Raiffeisenmarkt geschlossen: Standort Gemmingen deckt Kosten nicht mehr
Die Landhandels-Genossenschaft Agroa setzt ihren Sparkurs bei den Raiffeisenmärkten fort. Läden wie in Gemmingen werden geschlossen – und andere Standorte?

Die Agroa, eine der größten Primärgenossenschaften in Süddeutschland, setzt ihr Effizienzprogramm fort. Zum Jahresende hat die Genossenschaft, die neben dem Agrarhandel, dem Energiesektor und dem Landmaschinenservice auch ein Netz von Raiffeisenmärkten betreut, die Verkaufsstellen in Gemmingen und Ittlingen zum Jahresende geschlossen. Laut den geschäftsführenden Vorständen Stephan Buchholz und Florian Gänsbauer seien die Standorte nicht mehr kostendeckend zu betreiben.
Am Standort Ittlingen bleibt die Getreideannahme saisonal erhalten, in Gemmingen schließt die Agroa den Standort komplett. Hier hatte sich Ende 2022 ein Brand ereignet, bei dem ein großes Getreidesilo komplett zerstört wurde. „Betreffend der Immobilie entwickeln wir derzeit unterschiedliche Szenarien. Grundsätzlich sind wir verkaufsbereit, haben aber keine Eile“, so Buchholz.

In welchen Raiffeisen-Standort die Agroa investiert
Im Juni 2023 hatte der Raiffeisenmarkt in Gundelsheim seine Pforten geschlossen. Am Standort war nach Aussage der Vorstände der Erbpachtvertrag ausgelaufen. Der Raiffeisenmarkt in Kleingartach war im Spätjahr 2021 außer Betrieb genommen worden.
Mit den eingeleiteten Maßnahmen scheint die Restrukturierung in der Genossenschaft vorerst beendet zu sein, die Schließungen seien ohne Freisetzungen von Personal erfolgt. Weitere einschneidende Maßnahmen im Bereich der Raiffeisenmärkte seien zum jetzigen Zeitpunkt nicht vorgesehen. Im Gegenteil: Die Agroa will die verbleibenden Standorte stärken.
Auf dem Parkplatz des Raiffeisenmarkts in Neuenstadt sollen vier neue E-Ladesäulen entstehen. Das ehemalige BAG-Lagerhaus an der L1088 soll gegen Hochwasser ertüchtigt werden. In Eppingen denkt die Agroa perspektivisch schon in die nächste Dekade. Bis 2035 will die Primärgenossenschaft das Stückgutlager erneuern und das Pflanzenschutz- und Düngemittellager modernisieren.

Raiffeisenmärkte der Agroa: Welches Angebot neu im Portfolio ist
Die Landtechniksparte bleibt mit den bestehenden Standorten erhalten. Diese betreibt die Agroa unter anderem in Eppingen, Bad Rappenau und in Stetten am Heuchelberg. Die Sparte Energie bleibt für die Agroa ein entscheidender Markt. So bleibt das Netz der Shoptankstellen und Tankstellenautomaten erhalten. Tanken und Kleinigkeiten einkaufen können Kunden weiterhin unter anderem in Eppingen und Bad Rappenau. In Eppingen war im Jahr 2023 ein CO2-neutral arbeitender Waschpark für Pkw hinzugestoßen.
Neu im Energiebereich ist, dass der ehemaligen BAG-Standort Züttlingen zum Schwerpunkt der Logistik mit Holzpellets umgewidmet wurde. In den ehemaligen Silos der Südzucker hatte die BAG bis vor Kurzem Getreide gelagert. Seit der Fusion verfügt die Agroa nun auch über eine Kapazität der Stromerzeugung aus Wasserkraft.
In der Mühle Heuchlingen wird aber nicht nur Strom erzeugt. Hier hat die Primärgenossenschaft die Möglichkeit geschaffen, Biogetreide in kleineren Chargen zu mahlen.
„Amazon der Landwirtschaft“: Ersatz für klassischen Landhandel?
Die Agroa ist seit Frühjahr 2024 an der Online-Agrarhandelsplattform Akoro beteiligt. Kunden haben die Möglichkeit, Agrar-Handelsgüter per Internet zu ordern und entweder direkt geliefert zu bekommen oder von bestimmten Standorten abholen zu können. „Amazon für die Landwirtschaft“, nennt Buchholz das Angebot. 182 Kunden sind bereits als Teilnehmer mit der Plattform vernetzt.
Laut Gänsbauer handele es sich um ein Zusatzangebot der Agroa zur Ergänzung des Portfolios, „kein Entweder-Oder“.
Die Agrar-Handelsgenossenschaft Agroa mit Sitz in Eppingen wird von etwa 3200 Mitgliedern der ehemaligen Primärgenossenschaften Kraichgau Raiffeisen-Zentrum (KRZ), BAG Franken und Labag Marbach getragen. Im Unternehmen sind 450 Mitarbeiter an 29 Geschäftsstellen beschäftigt. Die Genossenschaft ist in den in den Sparten Agrar, Raiffeisen-Märkte, Landtechnik, Energie und Umwelt sowie Tankstellen und Waschpark tätig. Die Agroa veröffentlicht einen Jahresumsatz in Höhe von rund 300 Millionen Euro.
„Grundsätzlich sind wir verkaufsbereit.“Stefan Buchholz zumStandort Gemmingen

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