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Heilbronn/Abstatt

Erster vollelektrischer Lkw bei Berberich-Papier: So rechnet sich der Mercedes eActros

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Nachfrage nach E-Lkws wächst nicht nur angesichts der gestiegenen Spritpreise. Teure Anschaffung amortisiert sich spätestens nach vier Jahren. 

Berberich-Geschäftsführer Karsten Knodel (rechts) darf den übergroßen Schlüssel von Jan Krämer entgegen nehmen.
Berberich-Geschäftsführer Karsten Knodel (rechts) darf den übergroßen Schlüssel von Jan Krämer entgegen nehmen.  Foto: Lina Bihr

Wenn gleich neun Menschen zusammengekommen, um einen neuen Lkw zu präsentieren, dann muss der ja was Besonderes sein. Auf den ersten Blick scheint sich der Mercedes Actros der Heilbronner Carl Berberich GmbH nicht von seinen 44 Flottenkollegen in Deutschland zu unterscheiden. Dennoch ist er beim Papier-Großhändler einmalig, denn er fährt vollelektrisch. „Damit ist er die neueste Errungenschaft in unserem Transformationsprozess zur CO2-Neutralität“, sagt Geschäftsführer Karsten Knodel. Die Kohlendioxid-Ersparnis beträgt pro Jahr 60 Tonnen. 

Ein fehlendes Ladekabel erhöhte die Wartezeit erheblich 

Der Kauf war weder ein Schnellschuss noch ein PR-Coup angesichts der seit Beginn des Iran-Kriegs explodierten Spritpreise. Von der Bestellung bis zur Auslieferung sind zwei Jahre vergangen. „Beim Standardmodell hätte es maximal fünf Monate gedauert. In dem Fall waren allerdings einige spezielle Aufbauten nötig“, erklärt Jan Krämer, bei Assenheimer + Mulfinger für den Lkw-Verkauf zuständig. Ein spezielles Ladekabel ließ am Ende noch lange auf sich warten, was verdeutlicht, dass die Spezifikation von E-Lkws noch kein Standardverfahren darstellt. 

Der Trend ist indes eindeutig. „Wir verzeichnen bereits seit ein, zwei Jahren eine deutlich steigende Nachfrage, die durch die Folgen des Irankriegs noch einmal zusätzlich beflügelt wurde", sagt Krämer. Vorbehalte gegen die neue Antriebsweise halten sich dennoch hartnäckig - nicht zuletzt bei den Fahrern. „Es braucht auch einen Kulturwandel, wir wollen den Pioniergedanken stärken“, erklärt Knodel. Also statt dem stinkenden „Öltimer“ nachzutrauern, sich über den sauberen Avantgardisten zu freuen. 

E-Version ist doppelt so teuer und besitzt geringere Nutzlast

Wie steht es aber um die Wirtschaftlichkeit? Immerhin kostet der e-Actros in der Anschaffung mal eben doppelt so viel wie die Verbrenner-Ausführung. Durch die drei fast vier Tonnen schweren Akkus sinkt die Nutzlast um rund drei Tonnen. Dennoch sagt Krämer, dass sich die Mehrkosten innerhalb von vier Jahren Betriebsdauer amortisieren. Aufgrund der stark gestiegenen Spritpreise aktuell sogar noch deutlich schneller. 

„Wir haben natürlich eine Simulation errechnet und werden jetzt Erfahrungen sammeln. Ich gehe davon aus, dass unser erster nicht unser letzter vollelektrischer Lkw sein wird“, ist Knodel überzeugt. Was die Rechnung für sein Unternehmen aufgehen lässt, ist die bis 2031 garantierte Mautbefreiung sowie die firmeneigene Ladeinfrastruktur, die deutlich günstigere Preise garantiert als die öffentliche. „Das Fahrzeug kommt jeden Abend nach Hause und kann dann über Nacht geladen werden“, erklärt Knodel. 500 Kilometer sind voll ge- und beladen drin. 

Sein Zuhause findet der E-Trendsetter allerdings nicht in der Niederlassung in Abstatt, wo er vorgestellt wurde. Seine neue Heimat ist Langenfeld in Nordrhein-Westfalen. Dorthin wird er demnächst überführt. 

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