Rettungsdienst in großer Not: Notwendige Reformen viel zu lange verschleppt
Die Digitalisierung verschlafen, die Grundversorgung ausgedünnt und teils schwer zugänglich: Die Helfer im Rettungsdienst müssen ausbaden, was im Gesundheitssystem schief läuft, kommentiert unsere Autorin.
Jahrzehntelang wurden in Deutschland Probleme mit Geld gelöst, auch im Gesundheitswesen. Obwohl lange klar ist, dass die medizinische Versorgung sehr teuer, aber wenig effizient und die Menschen mitnichten gesünder sind als die europäischen Nachbarn, flossen Millionen: in Krankenhäuser, die ambulante Versorgung, das Rettungswesen. Damit hat man für Ruhe bei den jeweiligen Interessengruppen gesorgt, große Strukturreformen zum Besseren gab es aber nicht.
Alarm im Rettungsdienst: Helfer berichten von 90 Prozent Bagatellen
Das rächt sich nun bitter. Bei den Krankenhäusern, von denen immer mehr in die Insolvenz rutschen, in der ambulanten Versorgung, in der immer mehr ältere Patienten in immer weniger Arztzeit auf Behandlung hoffen – und im Rettungsdienst. Von ihm zeichnen die Retter selbst ein besonders düsteres Bild, erzählen hinter vorgehaltener Hand von „bis zu 90 Prozent“ Alarmierungen wegen Bagatellen.

Muss Deutschland immer erst mit dem Rücken zu Wand stehen, bevor Innovationen über die Angst vor Veränderung siegen? Gesundheitsministerin Warken muss die Reform des Rettungsdienstes gemeinsam mit ihren Länderkollegen mit Eile angehen. Es ist inakzeptabel, wenn der Rettungsdienst, der für lebensbedrohliche Notfälle gedacht ist, ausbadet, dass die medizinische Grundversorgung an vielen Stellen nicht mehr funktioniert.
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Kommentare
Wilfried Binder am 14.08.2025 10:54 Uhr
Medizinische Grundversorgung ....
Notfallpraxen - wie die in Brackenheim - konnten bisher bei nicht lebensbedrohliche Notfällen direkt aufgesucht werden. Rettungsdienste können sich dadurch mehr um lebensbedrohliche Notfälle kümmern.
Es kann davon ausgegangen werden, daß nach Schließung der Notfallpraxen - wie auch die in Brackenheim - verstärkt auch bei weniger bedrohliche Notfällen den Rettungsdienst gerufen wird. Wie soll der medizinische Laie auch erkennen, wann ein lebensbedrohlicher Notfall vorliegt?
Vor 2 Jahren hatte ich abends ein medizinisches Problem, vermutete erst mal was weniger Problematisches, wandte mich nach Symptomverstärkung erst mal telefonisch an die Notfallpraxis Brackenheim, die nach Schilderung der Symptome sofort an den Rettungsdienst verwies.
Die Situation war lebensbedrohlich, ist aber dank einer (noch!!) funktionierenden, erweiterten Grundversorgung durch die Notfallpraxis in Brackenheim, und dem zum Glück schnellen Einsatz des Rettungsdienstes, nochmals glimpflich verlaufen. Das wäre ggf. nicht so gut verlaufen, wenn keine Notfallapraxis (mehr) verfügbar und/oder der Rettungsdienst, blockiert durch harmlosen Einsatz nicht schnell am Einsatzort hätte sein können.
Nach Beschluss der KVBW wird die Notfallpraxis in Brackenheim Ende dieses Jahres geschlossen .... mit nicht absehbaren Konsequenzen für Notfallpatienten und Rettungsdienst im Einzugsgebiet.
Vordergründig wird durch Schließung der Notfallpraxen gespart. Konkret gefährdet man dabei aber Leben und körperliche Unversehrtheit, und muss letzendlich das Gesparte dann doch in einen leistungsstärkeren - damit kostenintensiveren - Rettungsdienst investieren.
Abschließend meinen Dank an die Notfallpraxis Brackenheim und an den Rettungsdienst .... und ein "schämt euch" an die allzu kurzsichtige KVBW!