Stimme+
Gemmingen

Hochwasserschutz fängt im Privaten an

   | 
Lesezeit  2 Min
Erfolgreich kopiert!

Die Hochwasserexpertin Catharin Schäfer stellt der Gemeinde Gemmingen gute Noten in Sachen Hochwasserschutz aus. Zugleich appelliert sie im Gemeinderat an alle Hausbesitzer, ihren Grund und Boden unter die Lupe zu nehmen und ebenfalls Vorsorge zu treffen.

Das Stebbacher Rückhaltebecken wurde 2015 gebaut als direkte Folge des verheerenden Hochwasserereignisses im Juli 2006, bei dem vor allem der Gemminger Ortsteil betroffen war.
Fotos: Ulrike Plapp-Schirmer
Das Stebbacher Rückhaltebecken wurde 2015 gebaut als direkte Folge des verheerenden Hochwasserereignisses im Juli 2006, bei dem vor allem der Gemminger Ortsteil betroffen war. Fotos: Ulrike Plapp-Schirmer  Foto: Plapp-Schirmer, Ulrike

Lob von Expertenseite gab es im Gemminger Gemeinderat für die Umsetzung von Schutzmaßnahmen auf der Grundlage einer Konzeption, die im Anschluss an das verheerende Hochwasser im Juli 2006 auf den Weg gebracht worden war. Vor allem Stebbach war damals überrascht worden.

Stebbach und das Hochwasser 2006

Das Wasser stand meterhoch in Kellern. Schlamm wurde von den Ackerflächen in den Ort gespült, und das, obwohl "sowohl in Gemmingen als auch in Stebbach der Schutz eines 100-jährlichen Hochwassers" zum damaligen Zeitpunkt bereits gegeben war.

In Erinnerung an 2006, aber auch vor dem Hintergrund der Hochwasserkatastrophe 2021 in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen, hat Catharin Schäfer vom Ingenieurbüro Wald und Cobe auf Wunsch der Verwaltung einen Blick darauf geworfen, was in den zurückliegenden Jahren zum Schutz der Bevölkerung gemacht wurde - und was gegebenenfalls aktualisiert werden muss.

Ihr Fazit: Gemmingen ist gut aufgestellt und hat alle in der Hochwasserschutzkonzeption empfohlenen Maßnahmen, etwa den Bau des Rückhaltebeckens in Stebbach 2015, vorbildlich umgesetzt.

Ihr Appell: Vor allem im Privaten muss mehr Vorsorge getroffen werden. Als gesichert gilt, dass die Erderwärmung zunimmt. Weil warme Luft mehr Wasser aufnehmen und transportieren kann als kalte, ändern sich die Niederschlagsmengen. Schäfer spricht von der Gefahr großer "Gewitterzellen über Ortslagen": Und dagegen könnten auch Überlaufbecken nichts ausrichten.

Wer sich informieren will, kann das tun: Überall finden sich Hinweise auf die Möglichkeit von Umweltkatastrophen. Im Internet gibt es Tipps, wie man sich schützen kann.
Wer sich informieren will, kann das tun: Überall finden sich Hinweise auf die Möglichkeit von Umweltkatastrophen. Im Internet gibt es Tipps, wie man sich schützen kann.  Foto: Plapp-Schirmer, Ulrike

Praktische Tipps von Experten

Abschüssige Hof- und Garageneinfahrten, Kellereingänge, bodengleiche Lichtschächte, undichte Fenster und Türen und vor allem fehlende oder defekte Rückstauklappen können Schwachstellen eines Gebäudes sein. Daher stellte die Ingenieurin der Verwaltung eine Liste mit weiterführenden Informationen zur Verfügung mit der Bitte, diese über die Website und im Mitteilungsblatt zu verbreiten.

Ob das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung oder das Tiefbauamt der Stadt Karlsruhe: Sie alle geben praktische Tipps, wie man sich gegen Rückstau aus der Kanalisation oder das Eindringen von Oberflächenwasser besser schützen kann.

Catharin Schäfer empfiehlt druckfeste, zum Teil selbstschließende Türen und Fenster im Kellergeschoss, hochgesetzte und/oder abgedeckte Lichtschächte, eine Abwasserhebeanlage oder Rückstauventile.

Die Konzeption zu überprüfen und zu aktualisieren, "gehört zu unserer Verantwortung", sagte Bürgermeister Timo Wolf. Darüber hinaus gebe es aber die Pflicht eines jeden Eigentümers, seinen Grund und Boden zu beleuchten.

Hundertprozentigen Schutz gibt es nicht

Ein "Recht auf Hochwasserschutz", das machte Catharin Schäfer sehr deutlich, hat der Gesetzgeber nicht vorgesehen. Das Land Baden-Württemberg empfiehlt den Kommunen aber einen Schutzgrad von 50- bis 100-jährlichen Hochwasser. Als Stebbach und Staudbach 2006 anschwollen, wurde Gemmingen aber von einem "weit über 1000-jährlichen Hochwasser überrascht". Bürgermeister Timo Wolf schließt daraus: "Einen hundertprozentigen Schutz gibt es nicht."


Infos zur privaten Vorsorge

Informationen über den Klimawandel und über mögliche öffentliche und private Schutzmaßnahmen sind leicht zugänglich. Ein Leitfaden zum Objektschutz und zur baulichen Vorsorge findet sich etwa auf der Website des Bundesinstituts für Bau, Stadt und Raumforschung, www.bbsr.bund.de. Ingenieurin Catharin Schäfer empfiehlt die Installation einer Warn-App. Informationen dazu gibt es bei der Hochwasservorhersagezentrale unter www.hvz.baden-wuerttemberg.de.

Kommentare öffnen
Nach oben  Nach oben