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Personalnot und Überlastung

Bertelsmann-Studie: Immer mehr Erzieher ohne pädagogischen Abschluss

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Eine neue Studie der Bertelsmann Stiftung zeigt: Die Personalsituation in Kitas verschlechtert sich. So ist die Lage in der Region Heilbronn.


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Das Bildungssystem in Deutschland brökelt. Diese Notlage beginnt nicht erst in der Schule, sondern bereits in der  Kita, das bestätigt nun eine neue Studie der Bertelsmann Stiftung.

Wie Kinder vor ihrem sechsten Lebensjahr betreut werden, hat Einfluss auf ihren späteren Bildungsweg, zeigen Studien. Deshalb betonen Experten, wie elementar wichtig die frühkindliche Bildung ist, doch die Versorgung wird bundesweit eher schlechter als besser. 

Neue Studie der Bertelsmann Stiftung: Kita-Personal immer weniger qualifiziert

Die Zahl der Mitarbeitenden, die mindestens über eine Qualifikation als Erzieher verfügen, geht bundesweit zurück. Um den Betrieb aufrechtzuerhalten, werden zunehmend Personen ohne pädagogischen Abschluss eingestellt. Doch "eine hohe Fachkraft-Quote in jedem Kita-Team ist ein zentraler Faktor für eine kindgerechte frühkindliche Bildung", heißt es in der Studie. 

Bundesweit wiesen 2017 in 41 Prozent aller Kita-Teams über 82 Prozent der Mitarbeitenden mindestens einen pädagogischen Abschluss auf - 2023 war das nur noch in 32 Prozent der Kita-Teams der Fall. Einen Rückgang von qualifiziertem Personal stellt die Untersuchung in 13 Bundesländern fest. Am deutlichsten sank die Zahl in Berlin ( - 18 Prozent), in Mecklenburg-Vorpommern (-15) und in NRW (-14).

Der Anteil der Kitas, in denen der Mitarbeiteranteil mit einem Fachabschluss bei über 82,5 Prozent lag, sank in Baden-Württemberg 2023 auf 25,5 Prozent, 2017 waren es noch 38,5 Prozent. Eine leicht positive Entwicklung konnte Bayern mit 0,1 Prozent verzeichnen - allerdings ist die entsprechende Quote hier grundsätzlich niedrig und liegt 2023 bei 3,2 Prozent.  Ebenfalls verbesserten sich das Saarland (von 23,1 auf 26,6 Prozent) sowie Schleswig-Holstein (von 18,7 auf 20,2 Prozent). 

Auffällig: In Ostdeutschland hat in 69,3 Prozent der Kitas über 82,5 Prozent des Personals einen Fachabschluss, in Westdeutschland sind es nur 23,2 Prozent der Kitas. 

Expertin betont: Qualifiziertes Personal in Kitas ist elementar

Weiter kommt die Bertelsmann Stiftung zu dem Schluss, dass in Baden-Württemberg 41,6 Prozent der Kinder in Gruppen mit einem nicht kindgerechten Personalschlüssel untergebracht sind. "Nicht kindgerecht" sind in der Studie beispielsweise Fälle, in denen ein Erzieher allein für mehr als 8 Kinder über drei Jahren zuständig ist.

„Auch in Baden-Württemberg versucht man, den Platz- und Personalmangel in den Kitas durch den Einsatz von Mitarbeitenden aufzufangen, die für ihre Arbeit mit den Kindern nicht die formalen pädagogischen Voraussetzungen mitbringen", sagt Kathrin Bock-Famulla, Expertin der Bertelsmann Stiftung für frühkindliche Bildung. Das dürfe aber nicht zu einem dauerhaften Absenken der Fachkraft-Quote führen. "Doch genau diese Tendenz sehen wir momentan in Baden-Württemberg." 

Qualifikation von Kita-Personal in der Region: Überlastung ist Hauptproblem

In der Stadt Heilbronn liegt der Anteil des pädagogischen Personals mit einem Fachabschluss bei 60,4 Prozent, so die Ergebnisse des "Ländermonitorings Frühkindliche Bildungssysteme", durchgeführt von der Universität Wien sowie der Bertelsmann Stiftung.

Im Landkreis bei 67,4 Prozent sowie im Hohenlohekreis bei 73,8 Prozent. Im Stadtkreis Heilbronn bedeutet das einen leichten Anstieg im Vergleich zum Vorjahr, 2022 lag die Quote bei 59,3 Prozent. Im Landkreis Heilbronn dagegen lag sie im vergangenen Jahr bei 70,2 Prozent, in Hohenlohe bei 74,6 Prozent.

Neben Personalnot ist Überlastung ein großes Problem für Kita-Angestellte, wie eine aktuelle Studie der Justus-Liebig-Universität Gießen und der Bertelsmann Stiftung bestätigt. Ein möglicher Teufelskreis, denn wer überlastet ist, steigt eher aus dem Beruf aus.

Knapp die Hälfte der befragten Kita-Mitarbeiter gibt an, sich täglich oder fast täglich im Beruf überlastet zu fühlen. Ein Viertel sagt, dass die Wahrscheinlichkeit den Beruf zu verlassen bei über 80 Prozent liegt. Dies trifft auch auf die Gruppe der 16- bis 25-Jährigen zu, die sich zumeist noch in der Ausbildung befinden.  Auch Auszubildende schätzen die Wahrscheinlichkeit, die Erziehungsarbeit abzubrechen, als sehr hoch ein. Die Experten der Stiftung betonen, dass ein guter Personalschlüssel sowie ausreichende Qualifikationen zentral sind, um die Überlastung der Mitarbeitenden zu reduzieren.

Aussichten in Ostdeutschland besser als in Westdeutschland

Für die ostdeutschen Bundesländer sehen die Autoren insbesondere aufgrund des demografischen Wandels die Möglichkeit, dass die Situation sich verbessert: Weil künftig aufgrund des demografischen Wandels weniger Kinder in die Kita kommen, müssen Erzieher eine geringere Anzahl von Kindern betreuen, was wiederum die Arbeitsbelastung reduziert.

Für die westdeutschen Bundesländer sagen die Autoren einen anhaltenden Fachkräftemangel voraus, der Fokus müsse darauf liegen, Mitarbeiter besser zu qualifizieren und weiterzubilden. Die "aktuell ergriffene Strategie, zunehmend mehr Personal mit keiner oder geringer pädagogischer Qualifikation einzustellen, könnte sich mittel- und langfristig als nicht zielführend erweisen", so die Autoren. 

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