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Neue E-Auto-Prämie: Experte zweifelt am Nutzen der staatlichen Förderung

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Die letzten Details sind noch offen, aber die Eckdaten für die neue E-Auto-Prämie stehen fest. Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer glaubt allerdings, dass die staatliche Förderung ihre Ziele verfehlt. Ein Grund ist auch der sinkende Preisabstand zwischen Verbrennern und Stromern.


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In diesen Tagen wird mal wieder Bilanz gezogen. Im vergangenen Jahr wurden in Deutschland rund 2,86 Millionen Autos neu zugelassen, davon waren 545.000 rein elektrische Fahrzeuge, das ist ein Plus von 43,2 Prozent gegenüber 2024. Der Anteil der Stromer steigt damit auf 19,1 Prozent. Nach dem Willen der Bundesregierung soll die Zahl der E-Autos und Fahrzeuge mit Plug-in-Hybrid in den nächsten Jahren deutlich steigen.

Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) wollte eigentlich am Freitagmorgen über die neue E-Auto-Prämie informieren. Nun wurde die geplante Pressekonferenz auf Montag verschoben, da „letzte Detail-Abstimmungen innerhalb der Bundesregierung“ nötig seien. Die wichtigsten Eckpunkte sind aber bereits durchgesickert.

Neue E-Auto-Förderung soll bis zu 6000 Euro für Käufer bringen

Alle Verbraucher, die E-Autos und bestimmte Plug-In-Hybride (mit mindestens 80 Kilometer elektrischer) Reichweite ab dem 1. Januar 2026 neu zugelassen haben, können das Geld beantragen – wenn sie unter einer bestimmten Einkommensgrenze liegen. Die genaue Höhe soll am Montag genannt werden. In einem ersten Entwurf aus dem vergangenen Herbst war eine Summer Summe von maximal 80.000 Euro zu versteuerndem Jahreseinkommen pro Haushalt genannt worden. Fest steht: Die Förderung gilt ausschließlich für Privathaushalte, also nicht für Firmenfahrzeuge – und nur für Neuwagen. Das Programm umfasst sowohl Kauf als auch Leasing. Aus Kreisen des Bundesumweltministeriums heißt es, dass je nach Einkommen und Familiengröße Fördermittel von 1500 bis maximal 6000 Euro beantragt werden können. 

Insgesamt stellt die Bundesregierung drei Milliarden Euro als Fördertopf bereit. „Die Mittel reichen für geschätzt 800.000 Fahrzeuge in den nächsten drei bis vier Jahren“, sagte Umweltminister Schneider der „Bild“. Er sieht das Programm als „Anschub für die Elektromobilität in Deutschland“.

Autoexperte Dudenhöffer: „Ökonomisch macht eine Förderprämie keinen Sinn“

Noch stehen nicht alle Details fest, aber Kritik an dem Förderprogramm lässt nicht langte auf sich warten. Vor allem deswegen, weil E-Autos zuletzt günstiger geworden sind. „Nach unseren monatlichen Erhebungen lag der Preisabstand zwischen Verbrenner und Elektroauto im Dezember gerade noch bei 1340 Euro“, sagt Ferdinand Dudenhöffer, Direktor des Center Automotive Research (CAR) in Bochum. Stück für Stück habe sich der Preisabstand von 7321 Euro im Jahr 2024 auf nun 1340 Euro bis Dezember 2025 reduziert.

„Und dieser Prozess geht mit chinesischen Anbietern, die sich erst langsam im Markt entwickeln, und neuen, günstigeren Elektroautos, wie etwa dem VW ID Polo, der im Jahr 2026 in den Markt kommt, weiter“, so Dudenhöffer. Die monatlichen Analysen des CAR betrachten die Transaktionspreise der 30 meistverkauften Elektroautos und der 30 meistverkauften Verbrenner. Transaktionspreise sind die Preise, die der Kunde letztendlich bezahlt, also Listenpreise minus Rabatt.

Zwischen 1500 und 6000 Euro Prämie soll es für den Kauf von E-Autos oder Fahrzeugen mit Plug-in-Hybrid geben. Ob sich das Förderprogramm positiv auswirkt, daran glaubt Autoexperte Ferdiand Dudenhöffer nicht
Zwischen 1500 und 6000 Euro Prämie soll es für den Kauf von E-Autos oder Fahrzeugen mit Plug-in-Hybrid geben. Ob sich das Förderprogramm positiv auswirkt, daran glaubt Autoexperte Ferdiand Dudenhöffer nicht  Foto: Ralph Wagner

Gleichzeitig würden die Daten zeigen, dass sich der Marktanteil von Elektroautos von 13,5 Prozent im Jahr 2024 auf 22,2 Prozent im Dezember 2025 kontinuierlich erhöht hätten. Die besseren Preise für die vollelektrischen Fahrzeuge steuerten den Markt.  „Ökonomisch macht eine Förderprämie somit keinen Sinn und beansprucht nur unnötigerweise den Staatshaushalt“, kritisiert Ferdinand Dudenhöffer.

Autoexperte geht davon aus, dass die Rabatte für E-Autos sinken werden

Bis die Prämien im Markt ankommen, werde erst einmal Zeit vergehen, so Dudenhöffer, „so dass in den nächsten Monaten die Käufe für Elektroautos zurückgestellt werden“. Zum zweiten sei zu erwarten, dass die Rabatte der Autobauer für Elektroautos gekürzt werden. „Im Dezember hatten wir sehr hohe Rabatte von 19,3 Prozent im Schnitt“, berichtet der Direktor des CAR. „Die Prämie erlaubt, die Rabatte zu kürzen, sprich die Prämie motiviert zu Mitnahme-Effekten. Die Prämie wirkt aus meiner Sicht wenig.“

In der Region sind aktuell mehr als 20.000 E-Autos zugelassen

Zum Stichtag 31. Dezember 2025 waren im Verbreitungsgebiet der Heilbronner Stimme 20.136 E-Autos zugelassen. Das sind etwa doppelt so viele wie noch im April 2023. Am Silvestertag 2018 waren in der Region gerade einmal 816 vollelektrische Fahrzeuge unterwegs. Die meisten Stromer (12.616) sind aktuell im Landkreis Heilbronn unterwegs. In der Stadt Heilbronn sind es 2419 vollelektrische Fahrzeuge, im Hohenlohekreis 5101.

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