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„Vielfalt leben. Jetzt erst recht!“
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Wirbel um CSD in Stuttgart – Terminüberschneidung mit Fußball-EM

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Die „Stuttgart PRIDE“ sorgt bereits weit vor Veranstaltungsdatum für (unfreiwillige) Schlagzeilen. Der Vorstand erklärt die aktuellen Entwicklungen.

Von Fabian Girschick
Auch 2024 findet in Stuttgart wieder eine CSD-Parade statt.
Auch 2024 findet in Stuttgart wieder eine CSD-Parade statt.  Foto: Christoph Schmidt/dpa

Während die „CSD“-Saison 2024 in einigen Ländern, darunter Indien, bereits begonnen hat, muss sich Deutschland noch ein wenig auf die großen Pride-Veranstaltungen gedulden. Denn typischerweise nehmen diese erst ab Juni so richtig Fahrt auf.

In Stuttgart ist es dieses Jahr am 27. und 28. Juli so weit – doch bereits jetzt sorgt die „Stuttgart PRIDE“ für jede Menge Schlagzeilen. Zum einen, weil vor kurzem das diesjährige Motto bekannt gegeben wurde, zum anderen, weil es aufgrund der Fußball-EM Terminüberschneidungen mit dem Jazz-Festival „jazzopen stuttgart“ gab.

Im Interview mit der Heilbronner Stimme spricht nun Detlef Raasch, ehrenamtlicher Vorstand des IG CSD Stuttgart e.V., über die aktuellen Geschehnisse – auch, was den Rechtsruck in ganz Deutschland angeht.

Das Motto der diesjährigen „Stuttgart PRIDE“ lautet „Vielfalt leben. Jetzt erst recht!“. Weshalb habt ihr euch genau für diesen Claim entschieden?

Detlef Raasch: Es ist uns wichtig, als Vertreter*innen verschiedener Gemeinschaften zusammenzukommen, um solidarisch Flagge zu zeigen, gegen Ausgrenzung und Diskriminierung. Die queere Community ist zwar vielfältig, doch nicht alle Mitglieder dieser Community erfahren die gleiche Akzeptanz und Unterstützung.

Vor allem queere Jüd*innen, Muslim*innen und Migrant*innen stoßen oft auf zusätzliche Herausforderungen. Für queere Rechte zu kämpfen, ist eine Gemeinschaftsaufgabe! Diese Aufgabe eint uns über Herkunft, Hautfarbe oder Religionen hinweg.

Wie sehr besorgt euch der „rechte Aufschwung“ in Deutschland hinsichtlich queerer Rechte?

Raasch: Wir sind sehr besorgt, was da gerade von rechts kommt, Beleidigungen auf der Straße und im Netz, aber auch die körperlichen Übergriffe, sind sehr besorgniserregend. Wir wollen keine Verhältnisse wie in Ungarn und so weiter, deswegen sagen wir: „Geht Wählen!“ Wir alle haben es in der Hand.

Inwiefern hängen für euch Queerness und Religiosität miteinander zusammen?

Raasch: Queerness gibt es überall. Sie ist nicht von der Religiosität zu trennen. In diesen politisch und gesellschaftlich unruhigen Zeiten sind wir stolz, mit einem so starken Bündnis für religiöse, queere und gesellschaftliche Vielfalt, ein wichtiges Zeichen setzen zu können. 

Im vergangenen Jahr hattet ihr mit Saskia Esken eine sehr bekannte Schirmherrin, dieses Jahr setzt ihr auf Vertreter*innen verschiedener (Glaubens-)Gemeinschaften. Hofft ihr auf zusätzlichen Support prominenter Allys?

Raasch: Ich denke, dass unsere Vertreter*innen dieser verschiedenen (Glaubens-)Gemeinschaften ein starkes Zeichen sind. Jede weitere Unterstützung, die es ehrlich meint, ist uns selbstverständlich willkommen.

Aktuell sorgen die Terminkollisionen mit der Fußball-EM und den „Jazz Open“ für große Schlagzeilen. Wie sehr ärgert euch das Versäumnis des Landes?

Raasch: Es ärgert uns sehr, da wir seit 23 Jahren immer das letzte Wochenende im Juli haben, und hätte ich nicht darauf hingewiesen, wer weiß, was dann passiert wäre. Wir hätten beinahe unseren CSD abgesagt.

Aber glücklicherweise gibt es seitens der Stadt drei Mitarbeiterinnen, die alles dafür tun, dass wir jetzt eine Lösung haben, auch wenn wir mit finanziellen Einbußen im fünfstelligen Bereich rechnen müssen. Wir sind in Gesprächen mit Land und Stadt, ob es Fördertöpfe gibt, um den Verlust aufzufangen. 

2023 konntet ihr einen Besucherrekord knacken – erwartet ihr dieses Jahr noch mehr Zuspruch?

Raasch: Es geht uns nicht um Besucherrekorde. Das haben wir 2023 gehabt. Es geht uns um die Sache, und wenn Menschen sich uns anschließen, ist das ein großer Erfolg, der wichtig ist. Was 2024 passiert, werden wir sehen und wir lassen uns gerne überraschen.

Was unterscheidet die „Stuttgart PRIDE“ von den vielen anderen Pride-Veranstaltungen in Deutschland?

Raasch: Ich glaube, dass wir schon immer sehr politisch waren und sind, nicht umsonst werden wir angefragt, zum Beispiel auf Demos gegen rechts zu sprechen oder bei anderen Veranstaltungen. Da wir auch über das ganze Jahr sichtbar sind in den unterschiedlichsten Gremien der Stadt, Politik und auch anderen wichtigen Veranstaltungen. Ebenso unterstützen wir die queere Szene aktiv in vielen unterschiedlichen Bereichen.

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