz nach acht Jahren als Bürgermeister von Eberstadt falle gut aus

Der 47-Jährige ist überzeugt, dass die Leistungsbilanz der vergangenen acht Jahre "gut ausfällt". Das liege daran, dass er neben dem Krisenmanagement in Sachen Pandemie und Flüchtlingsunterbringung "sehr vieles zu einem hohen Preis für meine Familie und meine Gesundheit erarbeitet habe".

Franczak gesteht ein, dass die Fehleranfälligkeit angesichts der Umstände hoch gewesen sei. Dass dies damit zu tun haben könnte, dass er kein Verwaltungsfachmann ist, bestreitet er.

Rolle des Kümmerers kann er nicht erfüllen

In Gesprächen mit Einwohnern ist Franczak klar geworden, dass das Rathaus nicht mehr als Problemlöser gesehen werde. Im Gegenteil: Er und die Verwaltung würden als Teil des Problems wahrgenommen. Angesichts der Arbeitsüberlastung habe er den Kontakt zur Bevölkerung verloren. Ein Dorf brauche einen Bürgermeister, der ein Kümmerer sei. Dass er das nicht erfüllen könne, habe er selbst gefühlt. Verbittert und enttäuscht sei er nicht. "Man muss ehrlich zu sich selbst sein. Ich bin kein Bürgermeister, sondern ein Managertyp, der die Probleme sieht und lösen will."

"Ich hatte nicht den Eindruck, dass wir weit auseinander waren", meint Franczak mit Blick auf den Gemeinderat. Eigentlich spricht er von einer vertrauensvollen Zusammenarbeit, dann aber davon, dass seit den Kommunalwahlen 2019 kein tiefes Vertrauensverhältnis vorhanden sei. Warum es "ein bisschen knirsche", habe er nie greifen können. Sein Stellvertreter Thilo Rank, den Franczak am Dienstagabend mit seinem Rückzug überrascht hat, beklagt den Umgangston. "Die Qualität der Sitzungen ist schlechter geworden."


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