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„Rausschmiss“
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Hausarzt aus Kreis Heilbronn trennt sich von Patienten – heftige Kritik an Umgang

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Eine Hausarztpraxis im Landkreis Heilbronn trennt sich offenbar wegen Kapazitätsengpässen von Patienten, die nicht aus der Umgebung stammen. Das Vorgehen sorgt für Ärger bei den Betroffenen.


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Eine Hausarztpraxis im Landkreis Heilbronn trennt sich offenbar aus Kapazitätsgründen von Patienten, die nicht aus der näheren Umgebung stammen. Das erfahren mehrere Betroffene allerdings erst durch Hörensagen, völlig unerwartet per E-Mail oder auf eigene Nachfrage bei der Praxis, wie sie sagen.

Sie haben sich unabhängig voneinander an die Stimme gewandt und kritisieren den Umgang scharf. Die Praxis selbst will sich nicht äußern. Was ist geschehen?

Hausarzt aus Kreis Heilbronn trennt sich von Patienten – Betroffene kritisieren Umgang

Eine Frau aus Gundelsheim, seit ihrer Geburt Patientin in der Praxis, spricht von einem „Rausschmiss“. Kürzlich sei ihr „sehr rüde“ mitgeteilt worden, dass sie sich ab April einen neuen Hausarzt suchen müsse. Künftig würden nur noch Patienten aus der näheren Umgebung behandelt werden, hieß es. Ihren Neffen habe das gleiche Schicksal ereilt – erfahren habe er das „aus dem Nichts“ per E-Mail, nachdem er um eine Krankmeldung gebeten hatte. Betroffen sei auch ihre Schwester. Die Frau schimpft: „So geht man doch nicht mit Patienten um.“

Mit der Stimme will die Praxis am Telefon nicht sprechen. Eine E-Mail-Anfrage bezüglich eines Gesprächs blieb unbeantwortet.

In der Region machten Gerüchte über das Vorgehen der Praxis schnell die Runde, wie Betroffene erzählen. Ein Patient, der anonym bleiben möchte, habe von Bekannten davon gehört. „Ich dachte, mich und meine Frau betrifft das nicht, weil wir keine Info bekommen haben.“ Am Telefon habe er auf Nachfrage erfahren, dass die Praxis ab April keine Patienten von außerhalb mehr behandele – und dass sich das Ehepaar einen neuen Hausarzt suchen müsse. Ein im vergangenen Jahr vereinbarter Termin für diesen April müsse entfallen oder vorverlegt werden.

Die betroffenen Patienten, die sich an die Stimme gewandt haben und bisher in der Praxis im Landkreis Heilbronn behandelt wurden, sind sowohl gesetzlich als auch privat Versicherte. Sie sind unterschiedlichen Alters und stammen aus verschiedenen Gemeinden in der Region. Ihnen ist es gelungen, bei anderen Hausärzten unterzukommen.

Die Stimme konnte einen E-Mail-Verkehr zwischen der Praxis und einem weiteren Betroffenen einsehen. Er belegt, wie die Praxis den Patienten völlig unvermittelt informiert, dass sie Kapazitätsprobleme als Grund benennt und dass sie den Fokus auf Patienten aus der Umgebung richten will. Zwei Hausärzte aus dem Landkreis Heilbronn, die anonym bleiben möchten, berichten, dass sie neue Patienten aus dieser Praxis aufgenommen haben. Einer sagt: „Das Thema macht ziemlich die Runde.“

Heilbronner Ärztesprecher hält Vorgehen der Praxis für „ungeschickt“

Die Praxis aus dem Landkreis Heilbronn informiert auf ihrer Homepage bisher nicht zu dem Sachverhalt. Warum, ist unklar. „Gäbe es keine Mundpropaganda, würden viele offenbar nicht erfahren, dass sie einen neuen Hausarzt brauchen“, sagt ein Leser. „Für mich ist das völlig unverständlich.“

Der Heilbronner Ärztesprecher Martin Uellner hält ein derartiges Vorgehen generell für „ungeschickt“ und „nicht üblich“. Wegen der angespannten Lage in der hausärztlichen Versorgung könne er verstehen, dass Praxen selektieren müssen. „Allerdings macht es Sinn, mit den Patienten darüber zu sprechen.“ Im besten Fall könnten Praxen bei der Vermittlung eines neuen Hausarztes helfen.

Warum die Praxis im Landkreis Heilbronn so vorgeht und den Unmut in Kauf nimmt, ist unklar, da sie sich nicht äußert. Die Mehrheit der Patienten, mit denen die Stimme gesprochen hat, zeigt Verständnis dafür, dass Ärzte bei Kapazitätsengpässen klare Entscheidungen treffen müssen. „Das ist völlig legitim“, sagt etwa einer. „Aber man sollte vernünftig informiert werden und nicht auf Zuruf von Freunden, Bekannten und Nachbarn davon erfahren.“

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