Nach Sylt-Skandal: "Ausländer raus"-Rufe bei Galatasaray-Feier in Stuttgart?
Nach dem Skandal-Video, in dem Nazi-Parolen in einem Club auf Sylt gegrölt wurden, kommen immer mehr ähnliche Fälle ans Licht. Ein Video zeigt angeblich, wie Fans des türkischen Fußball-Clubs Galatasaray Istanbul auf dem Stuttgarter Schlossplatz "Ausländer raus" rufen.

Nach dem Rassismus-Eklat bei einer Party auf der Insel Sylt häufen sich ähnliche Vorfälle. Auch auf Schützenfesten in Niedersachsen, auf dem Schlagermove in Hamburg, in Sachsen-Anhalt und auf einem Spitzeninternat in Schleswig-Holstein soll es rassistische Gesänge gegeben haben.
Ein kurzes Video von der Pfingstparty in einem Lokal auf Sylt hatte vor wenigen Tagen bundesweit Empörung ausgelöst, weil Gäste zur Melodie des Partyhits "L’amour toujours" von Gigi D'Agostino "Ausländer raus" und "Deutschland den Deutschen" sangen. Die Staatsschutz-Abteilung der Polizei ermittelt. Mindestens zwei der Identifizierten verloren ihren Job. Ein Beteiligter hat sich mittlerweile entschuldigt.
Nach Sylt-Skandal: Rufen in Stuttgart Galatasaray-Fans "Ausländer raus"?
Am Montag ist auf der Plattform X (vormals Twitter) ein Video aufgetaucht. Auf diesem ist scheinbar zu sehen, wie Fans bei der Feier des türkischen Fußballmeisters Galatasaray Istanbul auf dem Stuttgarter Schlossplatz "Ausländer raus" rufen. Viele von ihnen haben vermutlich selbst türkische Wurzeln. Nach Informationen der "Stuttgarter Zeitung" prüft nun die Polizei, ob das Video echt oder eine Fälschung ist.
Im Netz kursiert zudem ein weiteres Video aus Nagold in Baden-Württemberg. Menschen in einem Partybus rufen darin "Deutschland den Deutschen, Ausländer raus", während sie an einer Haltestelle vorbeifahren, an der Menschen mit Migrationshintergrund stehen.
Skandal auf Sylt: Neben Video weitere Vorfälle mit Nazi-Parolen bekannt
In Niedersachsen sollen noch danach bei einer mehrtägigen Veranstaltung in Altendorf nördlich von Wolfsburg mehrere Personen rassistische Parolen zu dem Lied gesungen haben, wie die Polizei mitteilte. Der Staatsschutz ermittelt und sucht Zeugen des Vorfalls aus der Nacht zum Sonntag. Zuvor hatte die "Braunschweiger Zeitung" berichtet. Davor war bereits ein ähnlicher Vorfall auf dem Schützenfest in Löningen (Landkreis Cloppenburg) bekanntgeworden, der sich Pfingsten ereignet hatte.
Auf dem Partyumzug Schlagermove in Hamburg sollen am Samstagabend Feierende zu "L'Amour Toujours" rassistische Parolen gerufen haben, wie die Polizei am Montag mitteilte. Einige Teilnehmer sollen den Hitlergruß gezeigt haben. Das Landeskriminalamt für Staatsschutzdelikte hat die Ermittlungen übernommen.
In Sachsen-Anhalt ermitteln mehrere Polizeidienststellen. Wie das Polizeirevier im Burgenlandkreis am Montag mitteilte, soll beim traditionellen Fest Leißlinger Eierbetteln bei Weißenfels in einem Festzelt zu dem 20 Jahre alten Partyhit "Ausländer raus" und "Deutschland den Deutschen" gegrölt worden sein. Es liefen Ermittlungen wegen Volksverhetzung, teilte eine Polizeisprecherin mit. Weitere Vorfälle gab es nach Angaben der Polizei in Magdeburg und Halle.
Eliteinternat suspendiert Schüler nach rassistischen Parolen
Am renommierten Internat Louisenlund in Schleswig-Holstein sollen minderjährige Schülerinnen und Schüler am Donnerstag bei einer Feier zu der Melodie rassistische Parolen gesungen haben. Daraufhin hätten die Lehrkräfte die Feier abgebrochen und Schülerinnen und Schüler ins Bett geschickt, teilte das schleswig-holsteinische Bildungsministerium am Montag mit. Zudem habe das Ministerium eine Überprüfung durch die Schulaufsicht veranlasst. Mit einigen Schülerinnen und Schülern gab es laut dem Internatsleiter Peter Rösner weitere Gespräche. Diese hätten in einem Anflug großer "Dummheit" das auf Sylt entstandene Video nachahmen wollen. Die mögliche Tragweite sei ihnen nicht bewusst gewesen. Nach Angaben Rösners werden sie für eine Woche vom Schulbetrieb suspendiert.
Bereits in den vergangenen Monaten gab es in den Bundesländern immer wieder Vorfälle, bei denen zu dem Lied Neonazi-Parolen gerufen wurden. Am Freitagabend grölten zwei Besucher eines Festes in Erlangen rassistische Parolen zu der Musik. Bei einem Pfingstfest in der Oberpfalz sollen Besucher ebenfalls "Ausländer raus" gerufen haben, als das Lied gespielt wurde.
Mehrere Veranstalter haben bereits angekündigt, das Lied "L'amour toujours" zu verbieten, um Missbrauch zu verhindern. Der Betreiber der "Gartenlaube" in Heilbronn hat hingegen eine andere Ansicht zu der Thematik, wie er gegenüber der Heilbronner Stimme verriet.

Stimme.de