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Frühchen brauchen Spitzenzentren – nicht die Klinik um die Ecke

  
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Bessere Qualität in der medizinischen Versorgung oder kürzere Anfahrtswege – was wiegt schwerer? Das Bundesverfassungsgericht soll diese Frage nun beantworten. 


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Qualitätskriterien – für manche Länder sind sie zu einem Schreckgespenst geworden. Vor allem seit der Krankenhausreform, die entlang von Qualitätskriterien und Mindestmengen konzipiert ist. Die Logik ist simpel: Wenn medizinische Eingriffe häufig vorgenommen werden, das Personal geübt und die Ausstattung in einer Klinik besonders gut ist, sind die Ergebnisse beim Patienten besser. Wenn es um die Versorgung Frühgeborener geht, ist das nicht anders. Daten belegen: Frühchen haben höhere Überlebenschancen in Kliniken, die besonders viel Routine haben.

Kindermedizin: Frühchenversorgung wird gut vergütet 

Im zweiten Teil der Rechnung spielt das Geld eine nicht unerhebliche Rolle. Während die Kindermedizin zu den am schlechtesten vergüteten Bereichen im Gesundheitswesen gehört, können Kliniken für die Spitzenmedizin in der Frühchenversorgung vergleichsweise hohe Summen abrechnen. Den Status für die Versorgung besonders kleiner Frühchen nicht zu verlieren, ist ein knallharter Wirtschaftsfaktor.

Zu früh geborene Kinder, die mit besonders niedrigem Gewicht zur Welt kommen, haben bessere Chancen, wenn sie in einem spezialisierten Zentrum behandelt werden.
Zu früh geborene Kinder, die mit besonders niedrigem Gewicht zur Welt kommen, haben bessere Chancen, wenn sie in einem spezialisierten Zentrum behandelt werden.  Foto: Bernd Thissen

Frühchenversorgung: Spezialisierungen erhöhen Chancen für Überleben und Gesundheit deutlich 

Baden-Württemberg und den anderen Ländern geht es in ihrer Klage vordergründig um eine „bessere“, weil wohnortnahe Versorgung. Dieses Argument ist nicht stichhaltig. Auch wenn eine Klinik wohnortnah ist, kann die Versorgung dort bei sehr kleinen Frühgeborenen höhere Risiken bedeuten. Ein etwas längerer Transport in ein spezialisiertes Zentrum kann dagegen die Chancen für das Überleben und die langfristige Gesundheit erhöhen.Insofern dürfte es im Interesse aller Eltern sein, ihr Kind in genau solch einem Zentrum behandeln zu lassen – zumal sich das in vielen Fällen frühzeitig planen lässt, weil Risikoschwangerschaften in der Regel bereits während der Schwangerschaft erkannt werden. 

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