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Maskenpflicht in der Bahn weicht zunehmend auf

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Viele Fahrgäste im ÖPNV tragen den Mundschutz unterm Kind oder am Handgelenk, manche auch gar nicht mehr. Gezielte Kontrollen finden nicht statt.

Einstieg nur mit Maske? Die Hinweisschilder an den Stadtbahnen sind kaum zu übersehen, dennoch missachten inzwischen viele Fahrgäste die Maskenpflicht.
Foto: Adrian Hoffmann
Einstieg nur mit Maske? Die Hinweisschilder an den Stadtbahnen sind kaum zu übersehen, dennoch missachten inzwischen viele Fahrgäste die Maskenpflicht. Foto: Adrian Hoffmann  Foto: Hoffmann, Adrian

In den Bahnen der Region sind nach Einschätzung vieler Fahrgäste immer häufiger Menschen zu sehen, die keine Mundschutzmasken mehr tragen. Manchen haben sie einfach ums Kinn gezogen, andere ums Handgelenk gemacht - manche vielleicht auch gar keine Maske dabei. Es gibt aber auch Pendler, die eine andere Beobachtung machen und weiterhin viele Bahnreisende erleben, die konsequent Maske tragen.

Akzeptanz der Maskenpflicht sinkt nach Angaben von Lokführern

"Tatsächlich ist es so, dass sich immer mehr nicht mehr an die Maskenpflicht halten", sagt AVG-Kunde Mike Baaske. "Ich persönlich halte das für verantwortungslos." Er spreche Maskenverweigerer in der Bahn regelmäßig an. Oft zögen sie ihre Maske tatsächlich auf, "widerwillig". Es gebe auch wütende Reaktionen, schildert der 48-jährige Bürokaufmann.

Er habe kürzlich einen Mann höflich gefragt, ob er nicht wisse, dass die Maskenpflicht im ÖPNV noch gelte. Der Mann habe daraufhin gemeint, er habe keine Maske. "Ich habe ihm dann eine originalverpackte Maske von mir angeboten", sagt Mike Baaske. "Er wurde laut, was mich das anging, ich solle mich um meinen Mist kümmern."

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Baaske informierte daraufhin das Personal. Bloß der Zugführer interessierte sich nicht dafür. "Ich bekam zur Antwort, dass er nur der Fahrer sei und keine Kontrollbehörde, er könne und wolle da nichts machen", so Baaske.

Die Akzeptanz der Maskenpflicht sinke aktuell stark, sagt auch ein Lokführer unserer Redaktion. Er möchte namentlich nicht genannt werden. "Ich selbst fühle mich, was die Maskenpflicht angeht, in vielen Situationen machtlos", sagt der Lokführer. Sobald er wieder in der Fahrerkabine sei, würden zuvor von ihm angesprochene Menschen ihre Maske wieder absetzen. Ein anderer Zugführer schildert, die Fahrgäste akzeptierten inzwischen unterschiedliche Haltungen und daher auch, wenn Fahrgäste keine Maske trügen. Das führe heute kaum noch zu Streit.


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Pflicht wurde in Baden-Württemberg aktuell bis Ende Juni verlängert

Ein Mann, der regelmäßig mit der Stadtbahn von Weinsberg nach Heilbronn fährt, berichtet: "Ich saß letzte Woche in der Bahn und von zehn Fahrgästen trugen drei eine Maske." Er habe sich gefragt, ob er etwas verpasst habe.

Hat er allerdings nicht: In Deutschland ist die bundesweite Maskenpflicht in Flugzeugen und Fernzügen im Infektionsschutzgesetz festgelegt. Im Nahverkehr mit Bussen und Bahnen gilt ebenfalls Maskenpflicht, die hier jeweils von den Ländern angeordnet wird. Eine Verlängerung der Regelung im ÖPNV bis zum 28. Juni wurde im Land erst am Dienstag in einer Kabinettssitzung beschlossen.

Die Regeln dürften jedem Fahrgast weiterhin klar sein. An Bahnsteigen und Fahrzeugtüren sind Aufkleber angebracht, die auf die Maskenpflicht hinweisen. In den Bahnen sind Durchsagen zu hören. "Bitte beachten Sie die Maskenpflicht gemäß Corona-Landesverordnung", heißt es.


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Bahnkunden-Verband beklagt schlechte Kommunikation

Frank Böhnke vom Bahnkunden-Verband kritisiert, dass die Kommunikation der Politik grottenschlecht sei und Erklärungen seitens der Verantwortlichen, warum in der Bahn weiterhin eine Maskenpflicht besteht, ausblieben. So sei nicht erklärt worden, warum in einem Fußballstadion zwei Stunden lang auf engstem Raum grölende Menschen ohne Maske nebeneinander stehen dürfen, aber eine FFP2-Maske auf einem gut durchlüfteten Bahnsteig erforderlich sein soll. "Offenbar war hier zum Beispiel die Fußball-Wirtschaftslobby effektiver", klagt Böhnke. Das könne man den Menschen schlecht vermitteln.

Der Verband vertritt die Haltung, dass die Verpflichtung zum Maskentragen nur auf Bereiche und Situationen beschränkt bleiben könne, für die es einen wissenschaftlich bekannten Nutzen gibt. In Bahnen, in denen wenige Fahrgäste weit voneinander entfernt sitzen, sei eine Maskenpflicht zum Beispiel nicht nötig.

Fahrgäste stellen Sinnhaftigkeit infrage

Auch Fahrgast Mike Föse aus Heilbronn stellt fest, dass immer mehr Leute ohne Maske mit der Bahn fahren. "Teilweise ganz bewusst", ist sein Eindruck. "Um Konflikten aus dem Weg zu gehen, spreche ich das nicht an." Er trage seine Maske, um bei einer eventuellen Kontrolle keine Probleme zu bekommen, sagt der 32-jährige Logistik-Mitarbeiter. Überzeugt von der Sinnhaftigkeit der Maskenpflicht ist er aktuell allerdings nicht. "Wirklich Bock, das Ding nach all den Lockerungen immer noch aufsetzen zu müssen, hat sicherlich niemand." Es sei zudem widersprüchlich, am Wochenende ohne Maske im Club zu feiern und montags für den Arbeitsweg wieder die Maske zu brauchen. Nahezu alle Geschäfte seien ja mittlerweile ohne Maske zu betreten.

Thomas Auerbach macht in der Frankenbahn die Erfahrung, dass noch die meisten Fahrgäste eine Maske tragen. Der 23-jährige Lehramt-Student pendelt drei Mal die Woche von Neckarsulm nach Ludwigsburg. "Selten ist jemand ohne Maske zu sehen", sagt er. In den späten S-Bahnen, wenn kaum noch Leute in der Bahn sind, werde die Maskenpflicht eher zur Empfehlung.

Dieser Artikel wird in unserem Nachrichten-Podcast MorgenSTIMME erwähnt - für weitere Nachrichten aus der Region, Deutschland und der Welt, können Sie hier den ganzen Podcast anhören.

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