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Schlechte Noten für Schienennetz in Baden-Württemberg – Problem-Stellwerk in Lauffen

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Die Deutsche Bahn bewertet den Zustand des Bahnnetzes an vielen Stellen schlecht. Baden-Württemberg schneidet in vielen Bereichen besonders schlecht ab. 

Marode Stellwerke, Weichen und Bahnübergänge: Das Schienennetz in Baden-Württemberg bekommt von der Deutschen Bahn keine guten Noten.
Marode Stellwerke, Weichen und Bahnübergänge: Das Schienennetz in Baden-Württemberg bekommt von der Deutschen Bahn keine guten Noten.  Foto: Berger, Mario

Befriedigend, 3,1. Mit dieser Note bewertet die Deutsche-Bahn-Tochterfirma Infrago den Zustand des Schienennetzes in Baden-Württemberg. Was für manchen Schüler noch eine akzeptable Note wäre, ist bei der Schiene kein Grund zum Jubeln: 2021 gab es noch eine etwas bessere Note 2,9 und seitdem hat die Bundesregierung die Investitionen in die Schiene deutlich nach oben gefahren. Immer mehr Geld und das Bahnnetz wird trotzdem schlechter, wie kann das sein?

Die Bewertung veröffentlicht die Infrago jedes Jahr in Form eines Zustandsberichts. Die Noten werden in den Kategorien „Schienennetz“ und „Bahnhöfe“ für einzelne Kategorien vergeben. Über den Bericht für dieses Jahr hat die „Stuttgarter Zeitung“ zuerst berichtet, die das Dokument vorliegen hatte.

Marodes Bahnnetz in Baden-Württemberg: Stellwerke sind in besonders schlechtem Zustand

Demnach sind in Baden-Württemberg (Note 4,3) wie bundesweit (4,1) die Stellwerke in einem besonders schlechten Zustand. Nur etwas besser bewertet die Bahn den Zustand von Bahnübergängen (3,7), Oberleitungen (3,2) und Weichen (3,1) im Land. 

Überraschend ist das nicht. Seit Jahren warnen Experten und Verbände davor, dass die Bahn einem immer weiter wachsenden Sanierungsstau hinterherläuft.

Stellwerk in Lauffen entscheidet über Zabergäubahn-Reaktivierung

In der Region hat das spürbare Folgen: Das Stellwerk bei Lauffen stammt noch aus der Kaiserzeit und muss dringend komplett erneuert werden. An der Modernisierung des Stellwerkshängt die Reaktivierung der Zabergäubahn.

Doch über das nötige Geld, geschätzt 30 Millionen Euro, wird seit Jahren gestritten. Der Stellwerks-Neubau soll aus dem Topf für den Digitalen Knoten Stuttgart finanziert werden, doch die Bahn hat in der Vergangenheit immer wieder unterschiedliche Aussagen gemacht, was davon alles umfasst sein soll.

Der Grünen-Verkehrspolitiker Matthias Gastel hat das immer wieder kritisiert. Im Herbst 2024 forderte er Bahn und Verkehrsministerium auf: „Wir brauchen Klarheit und eine Perspektive auch für die Zabergäubahn.“ Ihm sprang der Lauffener Landtagsabgeordnete Erwin Köhler (Grüne) bei: „Ein derart wichtiges Verkehrsprojekt für die Region darf nicht an einem alten und maroden Stellwerk scheitern, das ohnehin in einigen Jahren ersetzt werden muss.“ 

Generalsanierung der Riedbahn zwischen Mannheim und Frankfurt wirkt offenbar

Und Sanierungen sorgen für spürbare Verbesserungen, auch das zeigt der Zustandsbericht. Der Schienenkorridor zwischen Mannheim und Frankfurt wurde als einer der ersten bundesweit generalüberholt und dafür monatelang gesperrt. Offenbar mit Erfolg, die Note stieg von 3,7 vor der Sanierung auf 2,2.

Als nächstes ist die Strecke zwischen Hamburg und Berlin an der Reihe, 40 weitere Hauptstrecken sollen so bis in die 2030er Jahre hinein erneuert werden. Der Bund will dafür rund 107 Milliarden Euro ausgeben – mehr Geld als die Vorgängerregierungen und trotzdem weniger, als die Deutsche Bahn als Bedarf angemeldet hat.

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