Millionenersparnis durch Biber bei Renaturierung von Gewässern

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Eine Studie zeigt, dass Biber Gewässer günstiger renaturieren als Menschen. Umweltverbände haben zugleich eine Petition gegen die Biber-Verordnung gestartet – mit großer Resonanz.


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Auftrieb für den Biber: Zwei Monate, nachdem die Landesregierung das Töten der geschützten Auen-Bewohner erleichtert hat, bescheinigt eine Studie ihnen potenzielle Millioneneinsparungen bei der Renaturierung von Gewässern.

Zum Welttag des Bibers am 7. April will  der auftraggebende Nabu Baden-Württemberg den pelzigen Flussarbeiter zum „Mitarbeiter des Jahrhunderts“ küren. 

Biber als natürliche Gewässerbauer: Studie zeigt enormes Sparpotenzial bei Renaturierung

Der größte Nager Europas schwimmt derzeit ohnehin auf einer Welle öffentlicher Unterstützung. Bei einerLandtagspetition gegen die Verordnung der Landesregierung gab es laut Nabu und BUND in diesem Monat mit 14.348 Unterschriften das höchste Ergebnis seit Errichtung des neuen Online-Portals beim Landtag.

Biber haben im Naturschutzgebiet Köpfertal in Heilbronn einen Staudamm gebaut. Das Foto stammt von Dezember 2025.
Biber haben im Naturschutzgebiet Köpfertal in Heilbronn einen Staudamm gebaut. Das Foto stammt von Dezember 2025.  Foto: Linda Möllers

Das klingt nach Dammbruch, auch wenn zur Wahrheit gehört, dass man dort erst seit vergangenem Sommer elektronisch mitzeichnen kann. In jedem Fall muss sich nun der Petitionsausschuss mit dem Thema befassen. 14.300 Unterschriften sind deutlich mehr Holz als die erforderlichen 10.000. 

Studie vergleicht Kosten: Biber-Renaturierung gegen technische Gewässerplanung im Detail

In der aktuellen Studie wurde untersucht, was die Renaturierung eines naturfernen Gewässers durch Biber im Vergleich mit einer planerisch-technischen Umsetzung durch Menschen kostet. Das beauftragte Landschaftsarchitekturbüro wählte dazu einen Abschnitt des Bampfen bei Baindt im Kreis Ravensburg, der im Zuge eines Straßenbaus künstlich angelegt wurde. Seit 2017 gilt er als von Bibern besiedelt. Die 34-seitige Untersuchung liegt unserer Redaktion vor. 

Die Forscher kommen zu dem Ergebnis, dass ein besetztes Biberrevier unter anderem Wasserrückhalt, Grundwasser, Lebensraum- und Artenvielfalt „mit vergleichsweise geringem finanziellem Aufwand“ fördert und damit „einen deutlichen wirtschaftlichen Mehrwert gegenüber einer planerisch-technischen Herstellung funktionsgleicher Strukturen erzeugen kann“. 

Kostenvergleich zeigt: Technische Eingriffe deutlich teurer als natürliche Biberarbeit

Wo Menschen zur Tat schreiten, fallen demnach schon für Vermessung, Baustelleneinrichtung, Erd- und Wasserbau, Dammbauwerke, Strukturierung und Pflege Einmalkosten von 108.897,28 Euro an, zuzüglich jährlicher Folgekosten von 5.594,80 Euro. Demgegenüber rechnen die Forscher bei Bibern für das Management der Tiere, einzelne Sicherheitsmaßnahmen und Monitoring lediglich mit jährlich 3.700 Euro. Die Vorbeugung von Konflikten mit Menschen ist in dieser Summe bereits enthalten.   

Mehr als 100.000 Euro an einem kurzen Bachabschnitt gespart: Die Größenordnung lässt erahnen, welche Potenziale landesweit schlummern. Die Wissenschaftler verweisen auf Einsparungen von 1,2 Millionen Euro bei der Renaturierung eines Bachlaufs in Tschechien und auf eine unveröffentlichte Bachelorarbeit aus dem vergangenen Jahr. Ihr zufolge erstaut der fellige Wasserbaumeister in Hessen pro Jahr einen Gewinn von 2,6 Millionen Euro.


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Petition gegen Biberverordnung ist erfolgreich – über 14.300 Unterstützer


„Bei der vollständigen Nutzung der potenziellen Tragfähigkeit aller hessischen Gewässer wurde sogar ein möglicher Gewinn von 24,1 Millionen Euro berechnet.“ Die Autoren schließen ihre Untersuchung mit einem klaren Bekenntnis: „Für eine effizientere und nachhaltigere Umsetzung von Gewässerrenaturierungen ist es daher erforderlich, weniger Bürokratie und mehr Biber zu wagen.“

Neue Biber-Verordnung in Baden-Württemberg soll Konflikte entschärfen und sorgt für Kritik

Die grün-schwarze Landesregierung hat Ende Januar eine neue Biber-Verordnung erlassen, um Konflikte mit dem wachsenden Bestand zu entschärfen. Aktuell wird er auf 12.400 Tiere in Baden-Württemberg geschätzt. Biber sind streng geschützt. Beschwerden gibt es unter anderem wegen Problemen an Trinkwasserbrunnen und Kläranlagen, Unfällen durch Überflutung, Schäden an Verkehrsanlagen und nicht zuletzt in der Landwirtschaft. Wenn es keine zumutbaren Alternativen gibt, sollen Biber nun unbürokratisch von Fachleuten vergrämt und als letztes Mittel auch getötet werden dürfen. 

Die Umweltverbänden Nabu und BUND sehen in der Verordnung einen Rückschritt, der das funktionierende Biber-Management des Landes gefährde und rechtliche Unsicherheit schaffe. Die erfolgreiche Unterschriftensammlung für den Petitionsausschuss zielt auf eine Rücknahme der Verordnung. „Die Menschen wollen einen starken Biber-Schutz“, hat Nabu-Landeschef Johannes Enssle dazu erklärt. „Das belegt auch die repräsentative forsa-Umfrage in unserem Auftrag, in der 76 Prozent der Befragten die Rückkehr der Biber nach Baden-Württemberg begrüßen. Sie sind damit deutlich weiter als Teile der Politik.“ 

Politische Zukunft der Biber-Regelung bleibt offen

Auch Umweltministerin Thekla Walker (Grüne) hat die neue Verordnung allerdings mitgetragen, das nagt offenbar an den Umweltverbänden. Der Petitionsausschuss kann sich erst nach Konstituierung des nächsten Landtags in das Thema eingraben. Zudem handelt es sich bei der Verordnung bereits um einen von Grün-Schwarz mühsam errungenen Kompromiss, da machen Abgeordnete sich erfahrungsgemäß ungern den Pelz nass.

Ob die Petenten mit ihrem Anliegen auf einen grünen Zweig kommen oder sich am Ende doch die Zähne ausbeißen, ist also offen. Für den Biber bleiben die Dinge vorerst: im Fluss.

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