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„Rein betriebswirtschaftlich Quatsch“ – warum Vereine trotzdem Altpapier sammeln

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Altpapier-Sammlungen werden in der Region Heilbronn und Hohenlohe immer seltener durchgeführt. Dabei stärken die Aktionen den Zusammenhalt und die Sichtbarkeit der Vereine. Die Stimme war in Bad Rappenau bei einer Sammlung dabei. 


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Etwa alle halbe Stunde kommt Robin Müller, Abteilungsleiter Frisbee beim TV Bad Rappenau, mit dem Pritschenwagen zu den beiden großen Containern auf den Parkplatz des Bad Rappenauer Waldstadions gefahren. Hinten drauf eine Beuge Papier und Pappe. Und, noch viel wichtiger: jedes mal eine Handvoll Jugendlicher, die das Papier zuvor in den Wohnstraßen aufgesammelt hatten.

Altpapiersammlung in Bad Rappenau: Mengen sind deutlich zurückgegangen

Den Inhalt des Bullis stapeln die Jugendlichen in die Container, bis sie Dreiviertel voll sind. Wenn der Bulli entladen ist, schwärmen die Bad Raps, wie sich die Frisbee-Abteilung des TV Bad Rappenau bezeichnet, wieder aus, um Pappen und Papier abzuholen. „Es macht Spaß“, sagt die 13-jährige Matilda Suppinger. „Schön, zusammen was zu machen“, ergänzt Henry Birnbaum. „Wenn was rausfällt, lacht man zusammen“, so der 13-Jährige.

Viel los im Altpapiercontainer: Die Bad Raps, Frisbee-Jugend des TV Bad Rappenau, lässt sich von Nieselregen und Kälte die Stimmung nicht verderben.
Viel los im Altpapiercontainer: Die Bad Raps, Frisbee-Jugend des TV Bad Rappenau, lässt sich von Nieselregen und Kälte die Stimmung nicht verderben.  Foto: Ralf Seidel

Wie eine sterbende Freizeitbeschäftigung sieht das Papiersammeln in Bad Rappenau nicht aus, doch die Landratsämter, die die Sammlungen genehmigen, beobachten einen Rückgang der Sammeltermine. So ist das Aufkommen von Altpapier durch Sammlungen seit 2010 auf weniger als ein Drittel der damaligen Menge gesunken, wie das Landratsamt Heilbronn auf Anfrage mitteilt. Als einen Grund nennen die Kreisverwaltungen in Heilbronn und Hohenlohe die Einführung von Sammeltonnen.

Altpapiersammlung in Bad Rappenau: Viel Arbeit, wenig Gewinn

Bis zu zehn Tonnen Altpapier haben die Bad Raps nach Einschätzung ihres Abteilungsleiters Robin Müller am Wochenende zusammengetragen. Bei einem Erlös von etwa 40 Euro pro Tonne erfreut sich die Vereinskasse über ein Plus von 400 Euro. Dafür war ein schweißtreibender Tag mit viel Muskelkraft nötig und dies und alles im Ehrenamt.

„Rein betriebswirtschaftlich ist das Quatsch“, meint Robin Müller. Gut sei das Papiersammeln dagegen für das Teambuilding. „Und man wird als Verein wahrgenommen.“ Übers Jahr komme „ein Tausi“ zusammen: „Früher war es mehr.“ Dennoch halten die Scheibenwerfer an der Tradition fest, seit 32 Jahren mittlerweile. Der Erlös sei zu wichtig, um sagen zu können „darauf sind wir nicht angewiesen“. Und das Altpapiersammeln sei allemal „besser, als Spenden per Drückerkolonne einzusammeln“.

Geld aus Altpapiersammlung für Vereinsraum in Bad Rappenau

Was die Frisbee-Sportler mit dem Geld aus der Sammlung anfangen, steht laut Müller schon fest: „Wir richten das ehemalige Kassenhäuschen am Sportplatz zu einem Vereinsraum her.“

Am 21. März ist in Kocherstetten bei Künzelsau Sammlung, und auch hier geht es um viel mehr, als um die rein monetäre Seite. Verantwortlich ist die evangelische Kirchengemeinde. „Altpapiersammlungen gibt es bei uns schon seit 30 Jahren“, berichtet Pfarrer Wilfried Härpfer.


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Warum auch im Hohenlohekreis das Altpapiersammeln nachlässt

Seit zehn Jahren sei die Jugendarbeit damit betraut, die Dreiviertel der Erlöse behalten dürfen. Über den Verwendungszweck werde in der Jahresplanung entschieden. In diesem Jahr ist das Geld für die technische Einrichtung des Jugendraums bestimmt. „Wir bekommen jetzt einen WLan-Zugang“, weiß der Pfarrer. „Bisher musste immer jemand einen Laptop mitbringen.“ Die Mitglieder des Jugendtreffs um Leiter Benjamin Krepp merken schon, dass das Altpapieraufkommen nachlässt, seitdem die Haushalte mit der Grünen Tonne ausgestattet sind. Dennoch hält die Kirchengemeinde an den vier Sammelterminen im Jahr fest.

So stark gehen die Altpapiersammlungen zurück

Die Kreisverwaltungen, bei denen Altpapiersammlungen angemeldet werden, verzeichnen einen allgemeinen Rückgang. So gebe es in Hohenlohe immer weniger Sammeltermine der Vereine. Das hat laut Sprecherin Anja Kohr mit den sinkenden Marktpreisen für Altpapier zu tun. Andererseits sähen sich viele Vereine einem Mitgliederschwund gegenüber, der bereits dazu führt, dass manche Vereine die Sammlung eingestellt haben.

Die Altpapiermengen im Landkreis Heilbronn sind langfristig gesehen über die Jahre stark rückläufig. Ein Grund sei die Einführung der Blauen Tonne, ist Sprecher Andreas Zwingmann überzeugt. 2010 verzeichnete der Landkreis noch rund 4000 Tonnen Altpapier, 2020 wurden noch 2000 Tonnen eingesammelt und 2025 noch 1200 Tonnen.

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