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Lkw in Flammen
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Feuerwehr nach Brand im Engelbergtunnel: „Wir haben viel, viel Glück gehabt“

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Ein brennender Lastwagen im Engelbergtunnel bei Leonberg hat am Dienstag ein Chaos ausgelöst. Der Verkehr auf der A81 wird wochenlang ausgebremst. Das Feuer hätte in einer Katastrophe enden können. Eindrücke von der Unfallstelle. 


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Die Stäbe der Verdampfer-Einheit sind nur noch mit viel Fantasie zu erkennen. Verkohlt und inmitten von Asche und Trümmern liegen einzelne Kühlschrank-Bestandteile. Und auch vom Lastwagen ist nur noch das grobe Gerüst übrig. Nach dem Brand im Engelbergtunnel auf der A81 am Dienstagnachmittag, kurz nach 14 Uhr, sind am Abend die Spuren des in Brand geratenen Lkw noch deutlich zu erkennen. Kabel hängen von der Decke, die Innenwand des Tunnels zwischen Leonberg und Ditzingen ist verrußt, es gibt Abplatzungen am Beton.

„Wir haben viel, viel Glück gehabt“, sagt Andy Dorroch gegen 18.30 Uhr. Zu diesem Zeitpunkt ist das Feuer des mit Kühlschränken beladenen Lastwagens im Engelbergtunnel auf der A81 gelöscht, die Lage unter Kontrolle. Die Brandstelle liegt nur etwa 50 Meter hinter dem nördlichen Tunneleingang. „Die Autofahrer konnten daher rasch den Tunnel verlassen“, erklärt der Kreisbrandmeister des Landkreises Ludwigsburg. 


Feuer im Engelbergtunnel auf der A81: Brandursache offenbar Reifenpanne

„33 Personen waren mit ihren Autos unmittelbar vom Feuer betroffen, weil sie sich in dessen Nähe befunden haben“, berichtet Steffen Grabenstein, Sprecher der Polizei Ludwigsburg. Drei Menschen davon verletzten sich leicht, zwei von ihnen kamen ins Krankenhaus.

Wäre der Brand auf der A81 später ausgebrochen, deutlich weiter im Verlauf des Engelbergtunnels, hätte es möglicherweise zu schwereren Verletzungen kommen können. Grabenstein: „Auch die Rettungskräfte hätten weiter rein müssen. Das hätte die Situation deutlich erschwert.“

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Nach derzeitigem Stand geht die Polizei Ludwigsburg davon aus, dass der Brand am Lkw-Auflieger möglicherweise durch eine Reifenpanne entstanden ist. Aufgrund des defekten Reifens habe sich während der Fahrt mutmaßlich eine enorme Hitze am betroffenen Rad gebildet. Diese habe dann zum Brand geführt. „Als der Lkw-Fahrer dies entdeckte, stoppte er den Sattelzug kurz nach dem Tunnelportal“, berichtet die Polizei Ludwigsburg.

Nach Feuer: Sicherheitseinrichtungen im Engelbergtunnel zerstört

Die Polizei Ludwigsburg war mit 25 Streifenwagenbesatzungen sowie sechs Motorrädern und einem Hubschrauber vor Ort. Die Feuerwehren hatten 200 Personen im Einsatz, seitens des Rettungsdiensts waren 100 Menschen an der Feuerstelle im Engelbergtunnel. Noch im Laufe der Nacht auf Mittwoch haben die Einsatzkräfte die Brandschäden so weit beseitigt, „dass die Oströhre des Engelbergtunnels in Fahrtrichtung Heilbronn seit 5.40 Uhr am Mittwoch wieder befahrbar ist“, berichtet Wolfgang Grandjean, Sprecher der Autobahn GmbH des Bundes, Niederlassung Südwest.

Auch nach dem Löschen des Brands sind am Dienstagabend noch Dutzende Rettungskräfte am Engelbergtunnel im Einsatz.
Auch nach dem Löschen des Brands sind am Dienstagabend noch Dutzende Rettungskräfte am Engelbergtunnel im Einsatz.  Foto: Hagmann, Daniel

Grandjean berichtet: „In der Weströhre in Fahrtrichtung Karlsruhe sind auf den ersten 300 Metern alle Sicherheitseinrichtungen komplett zerstört worden. Kabel und Lüfter sind in diesem Bereich verschmort, Beton an der Decke ist aufgeplatzt, alle Lichter mussten ausgebaut werden. Selbst Schilder sind geschmolzen.“ 

Feuer im Engelbergtunnel: Hätte man den Brand verhindern können?

Ziel sei nun, den momentan durch die Gemeinden laufenden Umleitungsverkehr in Richtung Karlsruhe so schnell wie möglich wieder auf die Autobahn zurückzuführen. „Dazu muss die komplett zerstörte – aber zwingend vorgeschriebene und notwendige – Sicherheitstechnik neu eingebaut werden“, berichtet Grandjean.

Gutachter untersuchen derzeit noch die Situation. Erst nach deren Beurteilung sei klar, wie lange die Einbau-Arbeiten voraussichtlich dauern werden.


Bis dahin bleibt die Weströhre des Engelbergtunnels auf der A81 in Fahrtrichtung Singen voraussichtlich noch wochenlang gesperrt. Grandjean: „Die einzig gute Nachricht ist, dass der Brand allein die Betriebstechnik zerstört hat. Das Tunnelbauwerk selbst ist nur oberflächlich betroffen.“ Eine mögliche Umleitungsstrecke für Autofahrer, die üblicherweise die A81 nutzen, ist beispielsweise die B14.

 

Das Feuer im Engelbergtunnel hat insgesamt rund 400 Einsatzkräfte beschäftigt.
Das Feuer im Engelbergtunnel hat insgesamt rund 400 Einsatzkräfte beschäftigt.  Foto: Hagmann, Daniel

Hätte man den Brand im Engelbergtunnel verhindern können? Schließlich sollen Thermoscanner mögliche Brandgefahren vorab feststellen. Diese befinden sich auf dem Parkplatz Engelberg, etwa einen Kilometer nördlich des Portals. „Beispielsweise Wärmebild-Kameras untersuchen dann verdächtige Temperaturentwicklungen“, berichtet ein Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr Ditzingen. Allerdings betrifft diese Untersuchung lediglich Lastwagen, die Gefahrgut geladen haben. „Kühlschränke zählen nicht dazu“, erklärt der Feuerwehrmann.

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