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Fehltage in Baden-Württemberg
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Sind Arbeitnehmer zu oft krank? „Misstrauen ist ein Gesundheitsrisiko“

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Eine Auswertung der Versicherung DAK zeigt einen bundesweit leicht rückläufigen Krankenstand – in Baden-Württemberg werden die wenigsten Fehltage registriert. Sind’s trotzdem zu viele?


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Weniger Lohnfortzahlung, Karenztage und das Ende der telefonischen Krankschreibung. In den vergangenen Wochen wurden immer wieder Forderungen laut, die Regelungen für kranke Arbeitnehmer zu verschärfen.

Eine Analyse der DAK-Gesundheit, die die Krankheitstage für das Jahr 2024 untersucht hat, kommt zu dem Schluss, dass der Krankenstand in Deutschland nicht gestiegen ist. Für die Analyse wurden die Krankmeldungen von 2,4 Millionen DAK-Versicherten durch das Berliner IGES-Institut untersucht.

Krankenstand in Deutschland: Niedrigste Quote in Baden-Württemberg

Demnach lag der Krankenstand 2024 bei 5,4 Prozent, 2023 lag er bei 5,5 Prozent. Fehltage aufgrund von Atemwegsbeschwerden gingen um acht Prozent zurück. Zugenommen haben dagegen die Fehltage aufgrund psychischer Erkrankungen, um 5,7 Prozent. Die Untersuchung kommt auf durchschnittlich 19,7 Fehltage pro Arbeitnehmer, ein Rückgang von 2,3 Prozent im Vergleich zu 2023. 

Mit 6,3 Prozent sind die Fehltage im Gesundheitswesen, in der Lagerei und in Kurierdiensten überdurchschnittlich hoch. Experten weisen darauf hin, dass in Branchen mit starkem Fachkräftemangel auch die Arbeitsbelastung erheblich zunimmt. Das könne dazu führen, dass Arbeitnehmer aufgrund der hohen Belastungen häufiger krank seien. 

In Baden-Württemberg sind die Krankenstände so niedrig wie in keinem anderen Bundesland, bei durchschnittlich 4,7 Prozent. Auch im Land gingen die Atemwegserkrankungen zurück, Fehltage aufgrund psychischer Erkrankungen um 6,3 Prozent zu.

Arbeitnehmer in Baden-Württemberg seltener krank: Diskussion um Fehltage

Der DAK-Vorstandschef erklärte, dass es ein positives Signal sei, wenn die Krankenstände nicht steigen würden. Europäische Vergleiche seien aufgrund unterschiedlicher Datenerfassungen und Regelungen im Krankheitsfall schwierig.

Allerdings hat die OECD eine repräsentative Befragung in allen europäischen Ländern durchgeführt, um zu untersuchen wieviel Arbeitszeit pro Woche tatsächlich durch Krankheit verloren geht. Hier liegt Deutschland mit 6,8 Prozent im oberen Mittelfeld, knapp dahinter liegen Belgien und Schweden. 

„Ich hoffe, dass die aktuellen IGES-Analysen über die Auswirkungen des elektronischen Meldesystems und die methodischen Probleme im europäischen Vergleich die Diskussion über den Krankenstand in Deutschland versachlichen“, betont DAK-Vorstandschef Storm. „Misstrauen ist ein Zeichen negativer Wertschätzung und als solches ein Gesundheitsrisiko“, sagt der Vorstandschef.

Verschiedene Studien untersuchen Krankentage von Arbeitnehmern

Studien verschiedener Krankenkassen haben zuletzt zwar wiederholt deutlich gemacht, dass deutsche Arbeitnehmer häufiger krank sind als früher - die Gründe dafür sind aber vielfältig, wie die Hans-Böckler-Stiftung feststellt.

Auch das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung in Mannheim macht deutlich, dass unter anderem ein verändertes Verhalten von Arbeitnehmern nach der Corona-Pandemieeine Rolle spiele. 

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