Aus für Homöopathie auf Kassenkosten – Eppinger Ärztin spricht von „Nebelkerze“
Die Bundesregierung will bei den Krankenkassen sparen – und dafür homöopathische Leistungen streichen. Doch die Einsparungen wären gering. In der Region sorgt das für Kritik.
Die gesetzlichen Krankenkassen stehen vor großen finanziellen Schwierigkeiten: Mit einem Reformpaket will Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) im nächsten Jahr bis zu 20 Milliarden Euro einsparen.
Ein Teil der Pläne sorgt jedoch für Diskussionen: Künftig sollen homöopathische Leistungen für gesetzlich Versicherte komplett gestrichen werden – obwohl dadurch nur vergleichsweise geringe Summen eingespart würden.
Homöopathische Kassenleistungen sollen gestrichen werden: AOK sieht nur geringen Beitrag zur Entlastung
Laut Gesundheitsministerium könnten durch die Streichung rund 40 Millionen Euro jährlich eingespart werden – das entspricht lediglich 0,2 Prozent des geplanten Einsparpotenzials. „Die Finanzwirkung durch die Streichung wird äußerst gering sein“, sagt René Schilling, Sprecher der AOK Heilbronn-Franken, auf Anfrage. Die AOK Baden-Württemberg gehört bislang zu den Krankenkassen, die homöopathische Arzneimittel unter bestimmten Voraussetzungen übernehmen, etwa wenn sie von entsprechend qualifizierten Ärzten verordnet werden.
Wie das in der Praxis aussieht, zeigt ein Blick in die Region: Beate Langosch-Sinz aus Eppingen gehört zu den wenigen Ärzten, die eine solche homöopathische Zusatzqualifikation haben. „Die Nachfrage geht zurück. Junge Menschen wollen gar nicht mehr so viel Homöopathie“, sagt die Ärztin. In ihrer Praxis entfällt der Großteil der Behandlungen auf die Schulmedizin – rund 90 Prozent der Rezepte stellt sie in diesem Bereich aus. Homöopathische Mittel verschreibt sie nur vereinzelt. Diese werden von den Kassen nur übernommen, wenn sie Teil spezieller Verträge sind.
Ärztin sieht sinkende Nachfrage bei Homöopathie
Im Zuge der Reform könnte Langosch-Sinz künftig nur noch sogenannte grüne Rezepte ausstellen, also Verordnungen, die Patienten selbst bezahlen müssen. Bereits heute macht diese Form der Verschreibung den Großteil aus. „Bisher konnte ich Patienten gewisse Produkte anbieten und die Krankenkasse hat es übernommen“, sagt die Ärztin.

In manchen Fällen müsste sie künftig stattdessen auf andere, schulmedizinische Medikamente ausweichen, wenn homöopathische Mittel nicht mehr erstattet werden. Durch die Reform würden solche Präparate damit zu „exquisiten Möglichkeiten“, da sie sich nicht mehr jeder leisten könne.
In ihrer Praxis beobachte Langosch-Sinz, dass einige Patienten mit homöopathischen Mitteln gute Erfahrungen machten. Auch die AOK Baden-Württemberg spricht davon, dass „eine homöopathische Behandlung zu einer subjektiv wahrgenommenen Verbesserung der gesundheitlichen Situation bei den behandelten Personen führen kann“, erklärt René Schilling. Wissenschaftlicher Konsens ist, dass für homöopathische Behandlungen keine Wirkungen nachgewiesen sind, die über Placeboeffekte hinausgehen.
„Nebelkerze“: Kritik an Reformplänen
Unabhängig von der Diskussion um die Wirksamkeit von homöopathischen Mitteln sieht Langosch-Sinz die Reformpläne zur Streichung homöopathischer Leistungen kritisch. Sie spricht von einer „Nebelkerze“. „Die aktuellen Leistungen belasten die Krankenkassen nicht groß. Es wirkt eher wie eine Art Makel, den die Schulmedizin jetzt loswerden möchte“, sagt sie. Das Problem bei der Finanzierung der Krankenkassen sei nicht „auf dem Rücken der Patienten“ zu lösen, sondern brauche grundlegendere Reformen, fährt Langosch-Sinz fort.
Neben der Streichung von homöopathischen Leistungen sollen auf Patienten auch weitere Einschränkungen zukommen. So sind auch höhere Zuzahlungen bei Arzneimitteln oder der Wegfall kostenloser Hautkrebs-Screenings in den Planungen vorgesehen. Im Sommer soll das finale Sparpaket vom Kabinett dann endgültig beschlossen werden.
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