Ehrenamt wird an der Stadtgrenze besser gestellt
Zu viel bürokratischer Aufwand: Kommunen wollen nicht mitziehen und investieren Geld und Energie lieber direkt.

Ab Mitte 2025 soll die Ehrenamtskarte schrittweise in Baden-Württemberg eingeführt werden. Der Landkreis Heilbronn wird vorerst nicht mit dabei sein. Der Grund dafür: Zu viel bürokratischer Aufwand. Landrat Norbert Heuser kritisiert das System. Die Kommunen beziehungsweise die Landkreise müssten eine Koordinierungsstelle schaffen, die sowohl mit den ehrenamtlichen Empfängern als auch den Freizeiteinrichtungen, die Rabatt bei den Eintrittspreisen geben, direkt die Konditionen aushandeln müsste. Der Aufwand dafür sei zu hoch.
Heilbronner Landrat: „Wir stecken das Geld lieber direkt ins Ehrenamt!“
Hunderte solcher Angebote vom Freibad bis zum Freizeitpark zu koordinieren sei mit den in Aussicht gestellten Mitteln kaum möglich. „Wir stecken die Energie und das Geld lieber direkt in die ehrenamtliche Arbeit“, sagte Heuser in der jüngsten Kreistagssitzung, in der auch viele Bürgermeister aus der Region vertreten sind.
Man lehne damit die Ehrenamtskarte grundsätzlich nicht ab, berichtete Heuser. Man werde nur für dieses Jahr kein Interesse an einer Beteiligung anmelden. Dies schließe nicht aus, dass man unter anderen Voraussetzungen im kommenden Jahr mitmachen werde.
Hürde: Ehrenamtliche müssen 200 geleistete Stunden nachweisen
Die Heilbronner Haltung decke sich mit der umliegender Landkreise. Auch hier sieht man das Landesmodell mit Skepsis. Der Hohenloher Kreistag hat Anfang April das „Bürokratiemonster“ ebenfalls auf Eis gelegt. Statt der vom Land initiierten Ehrenamtskarte, die engagierten Bürgern Vergünstigungen gewähren soll, fordern die Kreisräte, dass die dafür im Haushalt vorgesehenen etwa 40.000 Euro direkt und möglichst unkompliziert an die örtlichen Vereine gehen.
Die Kommunen würden zur Kasse gebeten, so lautete die Kritik in der Kreistagssitzung in Niedernhall. Im Kreis Heilbronn, wo sich die Vertreter in Leingarten getroffen hatten, wurde gar nicht diskutiert, sondern die Entscheidung des Landrats ohne Kommentare zur Kenntnis genommen. Neben der Koordination der Angebote ist eine oft genannte Hürde, dass Ehrenamtlichen mindestens 200 geleistete Stunden pro Jahr nachweisen müssen, um in den Genuss der Vergünstigungen zu kommen. Dies zu überprüfen sei nicht leistbar, so lautete der Tenor in Heilbronn und Hohenlohe.
Ehrenamtskarte: Stadt Heilbronn macht mit
Im Gegensatz zu den Landkreisen will die Stadt Heilbronn die Ehrenamtskarte einführen: Freiwillige in Sportvereinen, Kultur, im sozialen Bereich oder in der „Blaulichtfamilie“ – also Feuerwehr und weitere Hilfsdienste – sollen die Karte „als sichtbares Zeichen der Anerkennung“ bekommen. Eine „Benachteiligung von Ehrenamtlichen, deren Heimatkommune die Ehrenamtskarte nicht anbietet“ sei damit natürlich nicht beabsichtigt, erläutert die Stadtverwaltung auf Nachfrage.
Noch im Laufe dieses Jahres wird die landesweite Ehrenamtskarte im Stadtkreis eingeführt. Der Gemeinderat hat in seiner Sitzung am 3. April 2025 grünes Licht für die Bewerbung beim Land gegeben und die Einrichtung einer Stelle zur Umsetzung des Projekts beschlossen.
Nach der Zustimmung des Gemeinderats zur Einführung der Ehrenamtskarte hat die Stadt Heilbronn ihr Interesse gegenüber dem Land bekundet. „Eine Rückmeldung steht noch aus“, erklärte Stadt-Sprecherin Claudia Küpper. „Damit fehlt bislang auch die Grundlage für Kooperationsvereinbarungen mit Einrichtungen, die als Anbieter für Vergünstigungen in Frage kämen.“
Vergünstigungen für besondere Leistungen
Laut einer Pressemitteilung der Stadt Heilbronn soll „die Ehrenamtskarte Bürgerinnen und Bürgern zugutekommen, die sich in besonderem Umfang ehrenamtlich engagieren“. Wer sich mindestens 200 Stunden im Jahr in einem Verein, einer Initiative oder Einrichtung einbringt – oder 100 Stunden bei einem Projekt – kann von der Ehrenamtskarte profitieren. Auch Inhaber einer Jugendleiter-Card (Juleica), Freiwilligendienstleistende sowie aktive Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr, des Technischen Hilfswerks oder anderer Katastrophenschutzeinheiten erhalten die Karte ohne Stundennachweis.
Die Ehrenamtskarte soll Vergünstigungen und exklusive Angebote in öffentlichen Sportstätten, Bildungszentren oder kulturellen Einrichtungen bringen. „Mit der Einführung der Ehrenamtskarte möchten wir ein klares Signal setzen: Das Ehrenamt ist von unschätzbarem Wert – und verdient nicht nur Dank, sondern auch ganz konkrete Anerkennung“, stellt Oberbürgermeister Harry Mergel fest.
Nun muss die Stadt eine zentrale Anlaufstelle einrichten, die „für die Prüfung der Anträge, die Ausstellung der Karten sowie die Betreuung eines stetig wachsenden Partnernetzwerks“ zuständig ist. Die Gewinnung von Kooperationspartnern sei ein weiterer zentraler Baustein des Projekts.
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