Zuzahlung bei Medikamenten soll teurer werden – „sehen wir sehr kritisch“
Statt bisher fünf bis zehn Euro könnten auf Patienten in Zukunft 7,50 bis 15 Euro an Zuzahlungen für Medikamente zukommen. Daran wird nun Kritik laut – auch im Raum Heilbronn.
Mit Blick auf steigende Defizite im Gesundheitswesen hat Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) am Dienstag eine Reform der gesetzlichen Krankenversicherung angekündigt.
Im Zuge des Sparkurses sollen auch die Zuzahlungen für Medikamente ansteigen. Statt bisher mindestens fünf Euro werden dann mindestens 7,50 Euro fällig, die Obergrenze steigt von zehn auf 15 Euro. Der Vorschlag stößt auf Kritik – bundesweit und in der Region.
Wie viel Patienten mehr für Medikamente zahlen sollen
Das Grundprinzip des bisherigen Systems bleibt bei einer kommenden Reform gleich. Patienten zahlen weiterhin eine Eigenbeteiligung von zehn Prozent des Medikamentenpreises. Seit der Einführung im Jahr 2004 waren das mindestens fünf und maximal zehn Euro. Diese Grenzen sollen jetzt um 50 Prozent erhöht werden.
Ein Beispiel: Wer bisher ein Medikament für 15 Euro kaufte, zahlt dann den erhöhten Mindestbetrag von 7,50 statt bisher fünf Euro. Bei einem teureren Arzneimittel für 300 Euro werden dann 15 statt zehn Euro fällig.
Bei Zuzahlung bei Medikamenten: „Versicherte eh schon überproportional belastet“
Kritik erntet der Vorschlag unter anderem vom Landesvorsitzenden des Sozialverbands VDK Baden-Württemberg: „Die geplante Erhöhung der Zuzahlungen sehen wir sehr kritisch, da die Versicherten eh schon überproportional belastet sind“, kommentiert Hans-Josef Hotz.

Die höhere Zuzahlung treffe demnach besonders chronisch kranke Menschen, die laut Hotz bereits von akuter Armut betroffen seien. „Diese Menschen können häufig gar nicht oder nur in Teilzeit arbeiten, verdienen weniger und haben später eine niedrigere Rente.“
Chronisch kranke Menschen zahlen die Eigenbeteiligung ebenfalls ganz regulär. Entlastet werden sie bei der Belastungsgrenze. Dieser Schutzmechanismus deckelt die maximale Eigenbeteiligung pro Jahr und liegt bei Menschen mit chronischer Erkrankung bei einem Prozent des Bruttoeinkommens – bei allen anderen liegt dieser Wert bei zwei Prozent. Wer also 50.000 Euro verdient, zahlt für Medikamente jährlich maximal 1000 Euro aus der eigenen Tasche, bei einer chronischen Erkrankung maximal 500 Euro.
Höhere Eigenbeteiligung bei Medikamenten: Apotheker warnen vor Folgen
Neben den chronisch kranken Menschen sieht Apotheker Hans Felix Schreckenbach auch ältere Menschen und Familien als besonders betroffen von der Reform: „Wir erleben in der Apotheke täglich, dass bereits die aktuellen Zuzahlungen für viele Patientinnen und Patienten eine spürbare Belastung darstellen“, sagt Schreckenbach, der in Heilbronn zwei Apotheken führt. Eine Erhöhung der Zuzahlung könne Patienten dazu bringen, notwendige Therapien nicht konsequent oder verzögert durchzuführen.
Auch Dirk Homann, der drei Apotheken in Heilbronn verantwortet, sieht die Reform kritisch, räumt zugleich aber ein, dass „eine gewisse Eigenbeteiligung der Patienten notwendig sein kann, um weiter steigende Krankenkassenbeiträge zu vermeiden“.
Schwieriger werde sich laut Homann vor allem die Kommunikation gegenüber Kunden gestalten: „Es wird viel Aufklärungsbedarf auf uns zukommen. Vielen ist nicht klar, dass die Zuzahlung für uns ein Durchlaufposten ist und 1:1 an die Krankenkassen weitergegeben wird.“
AOK Baden-Württemberg zu Zuzahlungsplänen: „Nicht der beste Vorschlag“
Die AOK Baden-Württemberg bewertet die Reform insgesamt differenziert. Zwar begrüße man grundsätzlich Maßnahmen zur Stabilisierung der Finanzen, der Vorschlag zur Erhöhung der Zuzahlungen sei jedoch „nicht der Beste aus dem Maßnahmenmix“, sagt René Schilling, Pressesprecher der AOK Heilbronn-Franken, auf Anfrage.
Eine solche Erhöhung würde die Beitragszahler demnach zusätzlich belasten. „Es liegen genug ausgabenorientierte Maßnahmen vor, deren Umsetzung alleine schon ausreichende Wirkung erzielen würde“, so Schilling. Mit dem Vorschlag zur Erhöhung der Zuzahlung können laut Expertenkommission, die die Reformvorschläge für Gesundheitsministerin Nina Warken erarbeitet hat, rund 1,9 Milliarden Euro mehr eingenommen werden. Im Jahr 2025 wurden knapp 5,2 Milliarden Euro auf diesem Weg eingenommen.
Kommentare öffnen
Stimme.de
Kommentare