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Vortrag in Experimenta

TV-Meteorologe spricht in Heilbronn über Klimakrise: „Brauchen politische Leitplanken“

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Hitzetote, zerstörte Alpen und fehlende politische Konsequenzen: Experte Frank Böttcher erklärt in Heilbronn, warum das Gehirn Bedrohungen falsch einordnet und was gegen die Erderhitzung geschehen muss.


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„Dreimal mehr Hitzetote durch den Klimawandel“, „Rekord-Hitzewelle mit Temperaturen bis zu 42 Grad droht Deutschland“, „Schmelzende Gletscher wecken schlafende Vulkane“: Diese Schlagzeilen stammen aus den vergangenen zwei Tagen und sie zeigen: Unser Leben ist akut bedroht durch die Folgen der Erderhitzung – nicht in hundert Jahren, sondern jetzt. 

Politisch geschieht in Deutschland gleichzeitig zu wenig, um die Erderhitzung wirksam zu bremsen, wie der Climate Action Tracker in seiner Analyse vom 9. Juli schreibt. In den Medien bekommt das Thema in der Regel geringe Aufmerksamkeit – und ein Teil der Bevölkerung streitet den Klimawandel vehement ab. 

TV-Experte spricht in Experimenta über Klimawandel: Fachpublikum aus Deutschland

Wie umgehen mit der Lücke zwischen harter wissenschaftlicher Realität und fehlenden politischen und gesellschaftlichen Konsequenzen zur Bekämpfung des Menschheitsproblems Klimawandel? Wie umgehen mit  Klimaleugnern? Darüber spricht der TV-Wettermoderator und Wissenschaftserklärer Frank Böttcher am Mittwochabend im Science Center Experimenta.

Frank Böttcher ist bekannt als Wettermann und Wissenschafts-Erklärer.
Frank Böttcher ist bekannt als Wettermann und Wissenschafts-Erklärer.  Foto: Experimenta

Gekommen ist ein Fachpublikum, Ausstellungsleiter und Mitarbeiter von Hochschulen aus ganz Deutschland, die sich drei Tage lang in Heilbronn darüber austauschen, wie sie es schaffen können, Forschung und Wissenschaft in einer immer komplexer werdenden Welt spannend und verständlich zu erzählen – und dabei Skeptikern geschickt begegnen. Die gibt es auch in Heilbronn immer wieder, sagt Experimenta-Kommunikationsleiter Jan Bodenbender.

TV-Experte in Experimenta-Vortrag: „Klimaleugner sind nicht blöder als wir“

Böttcher macht anhand von Beispielen und Bildern klar: „Klimaleugner sind nicht blöder als wir. Sie setzen dieselben Infos nur anders zusammen.“ So komme es, dass der Experte den auf ihn zu rennenden Löwen als große Gefahr erkennt, der Laie sich aber immer noch in Sicherheit wiegt und der Skeptiker die Gefahr abtut, erklärt Böttcher: „Er sieht nur eine Gazelle kommen.“ Weil unser Gehirn sich die Welt aufgrund von Vorerfahrungen plausibel zusammenbaue, „nehmen viele von uns den Klimawandel noch nicht als Bedrohung wahr“. 

Dabei sei es „wahrscheinlich, dass wir bereits um 2050 die 3-Grad-Erwartungen überschreiten werden“. Alle Annahmen über die Geschwindigkeit des Klimawandels würden derzeit gerissen, selbst die pessimistischen: „Wir werden in den nächsten 30 Jahren gewaltige Temperatursprünge sehen, weil die Ozeane als Puffer wegfallen.“ Das Eis in Grönland schmilzt selbst im Winter, die Gletscher reißen in rasender Geschwindigkeit ab, „wir erwarten für die Alpen, dass ganze Berge verschwinden werden“.   

Experte hält Experimenta-Vortrag über Klimawandel: Was er rät

Es gibt aber Hoffnung, meint Böttcher: „Wir kommen nicht auf die wirklich guten Ideen, solange das nicht notwendig ist.“ Doch die Zeit, Kreativität für die Anpassung an den und die Bekämpfung des Klimawandels freizusetzen sei jetzt.

Er motiviert das Publikum dazu, „Wissen besser zu nutzen und in dem Moment zu handeln, in dem wir die Erkenntnis haben“. Politisch wären „ehrliche Preise für klimaschädliches Verhalten“ die erfolgreichste Maßnahme zur Bekämpfung der Erderhitzung, sagt er. Und: „Wir brauchen politische Leitplanken, damit wir unseren Planteten nicht völlig gegen die Wand fahren.“

Zum Umgang mit Klimaleugnern hat Böttcher den Tipp: Behauptungen in den Kontext stellen und damit manche Absurdität aufzeigen. So sei ein gern vorgebrachter Vorbehalt gegen Windräder, dass Vögel deswegen sterben. Katzen, Autos, Fensterscheiben sind verantwortlich für millionenfach mehr tote Vögel jedes Jahr, zeigt er auf. „Aber fordert jemand deswegen den Ausbau aller Fenster?“

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