Gefahr fürs Abwassersystem: Warum feuchtes Toilettenpapier nicht ins Klo gehört
Feuchtes Toilettenpapier achtlos im Klo entsorgen? Das kann zu Schwierigkeiten im Abwassersystem führen. Auch weitere Produkten können in den Rohren Verstopfungen verursachen.
Am 26. August ist der Tag des Toilettenpapiers. Ein Anlass, der von der Stadt Stuttgart genutzt wird, um auf die Probleme im Zusammenhang mit der unsachgemäßen Entsorgung von feuchtem Toilettenpapier hinzuweisen.
Feuchtes Toilettenpapier im Abfluss: Ein unterschätztes Problem
Die unsachgemäße Entsorgung von feuchtem Toilettenpapier führt zu Problemen. Anders als herkömmliches Toilettenpapier, das im Wasser zerfällt, bestehen feuchte Tücher oftmals aus reißfesten Fasern und lösen sich nicht auf.
Dies führt zu Verstopfungen in privaten und öffentlichen Abwassersystemen. "Das Entfernen solcher Stoffe ist nur mit erheblichem Aufwand möglich und kann im Einzelfall auch schnell mal mehrere zehntausend Euro pro Pumpe kosten", so die Stadtentwässerung Stuttgart.
Auf vielen Verpackungen von feuchtem Toilettenpapier finden Verbraucher den Hinweis, dass das Produkt spülbar sei. Der Hinweis „spülbar“ bedeutet jedoch lediglich, dass das Papier mit Wasser transportiert werden kann, nicht aber, dass es sich im Wasser auflöst, erklärt die Stadt Stuttgart in einer Pressemitteilung.
Wenn das Klo zur Mülltonne wird: Wie falsche Entsorgung Abwassersysteme belastet
Die Stadtentwässerung Stuttgart betont daher, dass feuchtes Toilettenpapier, andere Hygieneartikel wie Wattestäbchen und Speisereste nicht über die Toilette entsorgt werden dürfen. Abfälle im Klo führen zu zahlreichen Problemen: Verstopfungen im Kanalsystem, Störungen der Pumpanlagen und sogar Rattenplagen, da Essensreste im Kanal verrotten und üble Gerüche verursachen.
Feuchtes Toilettenpapier ist also nicht das alleinige Problem. Wenn Abwasserrohre durch unsachgemäße Entsorgung von Lebensmitteln und Kosmetikartikeln verstopfen, liegt das meistens an Fettablagerungen durch beispielsweise Speiseöl, erklärt Tobias Kühn vom Tiefbauamt Neckarsulm auf Anfrage der Heilbronner Stimme.

Speisefette und -öle können sich in den Rohren ablagern und zu Engpässen führen, während Chemikalien und Medikamente nicht vollständig aus dem Abwasser gefiltert werden können und die Umwelt schädigen. Feuchtes Toilettenpapier hingegen sollte im privaten Haushalt weniger zu Verstopfungsproblemen führen, sondern eher "die Kläranlagen und Pumpwerke belasten", so Kühn.
Verunreinigungen im Abwasser: Wer zahlt bei Schäden und Verstopfungen?
Entstehen Schäden und Verunreinigungen im Abwasser, werden die Kosten für die Beseitigung im Endeffekt von den Bürgern mittels der Abwassergebühren beglichen. Schäden, die auf einen bestimmten Haushalt zurückzuführen sind, müssen zu hundert Prozent vom Verursacher beglichen werden.
Entstehen verstopfte Rohre innerhalb der eigenen Hausabschlussleitung, kostet das Betroffene in der Regel 200 bis 300 Euro und dauert etwa eine bis zwei Stunden, bis die Verstopfung beseitigt ist, so Kühn. Fettablagerungen können in dem Fall abgefräst werden, woraufhin mittels einer kleinen Kamera geschaut werde, ob weitere Verstopfungen im Rohr vorliegen.
Dass jedoch eine ganze Straße wegen verstopften Rohren aufgerissen werden muss, sei nicht der Regelfall, erklärt Kühn der Heilbronner Stimme. "Verstopfungen kann man in der Regel mit Hochdruckreinigung und Fräsen beseitigen."
Abwasserrohre in der Regel sicher vor Brüchen: Das sagt das Tiefbauamt Neckarsulm
Nachdem es im vergangenen Jahr vermehrt Wasserrohrbrüche im Landkreis Heilbronn gab, erklärt Kühn vom Tiefbauamt Neckarsulm, dass es in der Regel nicht passieren kann, dass Abwasserrohre platzen. "Abwasserrohre stehen im Gegensatz zu Frischwasserleitungen nicht unter Druck. Das Abwasser fliest meist im freien Gefälle und drucklos zu den Klärwerken."
Es sei denn es handelt sich um Abwasserdruckleitungen, dann können auch diese Leitungen platzen. Allerdings ist der Anteil an Abwasserdruckleitungen im Allgemeinen eher gering. Aus diesem Grund sollte ein Abwasserrohr auch nicht platzen, heißt es der Heilbronner Stimme gegenüber. Sollten doch potenzielle Rohrbrüche auftreten, handle es sich hierbei um Einzelfälle.
Appell an Verbraucher und Hersteller: Richtiges Entsorgung von Abfällen
Auch das Umdenken bei Herstellern ist wichtig, damit in Zukunft Produkte entwickelt werden, die umweltfreundlicher und leichter abbaubar sind, wodurch die Belastung des Abwassersystems verringert und die Umwelt geschützt werden kann.
Hygieneartikel wie Feuchttücher, Slipeinlagen, Tampons, Kondome, Pflaster, Katzenstreu, Medikamente sowie kleine Mengen an Frittier- und Speisefett gehören in den Restmüll. Feste und flüssige Speisereste, Kaffeesatz und Teebeutel gehören in die Biotonne. Farben, Lacke, Lösungsmittel, Haushaltsreiniger und größere Mengen an Frittier- und Speisefett müssen Bürger zum Wertstoffhof, zur Problemmüllsammelstelle oder zum Schadstoffmobil bringen, erklärt das Umweltbundesamt.
Nicht nur die unsachgemäße Entsorgung von Produkten im Abwasser stellt eine Herausforderung dar – auch illegal abgestellter Müll sorgt in Heilbronn für Verärgerung. Bei der Müllabholung in Heilbronn gibt es bereits neue Regelungen, die beachtet werden sollten.
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