Eberhard von Gemmingen wurde am 4. April 1936 im Wasserschloss in Bad Rappenau geboren und trat nach dem Abitur dem Jesuitenorden bei. 1968 wurde er in München zum Priester geweiht.Von Gemmingen studierte Philosophie, Theologie, Volkswirtschaft und Politikwissenschaft in München, Innsbruck, Lyon und Frankfurt.Ab 1982 war er Mitarbeiter bei Radio Vatikan, von 1984 bis 2009 leitete er die deutschsprachige Redaktion in der italienischen Hauptstadt. Seit seinem Rückzug lebt der Pater in München und ist weiterhin publizistisch aktiv.
Konklave in Rom: Vatikan-Kenner Eberhard von Gemmingen blickt auf die Papstwahl
Wer folgt auf Papst Franziskus? Der Jesuit Eberhard von Gemmingen spricht über mögliche Kandidaten, globale Machtverschiebungen – und dass ein US-Papst unwahrscheinlich ist.
Mehr als ein Vierteljahrhundert leitete er die deutschsprachige Redaktion von Radio Vatikan in Rom, führte das erste große Interview mit Papst Benedikt VI. nach dessen Wahl 2005 und hat einen etwas anderen Reiseführer über die italienische Hauptstadt verfasst. Auch heute, Jahre nach seiner Zeit in Rom, verfolgt Pater Eberhard von Gemmingen die Entwicklungen im Vatikan genau. Besonders jetzt, da die Wahl eines neuen Oberhaupts der katholischen Kirche ansteht.
Konklave in Rom: Nur Kardinäle unter 80 Jahren dürfen den Papst wählen
„Ich hoffe, dass das Konklave länger dauert“, sagt der 89-Jährige, der heute in München lebt. Schließlich seien in den vergangenen Jahren viele neue Kardinäle neu ernannt worden. Viele kennen sich noch nicht gut. Doch um eine Entscheidung über einen geeigneten Nachfolger von Papst Franziskus zu treffen, sei genau das nötig, so der 1936 im Bad Rappenauer Wasserschloss geborene Pater.

135 Männer sind zurzeit wahlberechtigt. Ob sie auch nach Rom kommen, steht noch nicht fest. Klar ist: Sie alle haben das 80. Lebensjahr noch nicht beendet. Nur dann dürfen sie wählen. Was viele nicht wissen: Vor dem Konklave kommen die Kardinäle zu einem Vorkonklave zusammen und besprechen sich. Erst dann beginnt die eigentliche Wahl.
Vatikan-Kenner Eberhard von Gemmingen blickt auf die Papstwahl: Der neue Papst steht vor zahlreichen Herausforderungen
Favoriten gibt es einige. Auch Eberhard von Gemmingen zählt den einen oder anderen Kardinal zum engeren Kreis der Anwärter, auch wenn er nicht den Einen ausmachen möchte. Der Pater nennt Pietro Parolin und Matteo Zuppi, beides Italiener, oder den Luxemburger Erzbischof Jean-Claude Hollerich: „Sie hätten alle eine Chance.“ Und wären mit vielen Herausforderungen konfrontiert.
„Der neue Papst muss der aktuellen Situation gerecht werden“, sagt von Gemmingen. Dazu zählt er das Wachstum der katholischen Kirche in Afrika und Asien und den gleichzeitigen Rückgang der Gläubigen in Europa. Die Gewichtungen, so von Gemmingen, seien sehr unterschiedlich auf den Kontinenten. Auch die moderne Vorstellung von Familie und Ehe spiele dort mit hinein. „Das ist eine ganz andere Welt.“
Konklave in Rom: Ein Papst aus den USA ist „unwahrscheinlich“
Früher sei die Kirche im Gegensatz zu heute sehr europäisch gewesen. Die meisten Kardinäle stammen traditionell aus Europa. Das hat sich in den vergangenen Jahrzehnten deutlich verschoben. Unter Papst Franziskus hat sich das geografische Gewicht des Kardinalskollegiums stärker in Richtung Globaler Süden verschoben.

Ob aus einem dieser Länder das neue Oberhaupt der katholischen Kirche kommen wird? Zumindest bei einem ist sich Eberhard von Gemmingen recht sicher: „Ein Papst aus den USA ist sehr unwahrscheinlich.“ Aktuell sind elf Kardinäle aus den USA wahlberechtigt. Aus Deutschland kommen drei Vertreter: Kardinal Reinhard Marx, Kardinal Rainer Maria Woelki sowie Kardinal Gerhard Ludwig Müller.
Petersdom in Rom: Konklave beginnt im Mai
Nach der neuntägigen Trauerzeit „Novemdiales“ beginnt zwischen dem 5. und 10. Mai das Konklave. Von Gemmingen wird dafür nicht nach Rom reisen. Er geht aber davon aus, dass der Wahlprozess dauern könnte. Druck, sagt er, dürfe man auf die Kardinäle nicht ausüben: „Es darf nicht hoppla-hopp gehen.“ Da die Männer von der Außenwelt abgeschirmt werden, dürften sie zumindest während des teils langwierigen Prozesses nichts davon mitbekommen.
Mit einer weltlichen Wahl wie im vergangenen März in Deutschland habe das Konklave nichts gemein. Es gebe keine Parteien, sondern theologische Tendenzen. „Nach außen wird die Einteilung in Gruppen immer etwas übertrieben“, so der Pater. Am Ende gehe es vor allem um eins: „Die Kirche soll leben und gut geleitet werden.“

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