Rund 120.000 Fahrzeuge am Tag passieren den Engelbergtunnel an der A81 zwischen Heilbronn und dem Dreieck Leonberg. Eröffnet wurden die beiden Röhren 1998 und 1999. Wie das Landesverkehrsministerium bestätigte, betrugen die Baukosten rund 650 Millionen Euro, viel mehr als ursprünglich geplant. Allein 183 Millionen Euro waren Finanzierungskosten für ein umstrittenes Modell: Ein privates Konsortium hatte das Geld für den Bau vorgestreckt, der Bund stotterte die Raten bis 2014 ab. Dass der Tunnel durch Schichten mit Anhydrit führt, war bekannt. Deshalb wurden schon beim Bau die Wände verstärkt, sie sind bis zu drei Meter dick. Trotzdem sind immer wieder aufwendige Sanierungsarbeiten nötig, weil quellender Anhydrit auf die Tunnelwände drückt.
Nach Brand im Engelbergtunnel: So verhalten sich Autofahrer richtig bei Notfällen
Nach dem Brand im Engelbergtunnel bei Leonberg fragen sich viele Autofahrer, wie sie sich in solchen Situationen richtig verhalten. Was bei Stau, Panne oder Feuer in einem Straßentunnel zu beachten ist.
Am Dienstag, 3. März 2026, ereignete sich ein schwerer Brand im Engelbergtunnel auf der A81 bei Leonberg. Am Nachmittag fing der Anhänger eines mit Kühlschränken beladenen Lastwagens in der Weströhre in Fahrtrichtung Karlsruhe/München am Beginn des Tunnelportals Feuer.
Brand im Engelbergtunnel: Drei Verletzte und Großaufgebot der Rettungskräfte
Drei Menschen erlitten nach Angaben der Autobahn GmbH Rauchvergiftungen. Zwei von ihnen kamen ins Krankenhaus. 386 Rettungskräfte waren mit 57 Fahrzeugen im Einsatz.
Die ersten Prüfungen vor Ort zeigten massive Betonabplatzungen an der Tunneldecke der betroffenen Weströhre. Die Kabel der Tunnelsteuerung sowie der Brandmeldeanlage waren verschmort. Inzwischen ist die Röhre in Richtung Heilbronn wieder offen. Die Weströhre bleibt jedoch auf unbestimmte Zeit gesperrt.
Fahrt durch Tunnel: Tipps vom Verkehrsministerium Baden-Württemberg
Mehr als 400 Tunnel gibt es auf deutschen Fernstraßen. Der längste ist der Rennsteigtunnel auf der A71 in Thüringen mit einer Länge von 7,916 Kilometern. Besonders auf Strecken in Richtung Alpen oder Österreich gehören längere Tunnelpassagen für viele Autofahrer zur Fahrt dazu. Doch die Fahrt durch eine Tunnelröhre sorgt bei manchen Verkehrsteilnehmern für Unbehagen.
Brände oder Unfälle in Straßentunneln sorgen immer wieder für große Aufmerksamkeit. Dabei gelten die Bauwerke in Deutschland grundsätzlich als sicher. Entscheidend ist jedoch, dass Autofahrer im Ernstfall richtig reagieren. Darauf weisen das Verkehrsministerium Baden-Württemberg in einem Infoflyer sowie die Webseite mehrachtung.de des Fernstraßen-Bundesamtes hin.
Zahlreiche Sicherheitseinrichtungen in Straßentunneln
Moderne Straßentunnel verfügen über zahlreiche Einrichtungen, die im Alltag für einen sicheren Verkehrsfluss sorgen und im Notfall schnelle Hilfe ermöglichen. Dazu gehören unter anderem Videokameras zur Verkehrsüberwachung, Notrufstationen, Lautsprecheranlagen, Brandmelder sowie leistungsfähige Belüftungssysteme. Diese Technik ermöglicht es den Tunnelbetreibern, gefährliche Situationen frühzeitig zu erkennen und schnell zu reagieren.
Darüber hinaus sind Tunnel mit Pannenbuchten, Feuerlöschern und deutlich gekennzeichneten Notausgängen ausgestattet. Entlang der Tunnelwände zeigen Fluchtwegmarkierungen und Entfernungsangaben den Weg zum nächsten Ausgang. Im Ernstfall können Verkehrsteilnehmer so schnell den sichersten Weg aus dem Tunnel finden.
Verhalten vor und während der Tunneldurchfahrt
Schon vor der Einfahrt in einen Tunnel sollten Autofahrer einige grundlegende Regeln berücksichtigen. Dazu gehört, Verkehrszeichen und Ampeln zu beachten und nur dann in den Tunnel einzufahren, wenn die Durchfahrt freigegeben ist. Außerdem empfiehlt es sich, das Abblendlicht einzuschalten und eine Sonnenbrille abzusetzen, damit sich die Augen besser an die Lichtverhältnisse im Tunnel anpassen können.
Während der Fahrt ist es wichtig, die vorgeschriebene Geschwindigkeit einzuhalten und ausreichend Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug zu halten. Spurwechsel sollte man möglichst vermeiden, da sie das Unfallrisiko erhöhen. Außerdem ist es im Tunnel grundsätzlich verboten, zu wenden oder rückwärtszufahren. Fahrzeuge dürfen nur im Notfall anhalten.
