Freie Stellen in Rathäusern: Wie Kommunen im Raum Heilbronn um Fachkräfte werben
Eine Umfrage zeigt, dass die Schlange der Bewerber nicht lang ist, wenn es um unbesetzte Stellen in Rathäusern geht. Vor allem die Technik-, IT– und Finanz-Ressorts sind betroffen. Wie Heilbronn sucht auch Talheim abseits der üblichen Kanäle.
Für die Kita gab es einen Treffer, vielleicht klappt es ja auch mit einem Bautechniker. Deshalb hat die Gemeinde Talheim am Doppelkreisel am Landturm sowie an den Ortseingängen auffällige Banner aufgehängt, um auf die frei werdende Stelle aufmerksam zu machen. Alle üblichen Kanäle waren bislang erfolglos. Der Fachkräftemangel macht sich bei Kommunen nicht nur in den Kindertagesstätten bemerkbar, er ist auch in den Verwaltungen längst angelangt.
Der langjährige Bautechniker im Talheimer Rathaus geht zum 1. September in den Ruhestand. Seit Jahresbeginn hat die Gemeinde laut Kämmerer Dieter Uhler schon drei Mal die Stelle für den Tiefbau ausgeschrieben. Fachleute in diesem Bereich seien dünn gesät. Die Suche mündete bisher nur in einem erfolglosen Vorstellungsgespräch.
Freie Stellen besetzen: Bei den Erzieherinnen hatte Talheim einen Teilerfolg
Deshalb wurden Werbebanner aufgehängt. Bei den Erzieherinnen hat diese Methode „ein bisschen gewirkt“, berichtet Uhler. Eine Fachkraft, die jeden Tag am Plakat vorbeifuhr, bewarb sich schließlich und wurde eingestellt. Zwar ist für die Stadt Heilbronn die Karrierewebsite (www.heilbronn.de/karriere) weiterhin unverzichtbar, so Tilo Schilling, der die Personalabteilung leitet. Die Personalgewinnung habe sich seit Jahren in Richtung Social Media ausgeweitet. Die Stadt Neckarsulm arbeitet gegebenenfalls auch mit Personaldienstleistern zusammen, sagt Citymanager Daniel Bürkle.

Die Zeit drängt in Talheim, schließlich braucht es einen Fachmann im Bauamt, der die Großbaustelle in der Schozacher Straße begleitet, ganz abgesehen vom täglichen Arbeitsanfall mit Unvorhergesehenem. „Wir haben keinen endgültigen Plan“, gibt Uhler zu. Im Verwaltungsbereich habe man ähnliche Schwierigkeiten wie bei den Erzieherinnen, Stellen zu besetzen. „Die Schlange ist nicht groß“, meint er zur Bewerberlage.
Freie Stellen in Rathäusern: Weinsberg gibt auch Quereinsteigern eine Chance
Weinsberg setzt schon mal auf Quereinsteiger. Stadtbaumeister Nicolas Rautenberg ist froh, mangels eines Bautechnikers einen Maurer mit langjähriger Erfahrung im Straßenbau gefunden zu haben. Er ist voll des Lobes über den neuen Mitarbeiter. Und auch im Bürgerbüro habe man Quereinsteigerinnen, sagt Klaus Seber, Abteilungsleiter unter anderem fürs Personal.
Für die Amtsleitung Baurecht/Bauordnung braucht es jedoch einen Beamten im höheren Dienst. Der Amtsinhaber geht in wenigen Monaten in den Ruhestand, und nach der dritten Ausschreibungsrunde hat sich noch kein geeigneter Nachfolger gefunden. Zehn Bewerbungen seien zwar nicht schlecht, meint Seber, aber kein Vergleich zu früheren Zeiten.
Kommunen in der Region Heilbronn tun sich schwer, Stellen in den Rathäusern zu besetzen
Vorstellungsgespräche wurden geführt, die Möglichkeit genutzt, ein paar Stunden zu hospitieren, um Arbeitsplatz und Kollegen kennenzulernen, ein Wunschkandidat blieb übrig, der sagte aber ab. Nicht ungewöhnlich, wie Seber anmerkt. „Vor allem in der Finanzverwaltung und im Baurecht ist es schwierig, Beamte zu bekommen“, weiß er. Der Blick in den Staatsanzeiger bestätigt ihm, dass diese „gesucht werden ohne Ende“. Tilo Schilling bezieht auch den Technischen und den IT-Bereich mit ein. Auch an Verwaltungsfachkräften mangele es.
„Der bestehende Fachkräftemangel ist heute ein Arbeitskräftemangel“, sagt Schilling. Schon früher sei es nicht immer leicht gewesen, gute Bewerber zu erhalten. Seit 2020 habe sich die Situation verschärft. In diesem Jahr nehme allerdings die Zahl der qualifizierten Bewerbungen wieder zu. Neckarsulms Citymanager Bürkle fügt den demografischen Wandel und wenig Flexibilität im Entgeltbereich durch die Tarifbindung als Gründe für die Misere hinzu.
Je nach Anforderungsprofil bietet die Stadt auch Seiteneinsteigern eine Chance. Eine zweijährige Weiterqualifizierung für acht Quereinsteiger in der Verwaltung gehört zu den Personalentwicklungsmaßnahmen in Heilbronn. Die Stadt Neckarsulm, die derzeit in der Verwaltung keine Fachkräfte sucht, erhält meist sehr viele Bewerbungen von Quereinsteigern, sagt Citymanager Daniel Bürkle. Je nach Fachbereich schwanke die Zahl der Bewerbungen. Die Suche bezeichnet er als „moderat schwierig“.
Bei der Stadt Heilbronn sind etwa 3500 Mitarbeiter beschäftigt in rund 200 unterschiedlichen Berufen. Um Personal zu gewinnen, werden auch eine Vielzahl digitaler Tools und Plattformen genutzt. Buswerbung und Plakatierung von Baustellen und Brücken gehören mit zum Spektrum. Eine große Reichweite, so Personalabteilungsleiter Tilo Schilling, haben Videos von Beschäftigten, die auf den Social-Media-Kanälen Einblicke in ihre Arbeitswelt geben. Jobportale werden genutzt, Berufs- und Ausbildungsmessen besucht, Flyer verteilt, wie etwa beim Open-Air-Kino.
Um Personal zu rekrutieren und zu halten, setzen Kommunen auch auf Zusatzleistungen. In Neckarsulm zahlen Beschäftigte nur fünf Euro fürs Jobticket, E-Bikes können geleast werden, für die betriebliche Altersvorsorge gibt es einen Zuschuss von 20 Prozent, für Teamaktivitäten 30 Euro pro Kopf und Jahr, kostenfreies Wasser am Arbeitsplatz und im Verwaltungsbereich die Möglichkeit von Homeoffice.


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