Nach Skandal-Video auf Sylt: Was Gartenlaube und Co. zu einem Song-Verbot sagen
Nach dem Video, auf dem Menschen in einem Sylter Club Nazi-Parolen zu der Melodie des Partyhits "L'amour toujours" grölen, diskutieren Veranstalter nun über ein Verbot des Songs – auch in der Region.

Weder in der Stuttgarter Fanzone zur Fußball-Europameisterschaft noch auf dem Cannstatter Volksfest im Herbst soll das Lied "L'amour toujours" für rechtsextreme Gesänge genutzt werden können. Bei beiden Veranstaltungen soll das Lied nicht gespielt werden, wie ein Sprecher der Veranstaltungsgesellschaft in.Stuttgart am Montag mitteilte. Das werde auch noch mit den Wasenwirten entsprechend abgestimmt.
Zuvor hatten die Veranstalter des Münchner Oktoberfests diesen Schritt angekündigt. Das 177. Cannstatter Volksfest findet von 27. September bis 13. Oktober auf dem Wasen statt. Es ist das zweitgrößte deutsche Volksfest nach dem "großen Bruder" in Bayern.
Vorfälle auf Sylt und in Nagold: Lied "L'amour toujours" wird für rassistische Parolen missbraucht
Das Lied "L'amour toujours" des italienischen DJ Gigi D'Agostino wird immer wieder für rassistische Parolen genutzt. Für große Empörung sorgte in den vergangenen Tagen ein Video, das Besucher einer Bar auf der Nordsee-Insel Sylt zeigt, die zu der Melodie "Ausländer raus" und "Deutschland den Deutschen" grölen. Der Staatsschutz ermittelt. Ein Beteiligter hat sich mittlerweile entschuldigt. Im Netz kursiert zudem ein weiteres Video, das in Nagold aufgenommen wurde. Darauf sind Menschen zu sehen, die "Deutschland den Deutschen, Ausländer raus" rufen. Währenddessen fahren sie mit einem Partybus an einer Haltestelle vorbei, an der Menschen mit Migrationshintergrund stehen.
Nach Skandal-Video von Sylt: Das sagt der Betreiber der "Gartenlaube" zu einem möglichen Verbot
Ziehen nun die Heilbronner Clubbetreiber nach und verbieten den Partyhit? "Nein, absolut nicht", sagt Matze Kern, Betreiber der "Gartenlaube" in Heilbronn. "Das Lied kann nichts dafür, das ist ein Liebeslied", erklärt Kern weiter. Das sagte auch Gigi D'Agostino selbst, der Interpret des Original-Liedes, gegenüber der Heilbronner Stimme.
Bei den rassistischen Parolen auf Sylt handle es sich um einen Missbrauch der Melodie, sagt Kern weiter. Mit einem Verbot würde man in einer solchen Situation nichts erreichen. "Dann nehmen die sich ein anderes Lied." Dass nun diverse Veranstalter verkündet haben, das Lied verbieten zu wollen, erinnert ihn an eine ähnliche Situation vor 20 Jahren. Damals wurde das Lied "Die perfekte Welle" von Juli nach der Tsunami-Katastrophe 2004 in Thailand nicht mehr im Radio gespielt.
Kern denke aber dennoch darüber nach, das Lied vorübergehend nicht mehr zu spielen, um keinen Nährboden für rechtsextreme Gesänge zu bieten. Ohnehin gehöre es nicht "zum Regelrepertoire", erklärt der Clubbetreiber. "Das ist schon fast ein Oldie." Er habe es auch vor dem Skandal-Video nur ab und an gespielt.
Stimme.de