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„Bester Prototyp“

Heilbronner Nachwuchs-Programmierer gewinnen Deutschen Computerspielpreis

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Mit „Garden Ink“ holen die beiden Spieleentwickler Sven Mehlhorn und Arne Jürgens eine bedeutende Auszeichnung – und gewinnen mit ihrem „Cozy Game“ 50.000 Euro Preisgeld.


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Die Konkurrenz ist vielfältig: In einem Programm muss der Spieler aus dem fahrenden Auto heraus angeln. Und ein anderes Spiel dreht sich um eine Flucht aus dem Bermuda-Dreieck. Siegreich ist aber „Garden Ink“ – das entschleunigte PC-Spiel der beiden Programmierer Sven Mehlhorn aus Gundelsheim-Höchstberg und Arne Jürgens. Beim Deutschen Computerspielpreis in München gewinnt das Duo, das unter dem Namen „Kranich Games“ programmiert, den Nachwuchstitel „Bester Prototyp“.

Arne Jürgens: „Wir hätten nie gedacht, dass wir gewinnen. Dieser Wettbewerb ist immerhin so etwas wie die deutschen Oscars der Computerspielbranche“, sagt der 24-Jährige. Ihr Spiel „Garden Ink“ ordnen die beiden dem Genre „Cozy Games“ – also „gemütliche Spiele“ zu. Mehlhorn erklärt: „Man startet in einer leeren Welt – praktisch mit einem weißen Blatt Papier. Dann trifft man auf putzig dargestellte Wesen, denen man Impulse gibt, ihre Umwelt zu entwickeln.“

Heilbronner gewinnen Computerspielpreis: PC-Spiel „Garden Ink“ setzt auf Wohlfühl-Atmosphäre

Beispielsweise kann man Objekte kombinieren, sodass aus einem Stein eine Pflanze wächst. „Die sich entwickelnde Welt kann man dann auch ausmalen. Unser Spiel ist ein Stück weit auch wie ein großes, digitales Malbuch“, erklärt Arne Jürgens. Im Laufe des Spiels bewältigt der Nutzer auch kleine Mini-Spiele wie zum Beispiel Puzzle. Diese lösen dann weitere Ereignisse aus.

Sven Mehlhorn (links) aus Gundelsheim-Höchstberg und Arne Jürgens aus Schwaigern präsentieren am Morgen nach der Preisverleihung in München ihre Auszeichnung.
Sven Mehlhorn (links) aus Gundelsheim-Höchstberg und Arne Jürgens aus Schwaigern präsentieren am Morgen nach der Preisverleihung in München ihre Auszeichnung.  Foto: privat

Mehlhorn berichtet: „Das Spiel hat kein Endziel. Und es geht auch nicht darum, Gebiete zu erobern oder Ressourcen auszubeuten. Vielmehr erschafft man sich seine eigene Welt und erlebt mit unserem Spiel einfach eine gute Zeit.“ Ein wenig wie bei Pippi Langstrumpf, die sich ihre Welt kreiert wie sie ihr gefällt. Entsprechend ist das Spiel auch mit einem von „Kranich Games“ selbst komponierten Soundtrack versehen, der auf Wohlfühl-Atmosphäre setzt. Dazu gibt es entspannende Windgeräusche, Wasserplätschern und Vögelgezwitscher.

„Kranich Games“ gewinnt 50.000 Euro beim Deutschen Computerspielpreis

Sven Mehlhorn: „Uns ging es darum, das Spielkonzept minimal zu halten, den Spieler nicht zu überfordern und ’Garden Ink’ auch für Kinder zugänglich zu machen.“ Das kam offenbar auch bei der Jury des Deutschen Computerspielpreises gut an. Diese lobte im persönlichen Gespräch nach der Preisverleihung die putzige Grafik des Spiels, das durchdachte und konsequent durchgezogene Wohlfühl-Konzept des PC-Spiels sowie die überzeugenden Sound-Effekte.

Im Spiel "Garden Ink" erschafft der Spieler eine gemütliche, friedliche Welt, die er nach eigenem Geschmack auch ausmalen kann.
Im Spiel "Garden Ink" erschafft der Spieler eine gemütliche, friedliche Welt, die er nach eigenem Geschmack auch ausmalen kann.  Foto: privat

Aufgrund von mehreren Förderzuwendungen können sich Sven Mehlhorn und Arne Jürgens seit eineinhalb Jahren in Vollzeit mit „Kranich Games“ beschäftigen. Durch den Gewinn des Deutschen Computerspielpreises erhält das Duo nun 50.000 Euro Preisgeld. Jürgens: „Dieses Geld investieren wir komplett in unsere Firma. Das nimmt uns nun ein wenig den Druck, ein Folgeprojekt übers Knie zu brechen.“ In welche Richtung das nächste Spiel inhaltlich geht, das wollen sich Mehlhorn und Jürgens nun genau überlegen.

PC-Spiel „Garden Ink“ erscheint voraussichtlich Ende 2026 auf Steam

Zuvor gilt es aber erst noch, kleine Fehler aus „Garden Ink“ zu entfernen. Mehlhorn: „Das Spiel ist noch gar nicht veröffentlicht. Wäre es schon erschienen, hätten wir in unserer Preiskategorie auch gar nicht mitmachen können.“ Bisher gibt es nur die kostenlose Demo-Version. Gegen Ende 2026 soll „Garden Ink“ auf Steam, einer Online-Vertriebsplattform für Computerspiele, erscheinen. Arne Jürgens: „Voraussichtlich zum Preis von fünf bis zehn Euro – und damit etwa für die Summe, die ein Döner kostet.“

Von dem Preis verspricht sich das Duo die Möglichkeit, künftig auch bei weiteren Förderungen berücksichtigt zu werden. Kooperationen mit größeren Computerspiel-Firmen sind nicht geplant. Dem Duo ist es wichtiger, mit seiner Firma für einen bestimmten Stil zu stehen. Und einen Wiedererkennungswert haben sie auch. Arne Jürgens: „Ich habe die Angewohnheit, dass ich ständig aus Papier Kraniche bastle und diese verschenke. So bleiben wir bei anderen Spiele-Entwicklern, die wir auf Messen kennenlernen, auch in Erinnerung.“ Und der Titel „Kranich Games“ als Labelname für das Wohlfühl-Spiel und alles Weitere, was noch kommt, liegt damit auch auf der Hand. 

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