Ausfälle drohen

Kerosin für Urlaubsflieger könnte bald knapp werden – Verband schlägt Alarm

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Die lange Blockade der Straße von Hormus im Iran hat auch Auswirkungen auf die Kerosin-Importe. Der Treibstoff für Flugzeuge könnte in Europa in den nächsten sechs Wochen knapp werden. 

Von red/dpa

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Mit dem Flugzeug in den Urlaub fliegen zu können, war für manche fast schon eine Selbstverständlichkeit. Doch das wird sich künftig wohl ändern. Erst sorgte eine Streikwelle dafür, dass fünf Tage lang Lufthansa-Flugzeuge am Boden bleiben mussten. Dann kam die nächste Hiobsbotschaft für einige Reisende: Lufthansa legt Cityline still – wegen der Streiks und hoher Kosten für Kerosin. So langsam wird Letzteres zum Problem: Kerosin wird aufgrund der Blockade der Straße von Hormus im Iran nicht nur immer teurer – sondern für Europa allmählich auch knapp. 

Luftverkehrsverband in Berlin schlägt Alarm: Kerosin für Urlaubsflieger könnte knapp werden

Die Airlines prüfen bereits einzelne Verbindungen, der Luftverkehrsverband in Berlin schlägt Alarm: Schon bald könne der fehlende Kerosin-Nachschub durch die Straße von Hormus zu Engpässen in Europa und Deutschland führen. Denn ein großer Teil der Importe stammt aus dem Nahen Osten, zahlreiche Öl-Anlagen im Krisengebiet sind zerstört.

„Die Sommerreisesaison steht unmittelbar bevor, das Ökosystem Tourismus ist in der Hauptreise- und Geschäftszeit bei ein- und ausreisenden Touristen auf den Luftverkehr angewiesen“, warnt der Hauptgeschäftsführer des Branchenverbands BDL, Joachim Lang.

Laut einer Umfrage der Bild prüfen die Airlines zwar ihre Verbindungen und entwerfen Krisenszenarien, konkrete Absagen von Ferienflügen gab es bislang aber nicht.

Wirtschaftsweise erklärt: „Ticketpreise werden stark steigen“

Sicher sind hingegen steigende Ticketpreise. Flüge nach Südostasien oder Australien sind allein wegen des kriegsbedingten Ausfalls der Luftdrehkreuze in den Arabischen Emiraten bereits deutlich teurer geworden.

Der Ökonom Gabriel Felbermayr erwartet allgemein deutlich höhere Kosten für Flugreisende. „Die Ticketpreise werden stark steigen, damit wird die Nachfrage nach Flugdienstleistungen zurückgehen“, sagte der Wirtschaftsweise im Interview beim Deutschlandfunk.

Das bleibe nicht ohne Folgen: Wenn die Nachfrage sinke, tue das auch das Angebot: Einzelne Flugverbindungen könnten entfallen, weil sie sich nicht mehr rechnen.

Experten rechnen mit: 20 Prozent der globalen Öl-Kapazität länger nicht verfügbar

Zuerst hat sich die Kerosin-Krise an asiatischen Flughäfen gezeigt, die schon vor Wochen keine zusätzlichen Flüge mehr angenommen haben. Ob und wann sich die Versorgungslage in Europa zuspitzt, hängt laut BDL maßgeblich von der Dauer des Iran-Kriegs ab. Selbst bei einem kurzfristigen Ende werde sich die Lage auf den Energiemärkten aber nur langsam entspannen. Die Preise für Kerosin haben sich seit Beginn des Krieges mehr als verdoppelt. 

Der Verband verweist auf Energieexperten, denen zufolge am Persischen Golf mehr als 80 Anlagen teils schwer beschädigt seien. „Die Mineralölwirtschaft geht davon aus, dass noch für längere Zeit 20 Prozent der globalen Öl-Kapazität nicht verfügbar sind“, sagt Lang. Das allein verschärft den Wettbewerb um die verbleibenden Mengen. 

Kerosin könnte in Europa in den nächsten sechs Wochen knapp werden 

Der Internationalen Energieagentur (IEA) zufolge könnte Kerosin in Teilen Europas wegen der Lage in der Straße von Hormus in den nächsten Wochen knapp werden. „Mehrere europäische Länder könnten in den kommenden sechs Wochen einer beginnenden Knappheit von Kerosin gegenüberstehen“, hieß es von der in Paris ansässigen IEA.

Dies hänge davon ab, wie viel der eingebüßten Lieferungen aus den Mittleren-Osten-Ländern durch andere Importe wettgemacht werden könnten. Bislang seien 75 Prozent der europäischen Kerosin-Nettoimporte aus dem Mittleren Osten gekommen.

Laut einer Studie des Beratungsunternehmens Energex Partners ist die Produktion von Flugzeugtreibstoff in Europa einschließlich Großbritannien von 2019 auf 2024 um ein Viertel geschrumpft. Auch in Deutschland wurden Kapazitäten zur entsprechenden Verarbeitung von Rohöl abgebaut. Eine erhebliche Abhängigkeit von der Produktion auf der arabischen Halbinsel sei entstanden.

Ersatz für Kerosin-Importe aus Nahost gesucht

Ersatz-Kerosin kommt bislang vor allem aus den USA, so der BDL. Die Lieferungen könnten allerdings bislang nur rund die Hälfte der ausfallenden Mengen ersetzen. Es drohten niedrige Bestände und ein enger Markt mit weiter steigenden Preisen über den Sommer hinaus. 

Die EU-Kommission sieht bislang keine Hinweise auf systemische Kraftstoffengpässe, die zu weitreichenden Flugausfällen führen würden. Der Markt sei bislang mit der angespannten Lage zurechtgekommen. Man beobachte die Lage sehr genau, sagt eine Sprecherin Brüssel. Sollte die Situation in der Straße von Hormus dauerhaft anhalten, bereite sich die EU auf koordinierte Maßnahmen vor.

An konkreten Gegenmaßnahmen schlägt der Verband wie auch der europäische Airlineverband A4E eine enge staatliche Überwachung der vorhandenen Kerosin-Mengen vor. Zudem sollten nationale und europäische Reserven freigegeben werden. Helfen könnten zusätzliche Durchleitungsrechte für die sogenannte Nato-Pipeline, um die Flughäfen in Frankfurt, Köln, München und Zürich besser versorgen zu können.

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