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Wie ein Großprojekt beim Schwarz IT-Campus die Abwassergebühren hochdrückt

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Die Baukosten für das Regenrückhaltebecken in der Oberen Fundel in Bad Friedrichshall schnellen auf 6,2 Millionen Euro hoch.

Von Ute Plückthun
Das ist nur ein Provisorium: Dieses Pufferbecken am Fuße des Schwarz IT-Campus mit einem Fassungsvermögen von 1000 Kubikmetern wird zurückgebaut, sobald das neue Regenüberlaufbecken an den Start geht.
Foto: Ute Plückthun
Das ist nur ein Provisorium: Dieses Pufferbecken am Fuße des Schwarz IT-Campus mit einem Fassungsvermögen von 1000 Kubikmetern wird zurückgebaut, sobald das neue Regenüberlaufbecken an den Start geht. Foto: Ute Plückthun  Foto: Plückthun, Ute

"Es ist das komplizierteste und komplexeste Bauwerk, das wir bei der Stadtentwässerung jemals hatten", sagt Bürgermeister Timo Frey zum Neubau des Regenrückhaltebeckens RRB 1 in der Oberen Fundel.

Der Rathauschef erläuterte im Betriebsausschuss, dass für Bauwerk und Leitungen ein gewerbliches Privatgrundstück, ein Areal der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung sowie Flächen des Bundes, der Schwarz-Gruppe und der Stadt Bad Friedrichshall heranzuziehen seien. Und: "Entgegen der ersten Kostenermittlung von 2,45 Millionen Euro liegen wir nun bei 6,2 Millionen Euro."

Kosten schlagen nicht voll durch

Die über mehrere Jahre ausgelegte Berechnung belaste den Haushalt der Stadtentwässerung, bis über den städtischen Etat nachfinanziert sei. "Selbstverständlich fließen die Kosten in die künftigen Abwassergebühren mit ein", machte Frey klar. Allerdings schlügen sie nicht voll durch.


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Als Einnahmen stünden ihnen Beiträge aus dem Kommunalabgabegesetz gegenüber, die in die Kalkulation einflössen. Außerdem Erschließungskosten vom Ingenieurbüro für Baulandentwicklung IWB. Dies betreffe das Wohngebiet Amorbacher Straße, die Straßenentwässerungsanteile und auch das kleine Gewerbegebiet sowie die Veranlagung des Schwarz-Projektcampus-Geländes.

Rückhaltebecken mit deutlich mehr Volumen

Das RRB 1 umfasse zwei Pressgruben und Vortrieb. Das Ziel ist eine Leitung, "in die dann eingeleitet werden kann." Das jetzige Provisorium mit einem Fassungsvermögen von 1000 Kubikmetern werde später zurückgebaut. Das neue Bauwerk habe mit 2200 Kubikmetern deutlich mehr Volumen - und leistungsfähigere Ableitungen. Bereits beschlossen sei, die Rohre größer zu dimensionieren, als es nach der Berechnung nötig gewesen wäre, um kein Risiko einzugehen.

Tiefbauamtschef Ulrich Feldmeyer erläuterte das Vorgehen. Die in der neuen K2117 verlegten Regenwasserleitungen zum Provisorium pumpten das Wasser per Druckleitung in das Kanalnetz Kochendorf sowie in Richtung Bergrat-Bilfinger-Straße zum Regenwasserkanal, der unter dem Neckarkanal hindurchführt und in den Altneckar mündet. "Das Kanalnetz schafft es zwar, aber das RRB ist überlastet."


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Unter Straßen und Bahngleisen hindurch

Der Neubau entstehe gegenüber dem Provisorium auf einer Grünfläche zwischen der K2000 und der Auffahrt zur B27 inklusive Spundwänden sowie einer Gabionentrennwand zwischen Fahrbahn, Rad- und Gehweg. Das RRB 1 sei bemessen auf ein sogenanntes 100-jährliches Regenereignis. Über das Becken mit einer Drossel werde das Wasser in einen Kanal mit Rohren von 1,60 Meter Durchmesser unter der K2000, der B27 und der Bahn hindurch abgeführt. Zunächst Richtung Bauzentrum Ziegler und in einer zweiten Durchpressung ab dem Parkplatz an der Bergrat-Bilfinger-Straße zum Neckar.

Warum macht die Leitung auf letzter Strecke einen Knick? Timo Frey erklärte es: "Durch den Einfluss darf für die anlegenden Schiffe in der Schleuse keine Querströmung entstehen. Damit soll ihr Abdriften verhindert werden."


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Bewässern statt ableiten

Auf Nachfrage von Silke Ortwein (SPD) räumte Ulrich Feldmeyer jährlich entstehende Kosten für die Reinigung von Ablagerungen ein, die bei trockenem Wetter über verschließbare Spundbohlen aber problemlos möglich sei. Günter Hekler (FDP) hinterfragte die schnelle Ableitung des Wassers statt einer Nutzung für Bewässerung. Bürgermeister Frey versprach: "Die Erschließung von Wasservorkommen werden wir separat diskutieren, auch bei zukünftigen Bauvorhaben."

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