Altersdepression: Chefarzt des Klinikums am Weissenhof erklärt psychische Erkrankung
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Depressionen im Alter: Die Erkrankung hat bei älteren Menschen andere Ursachen, als bei jüngeren. Das gibt es zu Ursachen, Diagnose, Symptomen und Behandlung zu wissen.
Depressionen – auch im Alter – können sich von einer leichten Symptomatik bis hin zum Suizid äußern.
Foto: IMAGO / CHROMORANGE
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Antriebslosigkeit, Niedergeschlagenheit, aber auch Wahn oder Lebensmüdigkeit – das können Symptome einer Altersdepression sein. Die Erkrankung unterscheidet sich vor allem bei den Ursachen von Depressionen bei Jüngeren. Der Fall von Wolfgang Grupp hat die öffentliche Aufmerksamkeit auf das Thema gelenkt. Der frühere Trigema-Chef hatte nach einem Suizidversuch seine Altersdepressionen öffentlich gemacht. Er verbrachte danach einige Zeit im Krankenhaus, ist mittlerweile aber zurück in der Öffentlichkeit.
Zu Diagnose, Symptomen und Behandlung von Altersdepressionen hat unsere Redaktion bei Dr. Rainer Schaub, Chefarzt der Klinik für Gerontopsychiatrie und Psychotherapie im Klinikum am Weissenhof in Weinsberg, nachgefragt.
Was ist eine Altersdepression und wie häufig ist die Erkankung?
Der Begriff Altersdepression sei nicht scharf definiert, sagt Schaub. Es herrsche in der Fachwelt aber Übereinstimmung, dass Depressionen bei älteren Menschen, (ab 65 Jahren) dann als Altersdepression bezeichnet werden, „wenn sie mit Faktoren assoziiert sind, die nicht nur mit dem chronologischen, sondern auch mit dem biologischen oder sozialen Alter assoziiert sind“, so der Chefarzt. Also liegt eine Altersdepression vor, wenn sie mit Alterserkrankungen, wie Parkinson oder Alzheimer, oder mit sozialen Aspekten des Alters, wie zum Beispiel dem Renteneintritt, zusammenhängen.
Studien kämen laut Schaub auf Größenordnungen von etwa 12 bis 15 Prozent behandlungsbedürftiger Depressionen bei Menschen über 65 Jahren – bei Heimbewohnern seien es über 30 Prozent. Diese Zahlen könne die Klinik am Weissenhof auch aus ihrer eignen Erfahrung bestätigen, sagt der Chefarzt.
Chefarzt des Klinikums am Weissenhof: So äußern sich Altersdepressionen
Bei den Symptomen seien alle Depressionsformen möglich, die auch bei jüngeren Menschen in Erscheinung treten, sagt er. Leichte Symptome seien etwa eine Minderung der Vitalität und des Antriebs. Schwerer ausgeprägte depressive Erkrankungen können mit wahnhaften Symptomen oder einem völligen Versiegen jeglicher Aktivitätsmöglichkeiten einhergehen.
Wie auch bei Depressionen in jüngeren Jahren, können Altersdepressionen zu suizidalen Gedanken führen. Die Suizidrate nehme mit dem Lebensalter zu, erklärt Schaub. „Die Alters- und Geschlechtsgruppe mit dem höchsten Suizidrisiko sind Männer im hohen Lebensalter, auch Wolfgang Grupp gehört dieser Gruppe an.“
Dabei kann „die von vielen älteren Menschen häufig geäußerte Lebensmüdigkeit Vorzeichen einer Entwicklung hin zu Suizidalität darstellen“, sagt der Chefarzt. Zwar müsse man nicht bei jeder Lebensmüdigkeit bei älteren Menschen man vor einem Suizid Angst haben, das sei nicht „per se krankhaft“, so Schaub, aber häufig sei Lebensmüdigkeit ein Symptom einer Depression.
Altersdepressionen: Kann die psychische Krankheit geheilt werden?
Altersdepressionen werden mit verschiedenen Ansätzen, etwa Medikamenten sowie Gesprächstherapie in verschiedenen Settings, stationär oder ambulant, behandelt. Dass diese Ansätze richtig aufeinander abgestimmt sind, sei wichtig für den Behandlungserfolg, sagt Schaub. Bei der Behandlung von älteren Menschen müssen auch vorhandene körperliche oder kognitive Begleiterkrankungen beachtet werden. Dazu zählen körperliche Leiden im Alter, aber auch Erkrankungen wie Demenz oder Parkinson. Das kann die Therapie laut Schaub auch komplizierter machen.
Rainer Schaub, Chefarzt der Klinik für Gerontopsychiatrie und Psychotherapie am Klinikum am Weissenhof in Weinsberg.
Foto: Klinikum am Weissenhof (groß), Werner Kissel (klein), Montage: HSt
Die Behandlungsaussichten seien aber sehr gut, sagt er. Bei Ausschöpfung aller Maßnahmen sei bei mindestens 90 Prozent der behandelten Patienten eine signifikante Verbesserung oder Heilung der Depression zu erwarten, so der Chefarzt.
Der Begriff „Heilung“ sei in diesem Fall so zu verstehen, erklärt Schaub weiter, dass die Symptome deutlich gebessert oder zum vollständigen Abklingen gebracht werden. Ob ein Wiederauftreten der Depression bei Menschen zu befürchten ist, die im hohen Alter erstmals von dieser Erkrankung betroffen sind, sei schwer vorherzusehen. In der Fachwelt geht man laut dem Chefarzt aber davon aus, dass eine Erhaltungstherapie, wie sie bei jüngeren Betroffenen durchgeführt wird, auch bei Altersdepressionen erforderlich ist.
Hinweis in eigener Sache
Sollten Sie Probleme haben, depressiv sein oder über Suizid nachdenken, können Sie sich unter anderem an den Arbeitskreis Leben in Heilbronn wenden. Sie erreichen ihn unter 07131/164251 und akl-heilbronn@ak-leben.de. Dort erhalten Sie Hilfe. Auch die Telefonseelsorge unter 0800/1110111 und 0800/1110222 steht Ihnen zur Seite.
Wenn Sie um eine Person fürchten, hat der Arbeitskreis Leben Signale der Gefährdung zusammengefasst. Sie finden sie unter diesem Link.
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