Patrick Rendle (43) ist Vorsitzender der DLRG Ortsgruppe Neckarsulm. Er ist seit 2006 im Verein aktiv und seit 2009 Bootsführer. Außerdem ist er ehrenamtlich als Rettungssanitäter im Einsatz.
Vorsitzender der DLRG-Neckarsulm: „Gespür für Gefahren im Wasser fehlt“
Vermisste Kinder und Nichtschwimmer, die mitten im See ins Wasser springen und untergehen: Patrick Rendle, Bootsführer der DLRG Neckarsulm, berichtet von klassischen Einsatzlagen.
Insgesamt 411 Menschen sind laut der Deutschen-Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) 2024 in den Gewässern in Deutschland ertrunken. Das sind 31 Todesfälle mehr als im Jahr zuvor, der dritte Anstieg in Folge. Laut Statistik sind drei Viertel der Opfer männlich. Patrick Rendle, Vorsitzender der DLRG-Ortsgruppe Neckarsulm, ordnet die Entwicklung ein.
411 Tote durch Ertrinken. Das ist ein trauriger Rekord. Woran liegt es, dass die Tendenz seit Jahren nach oben geht?
Patrick Rendle: Diese Entwicklung hat viele Ursachen. Einerseits merkt man die Bäderschließungen. Dadurch haben immer weniger Kinder die Möglichkeit, richtig schwimmen zu lernen und es fehlt bei Kindern und Eltern das Gespür dafür, welche Gefahren im Wasser drohen. Aber es ist auch viel Leichtsinn im Spiel, vor allem bei jüngeren Männern.
Was habt ihr schon erlebt am Breitenauer See?
Rendle: In unserer Schicht gab es Gott sei Dank noch keinen Badetoten. Aber wir hatten schon einige kritische Situationen. Vor zwei Jahren haben wir beobachtet, wie ein paar Leute mit einem Tretboot mitten auf den See gefahren sind. Einer davon, ein Nichtschwimmer, ist dann ins Wasser gesprungen, weil er dort schwimmen üben wollte – er ist natürlich sofort untergegangen. Bei solchen Aktionen ist häufig auch Alkohol im Spiel, da werden viele übermütig und überschätzen sich. Der Klassiker sind auch vermisste Kinder.

Kind vermisst: Rettungsdienst muss Mutter am Breitenauer See versorgen
Wie häufig kommt das vor?
Rendle: Es kommt immer wieder vor, dass Eltern ihre Kinder aus den Augen verlieren. Meistens geht das glimpflich aus. Aber wir hatten auch schon größere Einsätze deswegen. Einmal hat ein Vater sein Kind im Wasser nicht mehr gesehen, es war relativ weit rausgeschwommen. Das Kind war zunächst nicht mehr auffindbar und wir haben eine Kette mit Rettungsschwimmern gebildet, um den See am Ort der letzten Sichtung abzusuchen. Das Kind ist dann später unversehrt wieder aufgetaucht, es war auf dem Spielplatz. Aber der Rettungsdienst musste sich um die Mutter kümmern, die ist kollabiert.
Welche Besonderheiten gibt es für Retter an einem See wie dem Breitenauer See?
Rendle: Im Vergleich zum Freibad sind die Leute weg, wenn sie untergehen, man sieht sie nicht mehr. Das heißt, wir müssen Rettungsketten bilden, um Vermisste zu suchen, dafür braucht man viele Leute. Wenn jemand untergeht, sinkt er nicht gleich zum Grund, er befindet sich dann etwa in zwei bis drei Meter Tiefe, wir tauchen also immer etwa so weit runter, um die Person zu lokalisieren. Im Notfall alarmieren wir über die Leitstelle Heilbronn Kräfte nach, um Manpower zu haben: die Wasserrettung der Feuerwehr, Kräfte des DLRG-Bezirks. Da kommen auch Sonar oder eine Drohne zum Einsatz. Aber bis die zusätzlichen Kräfte da sind, vergehen in der Regel mindestens 20 Minuten.
Kommentare öffnen
Stimme.de
Kommentare