Zusätzlich sollten Verkehrsteilnehmer auf Hinweise im Tunnel achten. Dazu zählen beispielsweise Schilder, die auf Notrufstationen, Pannenbuchten oder Fluchtwege hinweisen. Diese Orientierungspunkte können im Ernstfall entscheidend sein.
Was tun bei Stau im Tunnel?
Kommt es im Tunnel zu einem Stau, ist ruhiges und umsichtiges Verhalten besonders wichtig. Autofahrer sollten die Warnblinkanlage einschalten und ausreichend Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug halten. Gleichzeitig ist eine Rettungsgasse zu bilden, damit Einsatzfahrzeuge schnell zum Einsatzort gelangen können.
Bei längerem Stillstand empfiehlt es sich außerdem, den Motor auszuschalten. Verkehrsteilnehmer sollten im Fahrzeug bleiben und aufmerksam auf mögliche Durchsagen über Lautsprecher oder Verkehrsfunk achten. Diese können wichtige Informationen über die aktuelle Situation und weitere Maßnahmen enthalten.
Was tun bei einer Panne oder einem Unfall im Tunnel?
Bleibt ein Fahrzeug im Tunnel liegen oder kommt es zu einem Unfall, sollte man zunächst versuchen, den Tunnel zu verlassen. Ist das nicht möglich, sollte das Fahrzeug möglichst am rechten Fahrbahnrand oder in einer Pannenbucht abgestellt werden. Anschließend sind Warnblinkanlage und Motor auszuschalten. Zudem sollte ein Warndreieck aufgestellt und dabei eine Warnweste getragen werden.
Danach sollte man nicht per Handy, sondern über die nächstgelegene Notrufstation Hilfe anfordern. Diese ist direkt mit der Tunnelleitzentrale verbunden, sodass der Standort des Notrufs sofort erkannt wird und Rettungskräfte schnell zum Einsatzort gelangen können.
Was tun bei einem Feuer im Tunnel?
Ein Brand im Tunnel kann besonders gefährlich sein, da sich Rauch schnell ausbreiten kann. Wenn möglich, sollte das Fahrzeug noch aus dem Tunnel herausgefahren werden. Ist das nicht mehr realisierbar, muss das Fahrzeug am Fahrbahnrand oder in einer Pannenbucht abgestellt und der Motor ausgeschaltet werden.
"Im Auto zu bleiben, kann lebensbedrohlich sein und ist das Gefährlichste, was man bei Feuer in einem Tunnel machen kann", sagt ein Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr Ditzingen. Schließlich ist nicht das Feuer, sondern der Rauch das Gefährliche.
Feuer im Tunnel: Bei Rauchentwicklung droht der Tod
"Die Erstickungsgefahr bei Rauch im Tunnel ist groß", erklärt auch Jürgen Vogt, Sprecher der Feuerwehr Heilbronn. Bei starker Rauchentwicklung im Tunnel sei die Überlebensdauer maximal drei Minuten - so lange, wie man die Luft anhalten kann. Vogt: "Bereits ein Atemzug kann die Lungen verätzen und zu Schäden führen."
Bei stärkerer Rauchentwicklung sollten sich Verkehrsteilnehmer so schnell wie möglich über die ausgeschilderten Notausgänge in Sicherheit bringen. Die Fluchtwegkennzeichnungen im Tunnel zeigen den Weg zum nächstgelegenen Ausgang.
Bei Brand im Tunnel am Feuer vorbeibewegen
Jürgen Vogt empfiehlt zudem, sich entgegen der Rauch-Richtung und an der Brandstelle vorbeizubewegen, wenn sich das Tunnel-Ende oder Notausgänge nicht in unmittelbarer Nähe befinden. Schließlich ist man dem Rauch länger ausgesetzt, wenn man sich in dessen Bewegungsrichtung bewegt.
Vogt: "Besser ist es allerdings, wenn man das Feuer selbst löschen kann. Das wirkt schließlich der Rauch-Entstehung entgegen." Das ist aber nur dann möglich, wenn sich das Feuer im Tunnel noch nicht ausgebreitet und möglicherweise mehrere Fahrzeuge erfasst hat.
Risiken in Tunneln: Aufmerksamkeit sorgt für mehr Sicherheit
In manchen Tunnelsystemen gibt es laut Feuerwehr-Sprecher Vogt auch die Möglichkeit, die Röhre zu wechseln. Auf diese Weise kann man dem lebensgefährlichen Rauch ebenfalls entgehen. Die räumliche Enge in einem Tunnel sieht Jürgen Vogt weniger als Problem: "Ich denke, dass der Fluchtgedanke bei der Gefahr durch Feuer schwerwiegender ist als eine mögliche Platzangst."
Straßentunnel verfügen über eine umfangreiche technische Ausstattung und klare Sicherheitskonzepte. Dennoch bleibt das Verhalten der Verkehrsteilnehmer ein entscheidender Faktor für die Sicherheit. Wer aufmerksam fährt, Verkehrsregeln einhält und im Notfall richtig reagiert, trägt wesentlich dazu bei, Risiken zu reduzieren und gefährliche Situationen sicher zu bewältigen.

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