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Angriffe auf Personal in Bus und Bahn – wie Baden-Württemberg reagiert

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Nach einem Angriff mit Pfefferspray auf zwei Fahrkartenkontrolleure in Pforzheim wird in Baden-Württemberg über mehr Sicherheit im öffentlichen Nahverkehr diskutiert.


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Das Land Baden-Württemberg reagiert auf jüngste Angriffe gegen Zugbegleiter und Ticketkontrolleure. Anfang Februar war bei einer Ticketkontrolle in Rheinland-Pfalz ein 36-jähriger Bahnmitarbeiter nach mehreren Faustschlägen gegen den Kopf verstorben.

Nun sind nach einem Angriff auf zwei Fahrkartenkontrolleure am helllichten Tag in Pforzheim laut Polizei zwei Männer weiter unerkannt auf der Flucht.

Angriff auf Fahrkartenkontrolleure in Pforzheim zeigt zunehmende Gewalt gegen Bahn-Personal im Nahverkehr

Die Flüchtenden hatten die Kontrolleure mit Pfefferspray angegriffen und niedergeschlagen. Die Ticketprüfer wurden leicht verletzt in eine Klinik gebracht. Dies wirft zum einen Fragen nach mehr Personal im Öffentlichen Nahverkehr auf, zum anderen auch, warum der Einsatz von Bodycams hier nicht stärker genutzt wird. Nicht nur tätliche Angriffe kommen immer wieder vor, in den derzeit überfüllten Zügen zwischen Heilbronn und Stuttgart kommt es immer wieder zu verbalen Auseinandersetzungen und Anfeindungen, auch zwischen Fahrgästen. 

Angriffe und Aggressionen in Zügen und im Nahverkehr nehmen immer mehr zu.
Angriffe und Aggressionen in Zügen und im Nahverkehr nehmen immer mehr zu.  Foto: Jonas Walzberg

Für Danny Grosshans, stellvertretender Vorsitzender im Bezirk Süd-West der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL), wird damit ein lang gehegter Wunsch erfüllt: „Wir fordern seit 2016 die Doppelbesetzung in den Zügen. Das ist schon mal viel wert, wenn man nicht alleine unterwegs ist.“

Ab März gilt das Prinzip „Eigensicherung vor Prüfung“ bei Fahrkarten-Kontrollen

Subjektiv besteht der Eindruck, dass vor allem in Stoßzeiten in den übervollen Zügen das Personal wenig präsent ist und sich auch aus Sicherheitsgründen in die Kabine zurückzieht. Die Folge ist, dass weniger kontrolliert wird. Das Prinzip „Eigensicherung vor Prüfung“ gilt tatsächlich nun bei DB Regio und anderen Unternehmen. Ab dem 1. März 2026 liegt es im Ermessen des Kontrollpersonals, ob ein Fahrgast bei der Ticketkontrolle einen Ausweis vorzeigen muss.

Erste Pilotprojekte für Doppelbegleitung in Zügen werden nun erprobt. „Wir setzen auf Prävention“, sagt Daniela Birnbaum vom Unternehmen Arverio, das die Strecke zwischen Heilbronn, Würzburg und Stuttgart bedient. Teilweise sei vertraglich nicht einmal in jedem Zug ein Zugbegleiter vorgesehen, nun sollen es auf einigen Strecken ein Kundenbetreuer plus Security sein. Zusätzlich werden verstärkt Schwerpunktkontrollen auch mit der Polizei durchgeführt. „Das erhöht das Sicherheitsempfinden der Fahrgäste.“

Das Pilotvorhaben von Arverio, Deutscher Bahn und der Südwestdeutschen Landesverkehrsgesellschaft (SWEG) soll mehr Sicherheit von Fahrgästen und Beschäftigten bringen, ist auch die Hoffnung von Landesverkehrsminister Winfried Herrmann (Grüne). 

Landes-Verkehrsminister Herrmann: Aggressionen im öffentlichen Raum nehmen messbar zu

Die stärkere Präsenz von Sicherheitspersonal, der Einsatz von Bodycams und eine bessere technische Ausstattung für die Mitarbeitenden der Bahn sind Punkte, die nach dem Landes-Sicherheitsgipfel nun diskutiert werden. Um schnell und einfach Hilfe rufen zu können, seien Kundenbetreuer darüber hinaus auf Wunsch mit dem sogenannten „Prio-Ruf“ – einem Notfall-Druckknopf – ausgestattet. 

Deeskalations- und Sicherheitstrainings seien mittlerweile fester Bestandteil des Fortbildungsprogramms, erklärt Daniela Birnbaum von Arverio. „Im Zweifelsfall ist es bei Übergriffen besser, sich selbst in Sicherheit zu bringen und die Polizei zu verständigen.“ Dies gelte für Personal wie Fahrgäste. 

Flächendeckende Ausstattung der Züge mit Videotechnik, verstärkte Schwerpunktkontrollen bei Großveranstaltungen, die Zusammenarbeit mit den Sicherheitsbehörden und ein flächendeckendes Messer- und Waffenverbot im ÖPNV sollen nun mehr Sicherheit bringen. „Die Aggressionen im öffentlichen Raum nehmen leider messbar zu“, so Minister Hermann.

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