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Raum Heilbronn

Cannabis-Samen im Baumarkt und beim Discounter – ganz legal im Regal

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Hanfsamen zwischen Pflanzendünger, Käse und Dosenwurst? Erste Einzelhändler haben die Chance genutzt und nach der Cannabis-Teillegalisierung die Anbaumöglichkeiten ins Sortiment genommen. Zumindest vorübergehend.


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Fast 100 Jahre lang war Cannabis in Deutschland verboten. Doch aufgrund des sogenannten Konsumcannabisgesetzes ist es seit etwas mehr als zwei Jahren, seit dem 1. April 2024, möglich, Cannabis legal zu erwerben. Seither bieten etwa Cannabis Social Clubs (CSC), von denen es in der Region Heilbronn beispielsweise in Bad Wimpfen und Langenbrettach Vereinigungen gibt, Optionen, gesetzeskonform an das Rauschmittel zu kommen.

Nun haben Discounter und Baumärkte, auch in der Region, den legalen Verkauf von Hanfsamen zum Selbstanbau ebenfalls als Einnahmequelle entdeckt. Beispielsweise in den BayWa-Märkten in Weinsberg und Brackenheim kann man Päckchen mit drei Hanfsamen zum Preis von 24,99 Euro erwerben. Zur Auswahl stehen unterschiedliche Sorten wie White Widow, Northern Lights und Strawberry Smile. 

BayWa-Märkte bieten in Weinsberg und Brackenheim Hanfsamen an

Online weist das BayWa-Team auf die rechtlichen Einschränkungen beim Kauf von Hanfsamen zum heimischen Anbau hin: Jede Person darf höchstens drei Pflanzen für den eigenen Konsum anbauen. Der persönliche Cannabis-Besitz an getrocknetem Material darf in der Öffentlichkeit die Menge von 25 Gramm nicht überschreiten. Der Anbau darf nicht öffentlich sichtbar sein. Und darüber hinaus ist der Cannabis-Konsum für Minderjährige verboten.

Vorübergehend ist auch der Discounter Netto ins Hanfsamen-Geschäft eingestiegen. Mitte März hat Netto in 255 Filialen in Berlin sowie in Teilen von Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern zeitlich begrenzt Hanfsamen als regionalen Aktionsartikel angeboten, wie Christina Stylianou, Leiterin Unternehmenskommunikation von Netto Marken-Discount, berichtet. 

Hanfsamen bei Discounter Netto: Alterskontrolle beim Bezahlen

Hanfsamen zwischen Joghurt, Käse und Süßigkeiten – das könnte eine Verharmlosung des nicht ungefährlichen Cannabis bedeuten, das psychisch und körperlich abhängig machen sowie zu Psychosen und Halluzinationen führen kann. Stylianou erklärt: „Netto begleitete den Verkauf der Hanfsamen mit transparenten Informationen.“ Auf jeder Packung sei ein QR‑Code, der zu einer ausführlichen, gemeinsam mit Fachleuten entwickelten Anleitung für den legalen Eigenanbau führe, angebracht gewesen. „Zusätzlich stellt der Hersteller auf seinem Blog weiterführende Hinweise zu den Anbauschritten und den gesetzlichen Rahmenbedingungen bereit“, erläutert die Leiterin der Unternehmenskommunikation.

Weiterhin habe Netto die Hanfsamen nur an erwachsene Kunden herausgegeben. Stylianou: „Die Alterskontrolle erfolgt beim Bezahlvorgang.“ Das kurzzeitige Angebot bei Netto habe sich vor allem an Menschen gerichtet, die aufgrund der geänderten Gesetzeslage Interesse an Eigenanbau entwickelt haben. Bedenken in Bezug auf den Jugendschutz hat laut dem Bayerischen Rundfunk beispielsweise die bayerische Gesundheitsministerin Judith Gerlach (CSU) bereits kurz nach der Teil-Legalisierung vor zwei Jahren geäußert, als die Möglichkeit im Raum stand, dass Hanfsamen auch im Einzelhandel angeboten werden könnten.

Hanfsamen im Einzelhandel: Doppelmoral in der Diskussion um Cannabis?

Hanfsamen im gewöhnlichen Einzelhandel – läuft das nicht dem Geschäftsmodell und dem Wirken der Cannabis Social Clubs entgegen? „Wir begrüßen alles, was dazu beiträgt, das Cannabis-Thema zu entstigmatisieren“, sagt Tristan Stohs, Schatzmeister und Anbaurat des CSC Lollipot. Das Team des Cannabis-Clubs in Langenbrettach hat im vergangenen September seine erste Marihuana-Ernte eingefahren.

Tristan Stohs prüft die Hanfpflanzen im Langenbrettacher Cannabis Social Club Lollipot.
Tristan Stohs prüft die Hanfpflanzen im Langenbrettacher Cannabis Social Club Lollipot.  Foto: Seidel, Ralf

Die Gefahr, dass durch den zugänglichen Erwerb der Samen zum Selbstanbau Menschen in die Sucht abrutschen, sieht Stohs nur bedingt: „Im Gesetz sind die Grenzen klar definiert. Aber klar: Wer möchte, findet sicher Wege, mehr als drei Samen bei sich anzupflanzen. Das liegt aber auch in der Verantwortung jedes Einzelnen. Whiskey ist beispielsweise auch frei verkäuflich. Und davon kann auch jeder besorgniserregende Mengen kaufen und in die Sucht abrutschen. In der Cannabis-Diskussion sehe ich daher ein Stück weit eine Doppelmoral.“

Minderwertige Cannabis-Qualität beim Selbstanbau der Hanfsamen?

Auch Max Christian Klenk sieht in dem Hanfsamen-Verkauf bei BayWa und Netto keine Konkurrenz. Im Gegenteil: „Ich finde es super, denn dieser Zugang ist ein weiterer Schritt in Richtung der längst überfälligen Normalisierung des Marihuana-Themas in der Öffentlichkeit“, sagt der Vorsitzende des CSC Royal-Haze. Der Cannabis-Club in Bad Wimpfen hat im Oktober 2025 seine ersten Haschischpakete an seine Mitglieder herausgegeben.

Allerdings fragt sich Klenk, wie die Qualität der Hanfpflanzen beim Selbstanbau ausfällt: „Bei uns im Club sind die Anbauräume klimatisiert. Die Pflanzen wachsen und gedeihen unter sehr gut abgestimmten Bedingungen.“ Er hat seine Zweifel, ob der heimische Anbau bei weniger Erfahrenen Hanf-Interessierten ebenso gelingt wie bei den CSC-Mitgliedern, die für ihren Mitgliedsbeitrag auch hochwertige Ware erwarten können.

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