Schimmel-Ware in der Theke, Essbares im Müll: Lebensmittelkonzerne müssen umdenken
Eine Recherche von Stern und Wallraff bei Kaufland deckt auf, dass verdorbene Ware an der Frischetheke weiter verkauft wird. Das ist zwar eklig, doch das Problem liegt ganz woanders, meint unsere Autorin.
Bei einer Recherche von Stern und Team Wallraff werden massive Hygienemängel bei Kaufland aufgedeckt. Unter anderem steht die Frischetheke des Lebensmittel-Riesen im Fokus: Die Auslage ist bis zum Rand voll mit Wurst und Käse, Mitarbeiter schneiden schimmlige Stellen einfach weg, kontaminierte Produkte werden weiter verkauft, wie am Donnerstagabend im TV zu sehen war.
Das ist nicht nur „ekelhaft“, wie eine Mitarbeiterin kommentiert, sondern unnötig. Statt Lebensmittelverschwendung zu verhindern, wird bis zuletzt auf Profit gesetzt. Das ist kein alleiniges Kaufland-Problem. Ein Umdenken ist längst überfällig.
Supermärkte und Discounter setzen bis zuletzt auf Profit
Die Lebensmittelriesen betonen immer wieder stolz ihre Nachhaltigkeitsstrategie. Wer genauer hinschaut, erkennt schnell, dass dahinter hauptsächlich Marketing steckt. Wie nachhaltig eine prall gefüllt Frischetheke ist, nur um eine optisch schöne Auslage zu schaffen und die Auswahl groß zu halten? Gar nicht. Das ist verschwenderisch.
Etwa elf Millionen Tonnen Lebensmittel werden allein in Deutschland jährlich entsorgt, wie das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) schreibt. Darunter sind vor allem auch noch essbare Waren, die massenhaft im Müll landen – eine Schande. Dabei wäre die Lösung gar nicht mal so schwer: Gezieltere Angebote statt Überangebot, bessere Kalkulation – Lebensmittel abgeben, bevor sie vergammeln. Doch das würde weniger Profit für die Unternehmen bedeuten.
Kunden sind verwöhnt: Wertschätzung von Lebensmitteln ist verloren gegangen
Kunden sind verwöhnt: Beim Einkaufen ist alles zu jeder Zeit verfügbar. Ein Fehler. Täglich landen Fleisch, Wurst und Fisch zu Billigpreisen auf den Tellern – die Wertschätzung von Lebensmitteln ist verloren gegangen.
Konzerne nutzen das aus – und sorgen für ein Überangebot. Wäre es wirklich so schlimm, wenn die Lieblingssalami mal ausverkauft ist? Nein, das nennt sich Luxus-Problem. Würde den Konzernen die Umwelt und der Kampf gegen Lebensmittelverschwendung wirklich am Herzen liegen, würden sie handeln.
Ein Anfang: Supermärkte und Discounter rabattieren ablaufende Produkte
In Supermärkten und Discountern wie Edeka, Rewe, Lidl und auch Kaufland werden Produkte, die bald ablaufen, rabattiert. Ein Anfang, aber da geht sicher noch mehr. Profit schlagen die Konzerne dennoch genügend daraus – zu viel.
Kommentare öffnen
Stimme.de
Kommentare