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Arabischer Supermarkt in Heilbronn: Angeklagte ließen Geldscheine regnen

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Im Prozess um illegale Tabakwaren, die aus einem arabischen Supermarkt in Heilbronn verkauft worden sein sollen, bestätigte einer der Angeklagten die Vorwürfe in weiten Teilen. 


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Im Prozess um illegal vertriebene Tabakprodukte hat am Mittwoch (12.2.) der jüngere der beiden angeklagten Brüder vor der Wirtschaftskammer des Landgerichts Stuttgart Angaben zum Sachverhalt gemacht. Sein Verteidiger Malte Höch aus Heilbronn bestätigte in weiten Teilen die in der Anklage der Staatsanwaltschaft Stuttgart gemachten Vorwürfe.

Arabischer Supermarkt in Heilbronn: Angeklagte ließen Geldscheine regnen

Demnach seien die illegal in einem Waldstück entsorgten 90 Glycerinkanister seinem 21 Jahre alten Mandanten zuzuordnen. Glycerin ist notwendig, um Wasserpfeifentabak herzustellen. Auch E-Zigaretten und Zigaretten sollen die beiden Brüder, die in der Heilbronner Innenstadt einen arabischen Supermarkt betrieben hatten, illegal verkauft haben.

Damit entgingen dem Staat laut Anklage der Staatsanwaltschaft Steuereinnahmen von knapp einer Million Euro.

Arabischer Supermarkt: Zigaretten und E-Zigaretten in Polen gekauft

Der Angeklagte ließ über Höch ebenfalls erklären, dass er mit seinem heute 23 Jahre alten Bruder nach Polen gefahren sei, um dort illegale E-Zigaretten und Zigaretten einzukaufen. Steuerzeichen auf den Verpackungen fehlten freilich. Diese sollen sie von einem in Belgien wohnhaften Mann gekauft haben, der seine Ware nicht nur an die beiden Angeklagten verkauft haben soll, er soll auch deren Lager – unter anderem in der Klingenberger Straße und in der Nürnberger Straße in Heilbronn – genutzt haben.

Vertrauensperson berichtet an Zoll über Aktivitäten

Ein Beamter des Zollfahndungsamts Stuttgart war als Zeuge geladen. Der Hauptsachbearbeiter des Falls berichtete von einem Informanten des Landeskriminalamts Baden-Württemberg in Stuttgart. Der habe darauf hingewiesen, dass illegale Tabakprodukte an ein Geschäft in der Luisenstraße verkauft worden seien.

Über die Heilbronner Staatsanwaltschaft habe man eine Vertrauensperson eingesetzt, die fortan über die Aktivitäten berichten solle, erklärte der Zollbeamte. An einen Falafel-Imbiss und einen anderen arabischen Supermarkt seien die illegalen Tabakprodukte geliefert worden.

Zollbeamter: Geldbündel mit grünen und gelben Scheinen

Der Zollbeamte berichtet von Auswertungen der Mobiltelefone der beiden Angeklagten. Darauf waren unter anderem Videos zu sehen, in denen sie mit Geldbündeln geprotzt haben sollen. „Es waren größere Bargeldbündel. Gelbe und grüne Scheine waren auch dabei.“

Als der Vorsitzende Richter Frank Maurer den Zollbeamten auf ein Video ansprach, auf dem es Geldscheine regne und die Familie der Angeklagten darunter tanze, schmunzelten diese.

Mit großer Schwester aus Syrien geflüchtet

Eine Mitarbeiterin der Jugendgerichtshilfe bei der Stadt Heilbronn berichtet vom Leben des Inhabers des Lebensmittelmarktes. Mit seiner größeren Schwester sei er 2016 aus Syrien geflüchtet. „Aller Kinder hatten deutliche Kriegserfahrung.“ Der Vater sei bereits in Deutschland gewesen. Als der Vater wegen Steuerdelikten in Haft kam, habe sich der Sohn immer auffälliger Verhalten, habe die Schule geschwänzt. Es sei ein Vormund bestimmt worden. In Biberach seien er und seine zwei Brüder, die mittlerweile auch nach Deutschland gekommen waren, in eine Wohngruppe gekommen. „Mit der Regeleinhaltung ist es schwierig geworden.“ Es habe diverse Vermisstenmeldungen gegeben. Die Polizei habe mehrmals nach ihm suchen müssen. 

Am Ende des zweiten Verhandlungstages gaben Staatsanwaltschaft und Verteidigung einen Strafrahmen an, den sie sich vorstellen könnten. Der bewegte sich zwischen zwei und vier Jahren Haft.

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