Linken-Politikerin Akbulut von VfB-Fans attackiert: Zeugen werfen Zweifel an Schilderung auf
Die Abgeordnete Gökay Akbulut hatte im Netz für Aufregung gesorgt. Sie postet ein Bild von sich mit Verletzung und schreibt, sie sei von VfB-Fans attackiert worden. Nun kommen Zweifel an ihrer Darstellung auf.
Fußball-Fans des VfB Stuttgart sollen sie auf einer Zugfahrt sexuell belästigt, rassistisch beleidigt und ihr eine Bierflasche an den Kopf geworfen haben. Die Vorwürfe der Linken-Abgeordneten Gökay Akbulut wiegen schwer. Auf der Plattform Instagram hatte sie ein Foto hochgeladen, das sie nach der Attacke zeigt. Darunter schildert sie, was ihren Angaben nach auf der Zugfahrt von Heidelberg nach Stuttgart passiert sein soll.
Aber was ist wirklich vorgefallen? Mit einem Bericht der „Stuttgarter Zeitung“ kommen Zweifel an Akbuluts Darstellung auf. Zeugen, die während des Vorfalls mit im Zug saßen, erzählen zum Teil eine andere Geschichte.
Von VfB Fans und Rechtsextremen angegriffen: Das sagt Gökay Akbulut
Die Bundestagsabgeordnete schildert, dass sie sich durch einen überfüllten Intercity zwängte, der voller männlicher Fußballfans gewesen sei. „Dabei wurde ich wiederholt sexuell belästigt und rassistisch beleidigt“, schreibt sie in ihrem Instagram-Post.
Eine Gruppe Männer habe ständig AfD-Parolen gegrölt. Als die Gruppe lauter geworden sei, habe sie begonnen, die Männer zu fotografieren. Einer hätte ihr daraufhin eine Bierflasche an den Kopf geworfen. Angekommen am Stuttgarter Hautbahnhof habe sie nach der Polizei gerufen und sei anschließend im Krankenhaus behandelt worden.
Auseinandersetzung im Zug nach Stuttgart: Das berichten Zeugen
Die „Stuttgarter Zeitung“ schreibt, Reporter ihrer Zeitung hätten mit zahlreichen Zeugen des Vorfalls gesprochen. Demnach habe eine Frau Mitte vierzig, die selbst Migrationshintergrund hat, im Erste-Klasse-Waggon in unmittelbarer Nähe der Abgeordneten gesessen. Sie beschreibt eine „laute, aber friedliche, trotz der Niederlage entspannte Atmosphäre“ unter den Fußball-Fans. Akbulut hingegen habe verärgert gewirkt. Mehrfach sei sie in das Abteil der Zweiten Klasse gegangen.
Weitere Zeugen hätten Akbuluts Verhalten als „fast schon aggressiv und provozierend“ beschrieben. Auf manche Mitreisende soll Akbulut alkoholisiert gewirkt haben. Zudem soll sie eine kleine Rotweinflasche dabei gehabt haben.
Die Politikerin soll Zeugen zufolge die VfB-Fans zuerst beleidigt haben. Aus ihrem Mund seien Begriffe wie „Drecksnazis“ und „Faschos“ gefallen. Daraufhin hätten die Fans verbal zurückgeschlagen. Die Männer sollen Akbulut als „Schlampe“ bezeichnet haben. Sie gehöre mal „anständig durchgevögelt“. Auch „Ausländer raus“-Rufe sollen gefallen sein. Von angeblichen AfD-Parolen, die gegrölt worden seien, berichtete hingegen keiner der Zeugen, heißt es in dem Bericht.
Bierflasche auf Akbulut geworfen – Zeugen erzählen andere Geschichte
Die Zeugenaussagen rücken auch Akbuluts Schilderungen vom Bierflaschen-Wurf in ein anderes Licht. Zeugen wollen eine Wurfbewegung mit dem rechten Arm in Akbuluts Abteil wahrgenommen haben. Zwei Reisende berichten, die Politikern selbst habe ihre leere Rotweinflasche nach den Männern geworfen. Diese hätten einen Gegenstand zurückgeworfen, womöglich einen Plastikbecher oder eine Bierdose.
Zu dem Vorfall ermittelt die Polizei gemeinsam mit der Staatsanwaltschaft Stuttgart. Diese wollen die widersprüchlichen Aussagen prüfen. Gökay Akbulut selbst bleibt bei ihrer Darstellung des Vorfalls. "Ich wurde bei der Zugfahrt angegriffen und verletzt, niemand bestreitet das", teilte die Politikerin der Deutschen Presse-Agentur mit. Sie habe deshalb auch Anzeige erstattet. Konkrete Fragen zu ihrem Verhalten auf der Zugfahrt beantwortete nicht. "Was ich erlebt habe, habe ich bereits ausführlich geschildert. Nun gilt es, die Ermittlungen der Behörden abzuwarten", teilte die Abgeordnete mit.
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