Strom von der Wiese: R. Stahl wird grün
Der Druck wächst: Geschäfte mit Öl- und Gasbranche werden zum Minuspunkt bei Finanzierungen. Eine rentable Investition in eine Freiflächen-PV-Anlage macht die Produktion mit einem Schlag klimaneutral.

Der Explosionsschutzspezialist R. Stahl wird künftig den Großteil seines Strombedarfs in Waldenburg über eine eigene Photovoltaik-Anlage decken. Damit wird das Unternehmen klimaneutral in der eigenen Produktion. Es lohnt sich doppelt, weil die Einsparungen immens sind und damit auch die künftige Finanzierung leichter wird. Ende nächsten Jahres soll sie stehen.
Nach sechs Jahren ist die Investition wieder drin
Erweiterungsmöglichkeiten verbaue sich R. Stahl mit der Freiflächenanlage auf dem Gelände gleich neben der Zentrale in Waldenburg nicht, betont Vorstandschef Mathias Hallmann. "Wenn wir auf der Fläche erweitern, dann werden die Module abgebaut und anschließend auf dem Dach montiert."
Bis das Unternehmen die Fläche aber benötigen könnte, wird sich die Anlage schon amortisiert haben. "Das rechnet sich nach sechs Jahren", sagt Philipp Öhler, der das Projekt als Leiter des Finanzbereichs verantwortet. Denn schon ab dem ersten Jahr werden Einsparungen im mittleren sechsstelligen Bereich realisiert.
Stromtankstellen sollen den Eigenverbrauch erhöhen
Mit sechs Megawatt Spitzenleistung werden bis zu sieben Gigawattstunden Strom im Jahr erzeugt. Dafür investiert R. Stahl 2,8 Millionen Euro. Bei 3,4 Gigawatt liegt der Verbrauch von R. Stahl in Waldenburg, mehr als 80 Prozent davon werden künftig mit dem grünem Strom gedeckt. Zudem sind auf dem Gelände Stromtankstellen geplant, wo auch Mitarbeiter und andere Personen ihre Fahrzeuge laden können.
Bald schon könnte der grüne Wasserstoff dazukommen
Weil vor allem im Sommer viel Strom übrig sein dürfte, der dann für nur vier Cent pro Kilowattstunde ins Netzt eingespeist wird, könnte sich R. Stahl bereits bald schon als Pionier bei der Erzeugung von grünem Wasserstoff hervortun. "Wir sind auf den Explosionsschutz spezialisiert und damit bietet sich das doch an", sagt Hallmann. In Tanks würde der Wasserstoff gespeichert, an sonnenarmen Tagen dann rückverstromt werden.
Das alles sei kein "Greenwashing", sagt Hallmann, sondern realer Klimaschutz, der sich auch finanziell lohnt. Er hält aber auch nicht hinterm Berg, dass Banken und andere Finanzierer heute ein großes Interesse auch am klimabezogenen Image einer Firma haben. Und um das steht es bisher nicht allzu gut. R. Stahl stellt vor allem Produkte her, die auf Bohrinseln oder in Chemieanlagen zum Einsatz kommen.
Auch wenn zuletzt häufiger grüne Projekte dabei sind - "wir sind bei Öl und Gas verortet", sagt Hallmann. Deshalb stellen Geldgeber zunehmend unangenehme Fragen, weil sie sich bei Nachhaltigkeitsrisiken (ESG-Risks) absichern müssen. Selbst der norwegische Staatsfonds, dessen Reichtum auf der Ölförderung basiert, investiere nur noch in klimaneutrale Anlagen - "auch wenn darin eine gewisse Ironie liegt", wie Hallmann ergänzt.
Regionale Partner bei der Finanzierung
Das Geld kommt aber nicht aus Skandinavien, sondern aus der Region. Die Würth Leasing aus Albershausen geht mit dieser grünen Finanzierung ebenfalls neue Wege und ermöglicht R. Stahl einen positiven Cash Flow schon ab dem ersten Jahr, wie Öhler betont.
Keine Photovoltaik kommt übrigens auf die Bestandsgebäude. Die Dachtraglast reicht nicht für eine Montage aus. Mittelfristig könnte der Parkplatz genutzt werden. Dort müssten die PV-Module allerdings aufgeständert werden.
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