Heilbronn ist „Reichenhochburg“ – wie steht es um Bürgergeldempfänger in der Region?
Heilbronn hat das höchste Netto-Einkommen in Deutschland und somit auch eine hohe Kaufkraft. Wie sieht aber die Lebensrealität von Bürgergeld-Empfängern in der Region Heilbronn und Hohenlohe aus?
Laut dem Ergebnis der Kaufkraft-Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) hat Heilbronn das preisbereinigt höchste Pro-Kopf-Einkommen in ganz Deutschland im Jahr 2023. Das Ergebnis hierbei setzt sich zusammen aus dem Netto-Einkommen aller in Heilbronn gemeldeten Personen sowie den Lebenshaltungskosten.
Im Vergleich mit den auf den nachfolgenden Rängen platzierten Städten und Landkreisen sind diese in Heilbronn geringer. Davon profitieren die wohlhabenden Bürger in Heilbronn. Aber wie sieht die Lebensrealität für Menschen im Stadt- und Landkreis Heilbronn sowie in Hohenlohe aus, die Bürgergeld beziehungsweise eine Grundsicherung erhalten?
Zahlen zeigen Anteil an Bürgergeld-Empfängern in Heilbronn und Hohenlohe
Ein Blick auf die Zahlen der Bürgergeldempfänger aus dem Jahr 2023 zeigt, dass in der Stadt Heilbronn im Durchschnitt 8726 Personen Bürgergeld bezogen haben. Im Landkreis Heilbronn waren es 13.310 Personen und im Landkreis Hohenlohe 2970 Regelleistungsberechtigte. Im Jahr 2025 haben sich die Zahlen für Regelleistungsberechtigte durchschnittlich sowohl in der Stadt Heilbronn (8975) als auch in Hohenlohe (3233) erhöht. Nur im Landkreis Heilbronn sind sie zurückgegangen. Im Durchschnitt waren 12.865 Personen leistungsberechtigt und damit knapp 450 weniger als zwei Jahre zuvor.
„Man kann zu dem Ergebnis kommen, dass das für Menschen in schwierigen oder prekären Situationen tendenziell nicht einfacher geworden ist“, sagt Gerald Bürkert, Geschäftsführer der Aufbaugilde Heilbronn. Die Ergebnisse der Kaufkraftstudie „schlagen in diesem Personenkreis nicht durch“. Bedeutet konkret, dass sich die positiven Effekte der Studie – mögliche Steigerung der Wirtschaft, attraktive Kostenstrukturen und allgemein höhere Attraktivität des Standortes – nicht auf die Leistungsempfänger auswirken. Sie können laut Bürkert eher zu weiteren Problemen bei Bewerbungen führen und weitere Herausforderungen mitbringen. Denn diese werden grundsätzlich schon nicht weniger. Das gelte nicht nur für Heilbronn, sondern auch für den Landkreis sowie in Hohenlohe.
Größerer Druck auf Beratungsstellen in Heilbronn und Hohenlohe
Vor allem im Wohnungsbereich seien immer mehr Menschen von Wohnungsnot betroffen, so Bürkert. Die Aufbaugilde merke einen höheren Druck bei den Beratungsstellen. Auch Nadine Bernecker vom Diakonischen Werk Württemberg kann das bestätigen. „In ganz Baden-Württemberg gibt es eine Steigerung bei den Beratungsangeboten.“ Sie erlebe einen enormen Zuwachs an Menschen, die in die Wohnungsnot kommen.
Dafür seien vor allem die Fixkosten verantwortlich, sodass das Einkommen dieser Personen nicht mehr ausreiche. „Heilbronn ist in der schönen Position, dass sie eine hohe Wirtschaftskraft hat“, so Bernecker. Das sei aber kein Garant dafür, wie gut es den Menschen gehe. Vielmehr gehe die gefühlte und reelle Schere immer weiter auseinander, wozu Studien wie die der Kaufkraft beitragen würden. In wirtschaftsstarken Regionen seien die Lebenserhaltungskosten grundsätzlich höher. Dazu zähle eben auch die Region Heilbronn.
Bürgergeld in Heilbronn und Hohenlohe: Das deckt die Grundsicherung ab
Das Bürgergeld oder die Grundsicherung deckt mehrere Bedarfe ab. Der Regelbedarf umfasst die Bedürfnisse, die ein Mensch im täglichen Leben hat. Dazu zählt die „Ernährung, Kleidung, Körperpflege, Hausrat und Haushaltsenergie sowie in vertretbarem Maße eine Teilhabe am sozialen und kulturellen Leben in der Gemeinschaft“, heißt es von Seiten des Jobcenters. Auch die Kosten der Unterkunft sind im Bürgergeld enthalten. Genannt wird dabei die Miete, Heiz- und Betriebskosten sowie einmalige Nachzahlungen für ebendiese. Darüber hinaus gibt es die Mehrbedarfe, die beispielsweise für werdende Mütter, Alleinerziehende, erwerbsfähige Leistungsberechtigte mit Behinderung oder Menschen, die aus medizinischen Gründen eine besondere Ernährung benötigen, gelten.
Gerald Bürkert weiß, dass die Bedarfe größer geworden sind. Sowohl im Stadt- und Landkreis Heilbronn, als auch in Hohenlohe. „Die Lebenshaltungskosten sind über zehn Prozent gestiegen.“ Und diese werden auch nicht weniger, so der Geschäftsführer.
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