Spedition Rüdinger treibt E-Lkw-Offensive in Krautheim mit eigener Ladebrücke voran
Die Spedition aus Krautheim hat einen einzigartigen Ladepark für Laster mit Elektroantrieb eröffnet. Und schon jetzt steht fest, dass er nicht reichen wird.
Das Objekt, um das es geht, ist 40 Meter lang und natürlich in der Firmenfarbe Orange lackiert. Wie ein quer gelegter Kran mutet die Traverse an, nur das von ihr in regelmäßigen Abständen – natürlich orangefarbene – Bänder herunterhängen.
Diese aber benötigen die Fahrer: Mit ihrer Hilfe ziehen sie das Ladekabel herunter, um die Zugmaschine anzuschließen. Denn hier lädt die Spedition Rüdinger künftig ihre batteriebetriebenen Laster.

Spedition Rüdinger setzt auf Elektromobilität: Ladebrücke für E-Lkw in Betrieb genommen
Zehn Ladepunkte stehen dafür zur Verfügung, so viele, wie das Unternehmen zurzeit auch Elektro-Laster betreibt. Das wird sich allerdings rasch ändern. „Wir werden bald jede Woche bis Jahresende einen weiteren E-Lastwagen hinzubekommen“, kündigt Geschäftsführer Roland Rüdinger an. Bis Jahresende sei dann die Hälfte des Fuhrparks für den Kurzstreckeneinsatz elektrifiziert, bis 2027 soll komplett auf Batterie umgestellt sein, sagt er.
Möglich sei dies aber nur dank Zuschüssen: Die Anschaffung von 20 Fahrzeugen werde vom Land Baden-Württemberg mit 700.000 Euro bezuschusst, die Errichtung der nötigen Ladepunkte an den sechs Logistikzentren des Unternehmens mit weiteren 350.000 Euro. Alleine in die Ladebrücke auf dem Betriebshof am Stammsitz flossen davon 150.000 Euro.
Neuer Logistikstandort mit Fokus auf E-Mobilität bereits in Planung
„Wir beschäftigen uns damit, die Einsatzgrenzen von Elektrolastern zu verschieben“, sagte Rüdinger. „Ich glaube auch an die E-Mobilität im Fernverkehr, aber es wird dort noch bis zu zwei Jahre dauern, bis das praktikabel wird.“ Knackpunkt seien die Lademöglichkeiten. Auch daher errichte die Spedition Ladesäulen auf ihrem Gelände. „Wir setzen da, wo wir selbst die Infrastruktur gestalten können, aufs Machen.“

Von Krautheim aus solle künftig der Fernverkehr starten, während das Sammelgut dann in einem neuen Standort umgeschlagen werden soll – einer Halle, die von vornherein auf E-Mobilität ausgelegt sein soll, wie Rüdinger ankündigte. Der Standort sei schon ausgesucht, Einvernehmen mit dem Landkreis und der Kommune erzielt – jetzt gehe es nur noch um den Grundstückserwerb.
Verkehrsminister Hermann lobt: „Pionierarbeit aufs Beste“ in Krautheim
Für Landesverkehrsminister Winfried Hermann waren dies alles Pläne, die begeistern. „Das ist Pionierarbeit aufs Beste“, lobte der Grüne die Investition des CDU-Mitglieds. „Sie sind landesweit ganz weit vorne.“ Das Land habe die Fördermittel gerne gezahlt. „Mir wird bisweilen zu viel gejammert in der Wirtschaft. Rüdinger ist da geradlinig – und er macht was.“ Sein Motto laute offensichtlich: „Wo ein Wille ist, finde ich auch eine Steckdose.“
Zwar könne Baden-Württemberg an Autobahnen nicht helfen, das sei Bundessache – aber abseits davon, versprach Hermann, werde das Land für die nötige Infrastruktur sorgen. „Das Geschäftsmodell E-Lkw besteht darin, dass man die Maut einspart. Wenn das nicht geht, wird sich die E-Mobilität nicht durchsetzen“, warnte er.

EnBW sieht neues Geschäftsfeld im wachsenden Markt der E-Lkw-Infrastruktur
Für den Energiekonzern EnBW tut sich mit dieser Entwicklung ein neues Geschäftsfeld auf – und entsprechend positiv beurteilte Dirk Güsewell, Vorstand für Infrastruktur, also auch Stromnetze, das Engagement der Krautheimer: „Dies ist ein wichtiges Signal für die gesamte Branche. Der batterieelektrische Antrieb hat längst die Marktreife erreicht“, meinte er. „Lösungen sind verfügbar. Es braucht aber diese mutigen Vorreiter.“
Der Karlsruher Energiekonzern betreibe inzwischen mehr als 7000 Ladepunkte an 1400 Standorten alleine für Pkw. Der Marktanteil des Unternehmens liegt bei etwa 30 Prozent. „Wir wissen aber: Der Lkw-Verkehr stellt andere Anforderungen“, erklärte Güsewell. Das Laden am Depot, also am eigenen Standort oder jenem eines Kunden oder Partners, sei da ein wichtiger Weichensteller. Wie hier in Krautheim.
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