„Sowas noch nicht erlebt“: Angriff auf Freilichtspiele-Schauspieler in Schwäbisch Hall
Zwei Schauspieler der Freilichtspiele Schwäbisch Hall sollen Ende Juni angegriffen sowie homophob und rassistisch beleidigt worden sein. Das Theater setzt mit einem Social-Media-Post ein Zeichen gegen Hass und Homophobie.
Mit eindringlichen Worten und dem Bild eines Regenbogens setzen die Freilichtspiele Schwäbisch Hall in der vergangenen Woche einen Post auf ihren Social-Media-Kanälen ab. „Hass hat hier keinen Platz“ und „Wir sprechen darüber“ ist darin unter anderem zu lesen. Was war geschehen?
Homophobe und rassistische Beleidigungen: Freilichtspiele Schwäbisch Hall reagieren auf Vorfall
Bereits Ende Juni sollen zwei Schauspieler des Freilichtspiele-Ensembles von zwei Jugendlichen angegriffen worden sein – kurz vor einer Vorstellung des Musicals „West Side Story“. Einer der Darsteller sei im Garten seiner Unterkunft von einem 19-Jährigen und einem 16-Jährigen angesprochen worden. Anschließend soll es homophobe und rassistische Beleidigungen gegeben haben.
Als der Schauspieler wenig später mit einem Ensemble-Kollegen wieder in den Garten kommt, sollen die beiden Jugendlichen schon auf dem Privatgelände gewesen sein. Die Aufforderung, das Grundstück wieder zu verlassen, hätten sie ignoriert. Das Polizeipräsidium Aalen gibt an, dass es dann zu gewalttätigen Übergriffen kam, dass mit einem Stock und einer abgebrochenen Glasflasche auf die Schauspieler losgegangen wurde.
Angriff in Schwäbisch Hall: Ein Schauspieler zur Behandlung im Krankenhaus
Die Polizei bestätigt auch die homophoben und rassistischen Beleidigungen. „Einer der Jugendlichen ist polizeibekannt, auch für sein aggressives Auftreten“, so ein Sprecher des Präsidiums Aalen gegenüber der Heilbronner Stimme. Deshalb vermute man auch, dass es sich nicht um eine gezielte homophobe oder rassistische Attacke handele. Die Ermittlungen von Polizei und Staatsanwaltschaft dauern an, ein Strafverfahren wegen Körperverletzung und Beleidigung wurde eingeleitet.
Ein Schauspieler wurde beim Angriff leicht verletzt, sein Kollege musste zur Behandlung ins Krankenhaus gebracht werden. Einer der beiden musste bei der Vorstellung am Abend ersetzt werden. Den Schauspielern geht es inzwischen wieder besser, berichtet Christian Doll, Intendant der Freilichtspiele Schwäbisch Hall. „Dass so etwas passiert, erschreckt einen“, sagt Doll, der, als er vom Angriff hört, direkt zum Ort des Geschehens fährt. „Der Vorfall hat auch im Ensemble eine Unsicherheit ausgelöst. Eigentlich fühlt man sich in Schwäbisch Hall ja ziemlich sicher“, so der Intendant.
„Dieser Angriff galt nicht nur einzelnen“: Beleidigungen gegen Schauspieler in Schwäbisch Hall
„Wir haben sowas hier noch nicht erlebt. Das war sicherlich keine Attacke spezifisch auf die Freilichtspiele, trotzdem betrifft das einen Punkt, der uns als Theater ausmacht“, so Doll. „Dieser Angriff galt nicht nur einzelnen – er galt auch dem, wofür wir stehen: Vielfalt, Respekt und Zusammenhalt. Unser Ensemble lebt Diversität – in Herkunft, Sprache, Identität und sexueller Orientierung“, heißt es auch im Online-Post der Freilichtspiele.
Reaktion auf Angriff bei Freilichtspielen Schwäbisch Hall: Sicherheitsvorkehrungen getroffen
Christian Doll erzählt, dass man kurzfristig Sicherheitsvorkehrungen getroffen, das Ensemble zum Teil auch begleitet habe. „Dieser Vorfall zeigt, dass unsere offene Gesellschaft immer wieder in Gefahr und dass sie nicht selbstverständlich ist“, so der Intendant, der der Polizei ein Stück weit widerspricht. „Es sind rassistische und homophobe Beleidigungen gefallen. Ich glaube nicht, dass es ein Zufall war, wen sich die beiden als Opfer ausgesucht haben.“
Warum die Freilichtspiele mit ihrem Online-Post knapp drei Wochen gewartet haben? „Uns war klar, dass wir damit an die Öffentlichkeit gehen wollen. Uns ging es aber erst einmal darum, unsere Ensemble-Mitglieder zu schützen.“

Stimme.de