Babymord-Prozess: Vom Säugling aus Lauffen hatte niemand etwas mitbekommen
Im Babymord-Prozess vor dem Heilbronner Landgericht haben am Montag Mediziner bestätigt: Bis zuletzt hat die Angeklagte aus Lauffen behauptet, nicht schwanger gewesen zu sein.

Das neugeborene Kind, das die 33 Jahre alte Angeklagte am 12. September vergangenen Jahres heimlich in der Lauffener Wohnung ihrer Eltern auf die Welt gebracht hat, ist mutmaßlich Opfer einer schweren Gewalteinwirkung geworden.
Darauf deutet zumindest die Untersuchung des Stuttgarter Facharztes unter anderem für Neuropathologie und Mikrobiologie, Professor Michael Torzewski, hin. Dabei hatte der Sachverständige bei dem toten Säugling unter anderem ein schweres Schädelhirn- und Rückenmarkstrauma festgestellt.
Verletzungen passen zum Fall aus Lauffener Schlafzimmerfenster
Die Verletzungen würden theoretisch zu einem Fall aus dem Schlafzimmerfenster passen, so der Facharzt. Dass sich das Kind diese Verletzungen bei der Geburt zugezogen haben könnte, schloss der Mediziner aus. Die Angeklagte hatte angegeben, den Säugling auf der Toilette zur Welt gebracht zu haben. Auch dort würde es sich verletzt haben können, räumte der Professor ein. Dass diese Verletzungen dann aber tödlich sein könnten, hielt er für "sehr unwahrscheinlich".
Die Angeklagte hat während der Hauptverhandlung bereits eingeräumt, das Kind aus dem Fenster fallen gelassen zu haben. Sie sei mit der Situation überfordert gewesen und habe beim Kind kein Lebenszeichen festgestellt. Weil sie frische Luft gebraucht habe, sei sie zum offenen Fenster gegangen. Dort habe sie das Kind herausfallen lassen.
Angeklagte im Babymord-Prozess war emotional gefasst
"Vom Säugling hat niemand etwas mitbekommen", sagte ein Beamter vom Polizeirevier Lauffen am Montag im Zeugenstand vor der Schwurgerichtskammer. Weder die Familie noch die Rettungskräfte. Selbst im Heilbronner Klinikum am Gesundbrunnen bestritt die Angeklagte, schwanger gewesen zu sein. "Die Patientin war emotional gefasst", sagte der Gynäkologe, der die Angeklagte am Morgen des 12. September vergangenen Jahres im Gesundbrunnen operierte. "Weinerlich oder trauernd habe ich die Patientin nicht in Erinnerung", so der Mediziner.
Operiert werden musste sie, weil sie während der heimlichen Geburt in der elterlichen Wohnung bereits rund einen Liter Blut verloren hatte und die Blutung mit Medikamenten nicht zu stoppen gewesen wäre. "Irgendwann wäre sie ohnmächtig geworden." Der Kreislauf sei instabil gewesen, sie habe kalten Schweiß gehabt und sei blass gewesen.
Gynäkologe hatte Zweifel an Version der Beschuldigten im Babymord-Prozess
Zweimal habe er die Beschuldigte gefragt, ob sie schwanger gewesen sei. Zweimal habe sie das glaubhaft verneint, so der Arzt. Dabei hätte aus Sicht des Gynäkologen alles dafür gesprochen, dass sie ein Kind zur Welt gebracht hatte. Der große Blutverlust und schließlich ein silbriges Schimmern im Intimbereich, das ausgesehen habe wie Eihautmaterial seien deutliche Hinweise gewesen.
Auch wenn man den Angaben von Patienten allgemein zunächst einmal glaube: "Wir hatten die ganze Zeit über im Hinterkopf: Da stimmt etwas nicht an dieser Geschichte", so der operierende Arzt. Am Ende operierte er ihr eine rund 680 Gramm schwere Plazenta mit einer rund fünf Zentimeter blind endenden Nabelschur aus dem Körper.
Staatsanwaltschaft hat Mordanklage erhoben
Schon dem Notarzt, der sie von Lauffen nach Heilbronn brachte, hatte sie auf Nachfrage erzählt, nicht schwanger gewesen zu sein. Auch den Eltern und ihrem Bruder, die sie an dem Morgen blutend in der Wohnung auffanden, sagte sie von der Entbindung nichts. Dabei hatte sie zu diesem Zeitpunkt das Kind bereits aus dem Fenster fallen lassen. Die Staatsanwaltschaft wirft der Beschuldigten sogar vor, den Säugling aus niederen Beweggründen aus dem Fenster geworfen zu haben, und hat deswegen eine Mordanklage erhoben.
Dass sie bis zuletzt Schwangerschaft und Geburt verschwieg und auf Nachfrage bestritten hatte, hat sie gegenüber der Polizeibeamtin, die sie im Krankenhaus nach der Operation befragt hat, offenbar damit erklärt, dass sie das habe einfach verdrängen wollen. Sie sei von der Geburt überrascht gewesen und habe das alles von sich geschoben. Tatsächlich habe sie aber während der Fahrt mit dem Krankenwagen ins Klinikum ihrem Bruder per Handy mitgeteilt, dass unter dem Schlafzimmerfenster etwas liegt, um das er sich kümmern solle.
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