Nachdem die Biber-Petition das erforderliche Quorum von 10 000 Stimmen überschritten hat, muss sich der Petitionsausschuss des Landtags mit dem Thema befassen. Aufgrund der Landtagswahl dürfte sich dies jedoch verzögern. Nach vorläufigem Plan sind die konstituierenden Sitzungen der Ausschüsse für Ende Juni vorgesehen. Die Naturschutzverbände BUND und Nabu appellieren an die künftige Landesregierung, das Thema mit hoher Priorität zu behandeln.
Petition gegen Biberverordnung ist erfolgreich – über 14.300 Unterstützer
Die neue Biberverordnung soll das Vergrämen und Töten von Bibern im Land erleichtern, sofern keine Maßnahmen mehr helfen. Naturschutzverbände und Biberberatende sind alarmiert. Jetzt soll eine Landtags-Petition helfen.
Nur noch spitze Holzstümpfe sind von den beiden Bäumen im Heilbronner Naturschutzgebiet „Altneckar Horkheim“ übrig geblieben – dort, wo der Radweg nach der Sontheimer Brücke am Neckar Richtung Segelflugplatz verläuft. Daneben liegen die angenagten Baumstämme – ein unverkennbares Zeichen für Biberfraß.
Lange war das Tier ausgerottet, seit Anfang der 2000er Jahre konnte es sich auch wieder in der Region Heilbronn ansiedeln.Für den Stadtkreis geht die Naturschutzbehörde aktuell von vier gesicherten Biberrevieren aus. Auch im Landkreis gibt es zahlreiche aktive Biberreviere, teilt das Landratsamt auf Nachfrage mit.
Biber in Heilbronn zurück: Wo das Tier auftaucht, boomt die Artenvielfalt
Der Biber gehört zum Ökosystem dazu, gerade an Gewässerrandstreifen. Das arttypische Nagen, aber auch der Bau von Dämmen, erklärt Wolf-Dieter Riexinger von der Abteilung Umwelt und Arbeitsschutz im Heilbronner Rathaus, sei zu begrüßen und keinesfalls als Schaden zu sehen: Dadurch erhöhe sich die Strukturvielfalt an den Gewässern, was wiederum die Biodiversität steigere und Lebensräume für bedrohte Arten schaffe.

„Der Biber boostet die Biodiversität“, sagt auch Andrea Hohlweck, Regionalgeschäftsführerin des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) Heilbronn-Franken. Doch nicht immer funktioniert die Nachbarschaft zwischen Nager und Mensch problemlos. Es kann zu Konflikten kommen – vor allem in der Land- und Forstwirtschaft oder bei Grundstückseigentümern.
Biberschäden in Heilbronn laut Stadt „überschaubar und untergeordnet“
In der Stadt Heilbronn seien die Fälle, in denen es zu Schäden durch Biber komme, überschaubar und von untergeordneter Bedeutung, betont Wolf-Dieter Riexinger: Durch die Tiere gebe es beispielsweise Überstauungen landwirtschaftlicher Flächen, Feldfrüchte wie Zuckerrüben und Mais würden angefressen. In solchen Fällen werden ehrenamtliche Biberberater hinzugezogen. Entschädigungszahlungen für Betroffene sind im Land derzeit nicht vorgesehen, Präventivmaßnahmen gegen Biberschäden werden aber unterstützt; so stellt das Landratsamt Verbissschutzmatten kostenlos zur Verfügung.
Nun hat der Landtag Anfang des Jahres eine neue Biberverordnung für Baden-Württemberg verabschiedet. Dadurch soll das Vergrämen und Töten der Tiere erleichtert werden, sofern andere Maßnahmen zur Konfliktlösung nicht greifen. Früher waren dafür Ausnahmeregelungen notwendig.
Biberberaterin für Hohenlohekreis: Management funktioniert bereits
Die Verordnung wird von politischer Seite als Stärkung des Biberschutzmanagements interpretiert, Naturschützer und Biberberater sehen jedoch das Gegenteil: Die Regelung verursache eher zusätzliche Bürokratie. Zudem gebe es aus ihrer Sicht keinen Anlass für eine Verschärfung, da das etablierte Bibermanagement im Land sehr gut funktioniere. „Wir können die Fälle so entschärfen, dass man mit dem Biber gut leben kann“, sagt Petra Kuch. Sie berät seit über zehn Jahren ehrenamtlich Kommunen im Hohenlohekreis zu Bibern und betreute zu Hochzeiten rund 100 Reviere.
In keinem Fall habe ein Tier entfernt werden müssen. „Die Verordnung ist nicht praktikabel.“ Ein großes Manko der Verordnung sei zudem, dass die Biberberater nicht hinzugezogen wurden und ihre Arbeit untergraben werde, so Kuch. Seit Inkrafttreten der Verordnung beobachte sie auch zunehmend Eingriffe in den Revieren. „Die Hemmschwelle gegenüber dem Biber ist gesunken. Die Menschen haben verlernt, mit dem Wildtier zu leben“, sagt die Biberberaterin.
Naturschutzverbände: Petition ist „erfolgreichste Landtagspetition in Baden-Württemberg“
Die Naturschutzverbände haben deshalb auf Landesebene die Petition „Stoppt das geplante Biber-Töten“ gestartet. Das vereinfachte Töten von Bibern stelle kein nachhaltiges Konfliktmanagement dar. Stattdessen fordere man von der Politik unter anderem, naturnahe Gewässer und Auenlandschaften zu stärken sowie das Bibermanagement personell und finanziell besser auszustatten. In sechs Wochen hat die Petition mehr als 14.300 Unterstützer gefunden und damit das nötige Quorum erreicht, damit sich der Landtag mit dem Anliegen befasst. Nach Angaben der Naturschutzverbände handelt es sich dabei um die erfolgreichste Landtagspetition in Baden-Württemberg.
Petra Kuch kennt Berater, die infolge der Verordnung ihre Tätigkeit aus Resignation aufgegeben haben. Für sie selbst sei dies jedoch ein Ansporn, sich in dem eigens gegründeten Netzwerk Biber für die Tiere einzusetzen – und für eine friedlich Koexistenz mit dem Menschen.

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