Gewalttaten gegen Kinder nehmen innerhalb von Familien zu
Nach Angaben des Innenministerium wurden 2019 in Baden-Württemberg insgesamt 1555 Kinder unter 14 Jahren Opfer von Gewalt innerhalb von Familien. Dies ist der höchste Wert der vergangenen fünf Jahre. Die Zahlen für 2020 sind rückläufig.

In Baden-Württemberg hat die Gewalt in Familien gegen Kinder unter 14 Jahre in den vergangenen Jahren stetig zugenommen. In den ersten drei Quartalen 2020 zeichnet sich jedoch ein Rückgang ab. Die Zahlen stammen aus einem Schreiben des Stuttgarter Innenministeriums, das der Heilbronner Stimme vorliegt.
So waren 2019 insgesamt 1555 Kinder in einem Alter von bis zu 14 Jahren Opfern von Gewalt in der Familie. Als Täter kommen hier nicht nur die Eltern in Frage, sondern auch andere Familienmitglieder wie Großeltern, Onkel und Tanten oder auch Geschwister. Damit hat die Zahl der Opfer 2019 im Vergleich zu 2018 um knapp 30 Prozent zugenommen, als es noch 1212 Fälle waren. 2017 war die Zahl mit 1380 Opfern zwar ebenfalls hoch, 2016 (1124) und 2015 (1143) lag sie jedoch deutlich unter dem Wert von 2019.
Zahl der Verletzten entsprechend gestiegen
Entsprechend zu dieser Entwicklung ist auch die Zahl der durch innerfamiliäre Gewalttaten verletzter Kinder von 2018 auf 2019 von 517 auf 664 angestiegen. 2017 lag der Wert entsprechend der Zahl der Taten mit 615 verletzten Kindern ähnlich hoch wie 2019. 2016 (504) und 2015 (481) waren es weniger Fälle. Bei den Zahlen zu berücksichtigen ist, dass Personen mehrfach erfasst sein können, wurden sie mehrmals Opfer von Straftaten.
Körperverletzungsdelikte kommen am häufigsten vor. Sie machten alleine 2019 mit 1025 Delikten mehr als 60 Prozent aller Fälle aus. Aber auch beim sexuellen Missbrauch von Kindern durch Familienangehörige ist im Südwesten die Zahl von 230 Fällen 2018 auf 337 im Jahr 2019 angestiegen.
Baden-Württembergs Innenminister Thomas Strobl (CDU) geht davon aus, dass Fälle von häuslicher Gewalt inzwischen häufiger angezeigt werden und so ans Tageslicht kommen. „Wenn die Fallzahlen in den vergangenen Jahren gestiegen sind, kann das auch darauf zurückzuführen sein, dass wir die Menschen in den letzten Jahren erfolgreich für das Thema der häuslichen Gewalt sensibilisiert haben", erklärt Strobl auf Nachfrage.
Bislang Rückgang im Jahr 2020
Für 2020 sind nach Angaben des Innenministeriums lediglich Trendaussagen möglich. Obwohl wegen der Corona-Pandemie die Kinder deutlich mehr zu Hause gewesen sein dürften - unter anderem wegen der Schulschließungen in der Phase des ersten Lockdowns im Frühjahr -, hat dies nicht zu einem weiteren Anstieg der Gewaltfälle geführt. Von Januar bis Oktober 2020 zeichne sich im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ein Rückgang der Opfer im Kindesalter ab, so das Ministerium.
FDP-Rechtsexperte Nico Weinmann befürchtet, dass insgesamt nur ein Teil aller Vergehen erfasst worden ist. "Die Dunkelziffer ist sicherlich noch um einiges höher", erklärt Weinmann auf Anfrage. Die Gewalt gegen Kinder durch Familienangehörige steige seit Jahren stetig an. Weinmann: "Dieser Trend ist besorgniserregend."



Stimme.de