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NS-Belastung: Wie reagieren Ernst-Franz-Vogelmann-Stiftung und Städtische Museen?

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Eine Studie dokumentiert die NS-Belastung des Heilbronner Mäzens Ernst Franz Vogelmann, nach dem einer der renommiertesten Kunstpreise Deutschlands benannt ist.

Problematischer Namensgeber: Kunsthalle Vogelmann in Heilbronn.
Problematischer Namensgeber: Kunsthalle Vogelmann in Heilbronn.  Foto: Christiana Kunz

Er ist einer der höchst dotierten Kunstpreise für zeitgenössische Skulptur in Deutschland. Der Ernst-Franz-Vogelmann-Preis, den die gleichnamige Stiftung zusammen mit den Städtischen Museen Heilbronn seit 2007 alle drei Jahre auslobt. Der aktuelle Preisträger Gregor Schneider wurde immerhin schon mit dem Goldenen Löwen der Biennale Venedig ausgezeichnet.

Nun wird in einer Studie, die die Stadt Heilbronn in Auftrag gegeben hat zur Überprüfung der nationalsozialistischen Vergangenheit von Namensgebern und Namensgeberinnen von Heilbronner Straßen, Brücken, Plätzen und Gebäuden, auch der Name Ernst Franz Vogelmann (1915-2003) genannt. Nach dem Heilbronner Unternehmer und Kunstmäzen sind die städtische Kunsthalle, die Stiftung und eben jener Preis benannt.

NS-Vergangenheit von Vogelmann: Studie empfiehlt, NSDAP-Mitgliedschaft zu kommunizieren

Wie reagieren Vogelmann-Stiftung und Städtische Museen auf diese „formale“ Belastung, wie es die Historikerin Susanne Wein, Autorin der Studie, nennt? Die Studie empfiehlt eine Kommentierung. Vogelmanns NSDAP-Mitgliedschaft sowie die von nationalsozialistischer  Ideologie geprägte Betriebsordnung des während der NS-Zeit prosperierenden Familienbetriebs sollten kommuniziert wie auch Vogelmanns Teilnahme am Ostfeldzug dokumentiert werden unter Nennung der Einheit und der Einsatzorte.

Auf Anfrage unserer Zeitung nimmt im Namen der Vogelmann-Stiftung die Aufsichtsratsvorsitzende Iris Baars-Werner Stellung. Der Stiftungsrat der Ernst-Franz-Vogelmann-Stiftung habe in den vergangenen Tagen durch die Berichterstattung in der Heilbronner Stimme von der „vermuteten NS-Belastung des Stifters Ernst Franz Vogelmann erfahren“. Der geschilderte Sachverhalt sei den Stiftungsräten bis dahin nicht bekannt gewesen. „Selbstverständlich werden sich Vorstand und Aufsichtsrat der Vogelmann-Stiftung mit dem Thema ausführlich auseinandersetzen und im Stiftungsrat zeitnah über daraus zu ziehende Schlussfolgerungen beraten. Wir werden die Öffentlichkeit darüber informieren.“

Kunstförderer mit NS-Vergangenheit? „Wir haben großes Interesse an Transparenz und Kontextualisierung“

„Dem wird man sich stellen“, sagt Marc Gundel, Direktor der Städtischen Museen. Die Studie müsse man „qualifiziert bewerten“. Will heißen, weitere Studien sollten „differenzieren“, wie stark die Verstrickung war und ob die Gelder der Stiftung, die „wir ja weitergeben, toxisch sind“.  Auch die Städtischen Museen kannten, so Gundel, das Ergebnis der Studie nicht. Als kommunale Kultureinrichtung halte sich sein Haus an die Vorgaben der Expertenkommission und werde die dokumentierte NS-Belastung von Ernst Franz Vogelmann am Gebäude Kunsthalle kommentieren. „Wir haben großes Interesse an Transparenz und Kontextualisierung.“

Ob der renommierte Preis weiter den Namen Vogelmann trägt? Die Entscheidung liege bei der Stiftung. „Die Stadt hat einen Prozess in Gang gebracht.“ Gundel selbst kann sich einen anderen Namen vorstellen, Skulpturenpreis Heilbronn etwa.

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