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Vera in Baden-Württemberg

Viele Grundschüler verfehlen Mindeststandards: So reagieren Schulen im Raum Heilbronn

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Viele Drittklässler in Baden-Württemberg haben Nachholbedarf beim Rechnen, Lesen und Zuhören. Auch in der Region Heilbronn reagieren Schulen auf das teilweise schlechte Abschneiden der Kinder bei den bundesweiten Vergleichsarbeiten (Vera).

Viele Drittklässler können nicht so gut rechnen, lesen und zuhören wie nötig.
Viele Drittklässler können nicht so gut rechnen, lesen und zuhören wie nötig.  Foto: Sebastian Gollnow

24 Prozent der Drittklässler erreichen beim Lesen nicht die Mindeststandards, die für den Abschluss der Grundschule nach Klasse 4 vorgesehen sind. Beim Zuhören verfehlten der Studie zufolge 28 Prozent die Mindestanforderungen, beim Rechnen sogar 29 Prozent.

Bei einer Schule aus der Region Heilbronn fielen die Ergebnisse noch deutlich schlechter aus. "Unsere Schüler sind in Mathe ein bis zwei Schuljahre hinterher", so die offene Einschätzung der Schulleitung. Sie bittet aufgrund der Brisanz der Ergebnisse darum, weder Ort noch Schule zu nennen. Beim Lesen erfüllten hier über 30 Prozent der Kinder nicht die Mindeststandards, beim Zuhören seien es 40 Prozent und beim Rechnern sogar mehr als die Hälfte. In Mathe muss viel gelesen werden.

Grundschüler schneiden schlecht bei Vera ab: So reagieren Schulen im Raum Heilbronn

Die Schule analysiert die Ergebnisse genau und leitet schon erste Maßnahmen ein. Auffallend seien die Unterschiede bei den Klassen gewesen, eine Gruppe war besser als der Rest, so die Schulleitung. Die Schule hat bislang die Klassen stets nach festen Straßenzügen eingeteilt. Wenn aber in bestimmten Gegenden benachteiligte Kinder wohnten, kämen die in dieselbe Klasse. Das will die Grundschule zukünftig ändern, so die Ansage aus dem Rektorat.

Vor allem das Zuhören mache den Kindern "große Probleme", so die Einschätzung der Verantwortlichen. Die Klassen seien groß. Außerdem könnte dies eine Folge davon sein, dass Kinder zu Hause viel Zeit vor digitalen Geräten verbrächten. Die Schule hat nun in einem ersten Schritt Arbeitshefte besorgt, die Aufgaben darin sollen Kinder über die Sommerferien zu Hause lösen. Außerdem will die Grundschule stärker auf Mütter und Väter zugehen. Es sei wichtig, dass die mitzögen. "Wir wollen die Eltern mit ins Boot holen." 

Mit dem Leseprogramm machen zwei Grundschulen gute Erfahrungen

Bei Leistungsvergleichen schneiden Schüler immer wieder schlecht ab. Das Land hat schon verschiedene Maßnahmen auf den Weg gebracht. Noch mehr gelesen werden muss seit diesem Schuljahr. Außerdem wird die Sprachförderung in den Kitas ausgebaut, sogar verpflichtende Angebote soll es geben.

Mit dem Leseprogramm machen die Grundschulen Roigheim und Widdern gute Erfahrungen. "Das wirkt", sagt Dirk Schwarz, der beide Schulen leitet. Die nun vorgelegten Ergebnisse bilden seiner Ansicht nach allerdings nur einen kleinen Einblick in die Leistung der Schüler. Dirk Schwarz hofft, dass ähnliche Vergleichsarbeiten in den Klassen zwei und vier verpflichtend werden. So bekomme man eine Übersicht, wie sich die Kinder im Verlauf der Grundschulzeit entwickeln. Wichtig auch ein anderer Punkt: "Wir brauchen Personal, um die guten Angebote wahrnehmen zu können."

Lehrermangel im Raum Heilbronn: Förderung braucht Personal

Das Personal treibt vielerorts die Verantwortlichen um. Eine Grundschule in der Region weiß bereits, dass zu Beginn des nächsten Schuljahrs eine Lehrerin ausfällt. Einen Ersatz dafür gibt es laut Schulleitung noch nicht. Lehrerverbände fordern schon seit langem, dass mehr Kollegen in die Grundschulen müssen. Matthias Schinko vom Verband Bildung und Erziehung (VBE) wünscht sich dabei auch mehr sogenannte multiprofessionelle Teams in den Klassen - also weit mehr als nur Lehrer.

In Grundschulen treffen unterschiedliche Kinder aufeinander, die Heterogenität sei groß, so der VBE-Ansprechpartner für den Schulamtsbezirk Heilbronn. Manche Kinder gingen später auf ein Gymnasium, andere können kein Deutsch. Es sei schwer, das alles im Alltag unter einen Hut zu bekommen. "Es funktioniert irgendwie." Dass bis zu 28 Kinder in einer Klasse sein können, ist für Matthias Schinko zu viel. Die Maßnahmen des Landes gingen in die richtige Richtung, bei der Kita-Förderung wünscht er sich aber ein verpflichtendes Vorschuljahr für alle.

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