Kritik an Maskenpflicht im ÖPNV nimmt zu
Die Maskenpflicht in Bus und Bahn wird öfter missachtet, beobachten Fahrgäste in der Region Heilbronn. Verkehrsunternehmen sehen das anders und berichten von "hoher Disziplin".

Fahrgäste in Bahnen missachten immer häufiger die dort nach wie vor geltende Maskenpflicht. Diese Beobachtung machen viele Menschen, die den ÖPNV nutzen, sowie Lokführer. Die Deutsche Bahn, andere Verkehrsunternehmen und das baden-württembergische Verkehrsministerium sehen das anders - deren Sprecher verweisen auf eine weiter "hohe Maskendisziplin" der Fahrgäste.
Vehrkehrsclub Deutschland bezeichnet Aufhebung der Maskenpflicht als folgerichtig
Kritik an der noch immer bestehenden Maskenpflicht in Bus und Bahn kommt inzwischen von einigen Organisationen und Interessenvertretungen, unter anderem vom Verkehrsclub Deutschland. Der baden-württembergische Landesvorsitzende Matthias Lieb sagt: "Nachdem inzwischen die allgemeine Maskenpflicht in Geschäften abgeschafft wurde, würde eine Beibehaltung der Maskenpflicht in Bus und Bahn den Eindruck erwecken, dass nur in Bus und Bahn eine besondere Gefährdung bestehen würde." Deshalb sei es nur folgerichtig, die Maskenpflicht in Bus und Bahn aufzuheben.
Nach Angaben der Deutschen Bahn hält sich die große Mehrheit der Fahrgäste an die Maskenpflicht. "Unsere Mitarbeitenden in den Zügen und Bussen berichten nach wie vor von einer hohen Akzeptanz der Regelung", sagt ein Sprecher der Bahn. Würden die Fahrgäste angesprochen, seien sie fast ausnahmslos einsichtig und zögen die Maske an beziehungsweise richtig an. Beim Karlsruher Verkehrsverbund KVV, zu dem auch die Albtal-Verkehrs-Gesellschaft AVG gehört, stellt man eine "hohen Maskendisziplin" der Fahrgäste fest. Sprecher Nicolas Lutterbach sagt, mehr als 90 Prozent aller Fahrgäste hielten sich seiner Einschätzung nach noch immer an die Regelungen.
Ministerium: Zahl der Neuinfektionen weiterhin hoch
"Die Zahl der täglichen Neuinfektionen ist nach wie vor hoch", sagt Wenke Böhm, Sprecherin des Landesverkehrsministeriums. "In Bussen und Bahnen verbringen Menschen zum Teil längere Zeit auf engerem Raum." Die Maske sei generell eine sehr einfache Möglichkeit, sich effektiv vor Coronainfektionen zu schützen.
Vergangene Woche hatte Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) eine Aufhebung der Maskenpflicht im ÖPNV ins Gespräch gebracht. In der baden-württembergischen Landesregierung stieß das auf Ablehnung. Landesgesundheitsminister Manne Lucha (Grüne) sagte, der Vorstoß komme zu früh. Auch Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) meldete sich zu Wort. Es fehle der Spielraum, auf Masken im ÖPNV zu verzichten, schrieb er auf Twitter.
Volle Fußballstadien ohne Maskenpflicht - wieso dann in der Bahn?
Auch der Verband der Verkehrsunternehmen hatte zuletzt dafür geworben, die Maskenpflicht aufzuheben. "Wir erleben seit Monaten volle Fußballstadien, Konzerte und Veranstaltungen ohne Maskenpflicht", sagte Hauptgeschäftsführer Oliver Wolff der Nachrichtenagentur dpa. "Und auch in Restaurants, Einkaufszentren und Supermärkten sind immer mehr Menschen ohne Maske unterwegs." Daher gebe es aus Sicht der Bus- und Bahnunternehmen auch keinen Grund mehr, im ÖPNV oder im Fernverkehr an der Maskenpflicht festzuhalten.




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