Heribert Rohrbeck gibt Chefposten bei Bürkert ab
Zum Jahresende verabschiedet sich der 61-Jährige mit Rekordzahlen vom Ingelfinger Ventilhersteller. Er hat das Unternehmen über viele Jahre geprägt und einen Kulturwandel herbeigeführt.

Heribert Rohrbeck macht vorzeitig Schluss. Der langjährige Geschäftsführer des Ventilherstellers Bürkert in Ingelfingen gibt zum Ende des Jahres seinen Posten ab. Leicht fällt es ihm nicht. Doch die Nachfolge sei geregelt. Und so werde er sich nun etwas mehr um sich selbst kümmern können, kündigt er an.
Erkrankung schränkt ihn zunehmend ein
„Ich weiß es seit geraumer Zeit und konnte doch nicht darüber reden“, erzählt Rohrbeck im Gespräch mit unserer Zeitung. Die Belastung, seine Erkrankung nicht sichtbar werden zu lassen, sei immer größer geworden. „Ich bin an Parkinson erkrankt“, sagt der 61-Jährige. Mit viel Willenskraft habe er dagegen angekämpft, doch der Tremor an der rechten Hand werde stärker. „In einer Verhandlung zu zittern, das geht nicht“, sagt Rohrbeck. „Deshalb gehe ich, wenn es am schönsten ist.“
Rohrbeck hat den größten Ventilhersteller im Kochertal zu einem Schwergewicht in der regionalen Wirtschaft gemacht. Über 700 Millionen Euro Umsatz sind in diesem Jahr zu erwarten, 641 Millionen waren es im Vorjahr. Das war schon Rekordumsatz, nun gibt es also ein zweistelliges Wachstum obendrauf und wieder ein Rekordergebnis – zu den Gewinnzahlen schweigt das Unternehmen aber. Den veröffentlichen Zahlen zufolge waren zweistellige Umsatzrenditen in der Vergangenheit üblich. 3800 Mitarbeiter beschäftigt Bürkert weltweit.
Gesellschafter haben Verständnis
„Wir stehen vor der Aufgabe, aus einem internationalen Unternehmen ein globales zu machen“, sagt Rohrbeck. Dafür brauche es neue Ideen. Auch aus dieser Perspektive sei nun ein guter Zeitpunkt, um einen Neuen ans Ruder zu lassen. Der Neue – es wird ein Mann sein – beginnt im April. Bis dahin übernimmt ein vierköpfiges Geschäftsführungs-Team aus dem Haus. Rohrbeck stehe weiter beratend zur Verfügung. „Ich klammere nicht, und ich habe Gesellschafter, die Verständnis zeigen.“
Die Kultur im Unternehmen hat Rohrbeck maßgeblich geprägt. „Es hängt vielleicht mit meinen ersten beruflichen Erfahrungen nach dem Studium bei einem Rüstungskonzern in Nordrhein-Westfalen zusammen“, erzählt er. Dort hätten alle die Ellenbogen ausfahren müssen, um weiterzukommen. „Ich habe gemerkt, ich habe auch Ellenbogen, und ich habe sie eingesetzt“, gibt er zu. Doch wohl hatte er sich dabei nicht gefühlt. „Das hat viele kaputt gemacht.“ Er habe sich deshalb geschworen: „Wenn ich je einmal auf eine Position gelange, um so etwas zu ändern, dann werde ich das tun.“
Am Anfang hat er das Unternehmen umgekrempelt
Als er 1993 zu Bürkert kam, erlebte er das Unternehmen erst einmal als sehr verschlossen, gedämpft, Teppiche an der Wand, dunkel. Als Abteilungsleiter in der mechanischen Konstruktion bekam er dann die Chance, für ein Projekt die Arbeitsabläufe komplett neu zu organisieren. Vieles, was heute unter agilem Arbeiten läuft – mit interdisziplinären Teams und schnellen „Sprints“ –, führte damals schon zum Erfolg. Anschließend durfte er die gesamte Forschung und Entwicklung nach diesem Vorbild umbauen. „Mir war Wertschätzung wichtig, unabhängig von Hierarchien.“ Eine Reinigungsfachkraft sei im Team genauso wichtig wie der promovierte Physiker, sagt er.
In den folgenden Jahren ging es in den Verkauf, zuerst in Deutschland, dann international. „Auch da war alles streng hierarchisch organisiert, das Gegenteil von dem, was ich wollte.“ Die Organisation sollte an den Abläufen ausgerichtet sein. Und so stellte er für seine Mitarbeiter vieles infrage: Mancher Titel musste auf-, mancher Firmenwagen abgegeben werden. Das kam nicht bei allen gut an. Der damalige Chef Gerhard Hettinger ließ ihn gewähren. Die Rückendeckung der Gesellschafter hatte er – weitgehend. Bei einem Termin in Kassel habe ihn Andreas Bürkert mit dem Himmelsstürmer auf dem Bahnhofsvorplatz verglichen. Dort läuft die Figur auf einem Rohr Richtung Himmel. „Herr Rohrbeck“, habe Bürkert zu ihm gesagt, „das sind Sie. Und was Sie da machen, ist nicht mutig, das ist tollkühn.“ Rohrbeck sah es offenbar als Ansporn, weiterzumachen.
Das Unternehmen
Der Ventilhersteller Bürkert aus Ingelfingen ist in unzähligen Branchen aktiv. Pharma ist nur eine von vielen. Während der Corona-Zeit spielte die Produktion von Beatmungsgeräten eine wichtige Rolle, oder auch die Herstellung von Glasviolen für den Impfstoff. Auch beim Fluid-Handling von PCR-Testgeräten kommen Bürkert-Systeme zum Einsatz. Doch die Ingelfinger möchten sich nicht auf eine Nische festlegen lassen. Statt einzelner Ventile verkaufen sie auch lieber Systemlösungen oder sogar ganz unabhängig vom Hersteller auch die Dienstleistung der Anlagenwartung. „Das ermöglicht uns einen guten Zugang zum Kunden“, sagt Geschäftsführer Heribert Rohrbeck. „Denn wenn man eine Anlage kennt, dann weiß man auch, wie man etwas verbessern kann.“ Da sei es am Ende egal, ob man Medikamente oder Bier abfüllt, betont der scheidende Geschäftsführer.
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