Angriffe auf Zugpersonal in Baden-Württemberg: Forderung nach doppelter Besetzung
Nach Angriffen auf Ticket-Kontrolleure werden Rufe nach besserer Ausstattung laut. Personalvertreter meinen: Body-Cams ohne Tonaufnahme bringen wenig.
In Pforzheim wurden zwei Ticketkontrolleure brutal attackiert. Die Täter, die die Kontrolleure mit Pfefferspray angegriffen und ins Gesicht geschlagen haben, sind noch auf der Flucht. Ein von einem Fahrgast aufgenommenes Video zeigt die Tat und kann möglicherweise dazu beitragen, die Angreifer zu identifizieren.
Warum ist es Begleitpersonal in Bus und Bahn nicht erlaubt, beispielsweise mit Bodycams solche Situationen zu dokumentieren? Nicht nur tätliche Angriffe kommen immer wieder vor, in den derzeit überfüllten Zügen zwischen Heilbronn und Stuttgart kommt es immer wieder zu verbalen Auseinandersetzungen und Anfeindungen, auch zwischen Fahrgästen.
Gewerkschafter kritisiert Bodycams als Sicherheit für Zugpersonal: Aufnahmen ohne Ton bringen wenig
Danny Grosshans, stellvertretender Vorsitzender im Bezirk Süd-West der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) sieht wenig Sinn im Einsatz von Bodycams, „solange Tonaufnahme nicht erlaubt sind“. Um einen Tathergang oder eine eskalierende Situation zu dokumentieren, seien reine Bildaufnahme zu wenig aussagekräftig. Tonaufnahmen darf aber nur die Polizei machen, so die aktuelle Gesetzeslage.

Wichtiger wäre es dem Gewerkschafter, dass Zugpersonal nicht auf sich alleine gestellt ist. „Wir fordern seit 2016 die Doppelbesetzung in den Zügen. Das ist schon mal viel wert, wenn man nicht alleine unterwegs ist.“ Subjektiv besteht der Eindruck, dass vor allem in Stoßzeiten in den übervollen Zügen das Personal wenig präsent ist und sich auch aus Sicherheitsgründen in die Kabine zurückzieht. Die Folge ist, dass auch weniger kontrolliert wird.
Gewerkschafter fordert: Land muss mehr Geld für Züge zu Verfügung stellen
Das Land müsse mehr Geld zur Verfügung stellen, fordert der Gewerkschafter. Nach dem Motto „Wer bestellt, bezahlt“ könne man von den Eisenbahnunternehmen wie die Deutsche Bahn oder Arverio nicht einfach erwarten, dass sie mehr Züge oder mehr Wagen einsetzen. „Das zahlen die dann ja selbst.“
Aktuell habe man „relativ geräuschlos“, das heißt ohne Streiks, einen Tarifabschluss erreicht, so Grosshans. Aber ebenfalls wichtig sei, den Nahverkehr insgesamt mit entsprechenden Mitteln auszustatten. „Wenn mehr Platz im Zug ist, die Leute sogar einen Sitzplatz haben, dann würden alle Leute mitkommen und die Situation entspannt sich auch für das Begleitpersonal.“
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